"Weizer Pfingstvision" feiert 20-jähriges Bestehen
Graz, 7.2.08 (KAP) Die "Weizer Pfingstvision" feiert heuer ihr 20-jähriges Bestehen. Das Jubiläum der oststeirischen kirchlichen Reformbewegung, die mit ihrem Motto "Je spiritueller, desto solidarischer" weit über die Region Weiz hinaus Anhänger fand, wird am 12. April mit einer Festveranstaltung in Weiz gefeiert; mit dabei sind der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari, der Wiener Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner, der seit langem mit der "Pfingstvision" verbunden ist, und der frühere Vizekanzler Erhard Busek. Das Jubiläum ist auch Anlass für eine Sonderbeilage, die der dieswöchigen Ausgabe des steirischen "Sonntagsblattes" beigelegt sein wird.
Der Mit-Initiator der "Weizer Pfingstvision", Fery Berger, schildert darin deren Entwicklung vom Beginn als Jugendtreffen im Jahr 1988 bis zur gegenwärtigen "vieldimensionalen Bewegung" mit Sozialeinrichtungen wie Behindertenbetreuung und Brasilien-Solidaritätsgruppe, mit dem "spirituellen Weg", der zeitgemäße Pilgererfahrungen ermöglichen soll, und mit der kontinuierlichen Präsenz von anspruchsvoller Gegenwartskunst am Weizberg. "Jüngstes Kind" ist die "Solidarregion Weiz", eine überparteiliche und konfessionsübergreifende "Initiative für eine Globalisierung an der Basis".
Berger streicht den geistigen - und geistlichen - Hintergrund der "Weizer Pfingstvision" hervor. In einer Zeit, da viele meinen, auch ohne Gott ganz gut leben zu können, bedürfe es neuer Antworten der Kirche: "Wenn die äußeren Glaubensstützen wegfallen, muss unsere Spiritualität von innen her genährt werden." Dieser "Input" müsse sich zugleich immer auch in tätiger Sensibilität für die Herausforderungen und Nöte der Welt niederschlagen.
Zum Jubiläum "ein Blick voraus"
Das Jubiläum ist für die "Weizer Pfingstvision" Anlass für "einen Blick voraus", und das ist auch das Motto der Feier am Samstag, 12. April, ab 19 Uhr im Kunsthaus Weiz. Bischof Kapellari spricht dabei ein Grußwort unter dem Titel "Pfingsten in Jerusalem - und Weiz(?)"; der steirische Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer, der Weizer Bürgermeister Helmut Kienreich, der Weizer Pfarrer Franz Lebenbauer und die evangelische Pfarrerin Ingrid Staudt bestreiten ein anschließendes "Begrüßungsgespräch". "Wendezeit oder Zeitenwende?" lautet der Titel des Referates von EU-Sonderkoordinator Erhard Busek, Pastoraltheologe Zulehner spricht über "religiös-kirchliche Perspektiven für die nächsten 20 Jahre". Fery Berger legt abschließend seine Gedanken zur Zukunft der "Pfingstvision" dar.
Musikalisch eingerahmt wird die Jubiläumsfeier von der Uraufführung der Komposition "Sound of Pentecost" von Robert Kelz, interpretiert von der Big Band Weiz. Auch eine Ausstellung mit Werken von Hannes Schwarz, Martin Hörl und Martin Ladstätter sowie ein spiritueller Impuls zum Thema "Neues Pfingsten" sind Teil des Festprogramms.
"Geburtsstunde" bei Jugendtreffen
Ihre "Geburtsstunde" - wie es in der Kirchenzeitungs-Beilage heißt - erlebte die "Weizer Pfingstvision" 1988 bei einem österlichen Treffen von zwölf Weizer Jugendlichen mit dem damaligen Jugendleiter Berger und dem damaligen Kaplan Günter Zgubic (er ging noch im selben Jahr als Gefängnisseelsorger nach Brasilien und erhielt für sein Menschenrechts-Engagement 2005 den Romero-Preis). In der Folge kam es jährlich zu einem Pfingsttreffen mit prominenten Mentoren wie den Kardinälen Franz König und Christoph Schönborn, mit Bischof Kapellari und Paul Zulehner, mit dem Mystiker Henry Boulad und Kunst- und Literaturschaffenden wie Robert Schneider, Josef Winkler, Hubert Schmalix und Alfred Hrdlicka.
1995 kam es in Österreichs Kirche nicht nur zum "Kirchenvolksbegehren" als Reaktion der Basis auf die Turbulenzen rund um Kardinal Groer, sondern auch zu einem zehn Punkte umfassenden kirchlichen Aufbruchsprogramm namens "Weizer Pfingstvision", das 30.000 Katholiken unterstützten.
Ex-Kanzler Schüssel und Erfolgsautor Glavinic
Im heurigen Jubiläumsjahr werden - im Vorfeld des Pfingstfestes - erneut viele prominente Persönlichkeiten nach Weiz kommen: Ex-Bundeskanzler Schüssel widmet sich am 16. April dem Thema "Wirtschaft und Solidarität", Gewerkschafter Wolfgang Katzian und Christian Friesl von der Industriellenvereinigung erörtern am 24. April den Begriff "gute Arbeit", Erfolgsautor Thomas Glavinic kommt am 1. Mai zu einer Lesung. Den spirituellen Höhepunkt, den Pfingstgottesdienst am 11. Mai, gestaltet heuer der Aachener Pfarrer und Autor "biblischer Gedichte", Wilhelm Bruners.