Marx als Bischof von München-Freising in Amt eingeführt
München, 2.2.08 (KAP) Reinhard Marx ist als Erzbischof von München und Freising im Amt. Bei einem feierlichen Gottesdienst am Samstag im Münchner Liebfrauendom überreichte ihm sein Vorgänger, der 79-jährige Kardinal Friedrich Wetter, den barocken Hirtenstab und führte ihn zusammen mit dem Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Perisset, zum Bischofsstuhl. Marx ließ sich auf der sogenannten Kathedra nieder und ergriff damit offiziell Besitz von seinem Erzbistum.
Zuvor hatte Dompropst Weihbischof Engelbert Siebler die deutsche Übersetzung der päpstlichen Ernennungsurkunde verlesen. Darin heißt es: "Weil Du, verehrter Bruder, die erforderlichen Fähigkeiten besitzt und als Bischof von Trier schon Erfahrung in der Leitung einer Diözese hast, wurdest Du für geeignet befunden, dieses Amt zu übernehmen und es fruchtbringend auszuüben." Marx ist 54 Jahre alt der 73. Nachfolger des heiligen Korbinian. Dieser hatte im 8. Jahrhundert das Bistum gegründet.
Spitzen aus Kirche und Gesellschaft
An der Amtseinführung nahmen hochrangige Gäste aus Kirche und öffentlichem Leben teil. Zu der Feier wurden mehr als 50 Kardinäle und Bischöfe aus dem In- und Ausland erwartet. Auch eine Delegation österreichischer Bischöfe mit dem Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, war nach München angereist.
Das Erzbistum München und Freising ist mit mehr als 1,8 Millionen Katholiken das größte unter den sieben bayerischen Bistümern und eine der bedeutendsten Diözesen in Deutschland. Sie erstreckt sich über eine Fläche von 12.000 Quadratkilometern vorwiegend auf Oberbayern und ging hervor aus dem Hochstift Freising, das der heilige Bonifatius 739 errichtete. Nach der Säkularisation 1821 wurde der Bischofssitz nach München verlegt und die Erhebung zum Erzbistum verfügt.
Offizielle Bischofskirche ist der Münchner Liebfrauendom, dazu kommt aus historischen Gründen als Konkathedrale der Freisinger Mariendom. Bistumspatron ist der heilige Korbinian, der im 8. Jahrhundert das Christentum nach Altbayern brachte.
Marx folgt auf Kardinal Wetter
Der am Samstag in sein Amt eingeführte Erzbischof Reinhard Marx ist der 13. Oberhirte in München und Freising seit der Erhebung zum Erzbistum. Marx folgte auf Kardinal Friedrich Wetter, der 25 Jahre amtierte und seinerseits Nachfolger von Joseph Ratzinger war, dem jetzigen Papst Benedikt XVI. Im Wappen von Marx findet sich der Freisinger Mohr und der Markus-Löwe, der auf die Herkunft seines Familiennamens verweist. Sein Bischofsspruch lautet: "Ubi spiritus domini ibi libertas" (Wo der Geist des Herrn weht, da ist Freiheit).
"Als neuer Erzbischof von München und Freising werde ich sicher nicht allen Erwartungen und Wünschen entsprechen können und dürfen, aber ein neuer Bischof kann und darf dankbar weiterführen, was schon in guter Weise hier im Erzbistum an Glaube und Liebe lebendig ist", sagte Reinhard Marx in seiner ersten Predigt als Erzbischof von München und Freising.
Kirche muss sich politisch einmischen
In seiner ersten Predigt als Münchner Erzbischof erklärte Marx, er freue sich, dass in der modernen Gesellschaft Religion und Glaube wieder stärker präsent seien. Allerdings sei das Suchen und Fragen der Menschen vielfältiger geworden sei. Die Kirche verstehe sich dabei als "Zeichen, Werkzeug und Instrument", damit den Menschen geholfen werde, Gott zu finden. Weil die Verkündigung des Evangeliums in die Mitte der Gesellschaft gehöre, müssten sich Bischof und Kirche "politisch und gesellschaftlich einmischen". Dieses Zeugnis könne aber auch in großer ökumenischer Verbundenheit gegeben werden, so der Erzbischof.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sagte in seiner an Marx gerichteten Ansprache, dieser sei für die große Aufgabe im Erzbistum "bestens gerüstet". Der Westfale werde dank seiner Offenheit, Bodenhaftung und Menschlichkeit schnell Zugang zu den Menschen in Bayern gewinnen. In das Gespräch mit den politischen und gesellschaftlichen Kräften wie auch in seine neue kirchliche Aufgabe werde er viele Erfahrungen einbringen können. Seine ökumenische Kompetenz sei mit Blick auf den 2010 in München geplanten Zweiten Ökumenischen Kirchentag wichtig.
50 Kirchenobere und Tausende Gläubige
Mehrere tausend Menschen hatten am Gottesdienst im Dom, der vom Bayerischen Fernsehen übertragen wurde, teilgenommen. Unter den Ehrengästen waren mehr als 50 Kardinäle, Bischöfe, Äbte und Ordensobere, darunter die Kardinäle Joachim Meisner (Köln) und Christoph Schönborn (Wien). Dazu kamen Repräsentanten aus Ökumene und Politik wie der evangelisch-lutherische Landesbischof in Bayern, Johannes Friedrich, der bayrische Ministerpräsident Günther Beckstein und Landtagspräsident Alois Glück.
