John Okoro zum altkatholischen Bischof geweiht
Wien, 4.2.08 (KAP) Unter starker internationaler und ökumenischer Teilnahme ist John Okoro am Samstag zum neuen Bischof der altkatholischen Kirche in Österreich geweiht worden. "Der Auftrag Jesu, alle sollen eins sein, scheint mir in dieser Stunde erfüllt zu sein", sagte Okoro in seiner Ansprache in der lutherischen Stadtkirche in der Wiener Dorotheergasse. Okoro, 1949 im nigerianischen Kano geboren, betonte, dass sowohl Nigeria als auch Österreich Heimat für ihn seien.
Auch Okoros Vorgänger, Altbischof Bernhard Heitz, ging in seiner Predigt auf die besondere Biografie des neuen Bischofs ein und wies darauf hin, dass das Evangelium Völker und Kulturen verbinde. "Bei Gott ist nichts unmöglich", sagte Heitz: "Es gilt, die Botschaft des Glaubens für alle Menschenkinder neu zu entdecken, für Schwarze und Weiße, Einheimische und Fremde in unserem Land ebenso wie in Europa, das für manche Suchende leider zur unüberwindlichen Festung geworden ist." Der lutherische Bischof Michael Bünker sagte auf humorvolle Weise dazu: "Bischof Okoro hat es als Nigerianer, als Altkatholik und als Vorarlberger geschafft, Wiener des Tages zu werden."
Vollzogen wurde die Bischofsweihe von den Bischöfen der Utrechter Union, die aus den Niederlanden, Deutschland, der Schweiz und Tschechien nach Wien gekommen waren. An der Spitze des altkatholischen Episkopats stand der Utrechter Erzbischof Joris Vercammen.
Von Seiten der Ökumene überbrachten u.a. der St. Pöltner Ordinariatskanzler Gottfried Auer für die katholische Kirche, Metropolit Michael Staikos für die Orthodoxie und der lutherische Altbischof Herwig Sturm für den Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) Glückwünsche und Grußbotschaften. Sie würdigten den Beitrag der altkatholischen Kirche zum ökumenischen Klima in Österreich und zeigten sich zuversichtlich, dass dies unter Bischof Okoro auch weiterhin so bleiben werde. ÖRKÖ-Vorsitzender Sturm erinnerte u.a. daran, dass die altkatholische Kirche schon Gründungsmitglied des ÖRKÖ vor genau 50 Jahren gewesen sei.
Afrikanische Wurzeln
Die Synode der altkatholischen Kirche in Österreich wählte Johannes Ekemezie Okoro im November 2007 zum neuen Bischof. Okoro wurde am 21. August 1949 im nordnigerianischen Kano geboren und ist seit 1994 österreichischer Staatsbürger. Von 1974 bis 1978 studierte er in Innsbruck Theologie, 1977 wurde er in Dornbirn zum römisch-katholischen Priester geweiht. 1980 promovierte er in Innsbruck auch in Psychologie. Anschließend war er in Nigeria als Seelsorger tätig und lehrte Psychologie und Ethik am Priesterseminar in Enugu. 1988 kehrte er nach Österreich zurück und begann mit einer psychoanalytischen Lehranalyse; seit 1991 ist er in die österreichische Psychotherapeutenliste eingetragen.
1988 wurde er Kaplan in Lustenau und war dann von 1991 bis 1995 als Pfarrer von Dornbirn-Oberdorf tätig. Anschließend war er drei Jahre Militärseelsorger bei den österreichischen UNO-Truppen in Zypern und auf dem Golan.
1999 konvertierte Okoro zur altkatholischen Kirche und heiratete. Er eröffnete eine psychotherapeutische Praxis und wurde Seelsorger für die altkatholischen Gemeinden in Vorarlberg.
Die altkatholische Kirche in Österreich zählt heute rund 15.000 Mitglieder. Sie erhielt 1877 die staatliche Anerkennung auf Grund des Anerkennungsgesetzes von 1874. Die altkatholische Kirche in Österreich gehört zur "Utrechter Union". In dieser Kirchengemeinschaft sind Kirchen aus verschiedenen Traditionsströmen vereint. Während die österreichische, die deutsche und die Schweizer altkatholische Kirche auf die innerkirchliche Opposition gegen das Erste Vaticanum zurückgeht, sind die Wurzeln der niederländischen Altkatholiken im Jansenismus des 17./18. Jahrhunderts zu suchen. Die größte Mitgliedskirche der "Utrechter Union", die "Polish National Catholic Church" in den USA, entstand Ende des 19. Jahrhunderts, als sich viele polnische Pfarrgemeinden mit der irischen Dominanz in der damaligen katholischen Kirche der Vereinigten Staaten schwer taten.