Bischof Krätzl würdigt Hildegard Burjan als unerschrocken
Wien, 30.1.08 (KAP) Die "Unerschrockenheit", mit der Hildegard Burjan, Gründerin der Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis" (CS), ihr Engagement in Politik, Sozialwesen und Kirche betrieben hat, ist ein Vorbild auch für heute. Das sagte der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl bei einem Gedenkgottesdienst für die vor 125 Jahren, am 30. Jänner 1883, in Görlitz (Deutschland) geborene christdemokratische Politikerin, deren Seligsprechung noch im Lauf des heurigen Jahres erwartet wird.
Krätzl erinnerte in seiner Predigt in der Kapelle der "Caritas Socialis" (1090 Wien, Pramergasse 9) an den Einsatz Hildegard Burjans gegen soziale Ungerechtigkeit, politisches Ränkespiel und Judenhass, unter dem sie als Konvertitin jüdischer Herkunft doppelt litt. Sie habe bei ihren Aktivitäten mehrfach mit "Gegenwind" zu Rande kommen müssen, sei aber stets in tiefem Gottvertrauen ihren Weg gegangen, so der Weihbischof. Die Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis" ermutigte Krätzl, sich an der Unerschrockenheit ihrer Gründerin ein Beispiel zu nehmen und angesichts des derzeitigen Nachwuchsmangels auch Neuerungen ins Auge zu fassen.
1919 erste christlichsoziale Abgeordnete
Hildegard Burjan (1883-1933) war in der Zwischenkriegszeit eine wichtige Persönlichkeit in Politik und Kirche. Sie wurde das "Gewissen des Parlaments" und die "Mutter der Heimarbeiterinnen von Wien" genannt. Sie kämpfte für die Rechte und die Gleichberechtigung der Frauen und zog 1919 als erste christlichsoziale Abgeordnete der Ersten Republik ins Parlament ein. "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" zählte zu ihren wichtigsten politischen Forderungen. Als verheiratete Frau und Mutter gründete sie die Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis" (CS), die seit Jahrzehnten Pionierarbeit im sozialen Bereich leistet.
Das Seligsprechungsverfahren für Hildegard Burjan wurde 1963 von Kardinal Franz König eingeleitet. Der erforderliche Wunderprozess fand im Jahre 2001 seinen Abschluss und wurde von der vatikanischen Heiligsprechungskongregation rechtlich anerkannt. Papst Johannes Paul II. besuchte im Juni 1998 das "Caritas Socialis"-Hospiz "Rennweg", wo er sich anerkennend über Hildegard Burjan äußerte. Für die Vizepostulatorin im Seligsprechungsverfahren, die Publizistin Prof. Ingeborg Schödl, wäre ein positiver Abschluss des laufenden Verfahrens ein Zeichen der Anerkennung des Engagements von Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft.