Gründer der "Cursillo"-Bewegung gestorben
Madrid, 8.2.08 (KAP) Eduardo Bonnin, eine der Gründergestalten der "Cursillo"-Bewegung, ist im 91. Lebensjahr in Palma de Mallorca gestorben. Wie die spanische "Cursillo"-Bewegung mitteilte, verstarb Bonnin nach langer Krankheit am Nachmittag des 6. Februar. Er habe "gemeinsam mit anderen Laien dazu beigetragen, einen kirchlichen Weg der Erneuerung des christlichen Lebens zu eröffnen, der heute auf allen fünf Kontinenten verbreitet ist" und rund fünf Millionen Mitglieder zählt, würdigte die Bewegung Bonnin. Der Bischof von Mallorca, Jesus Murgui, wird am Dienstag, 12. Februar, in der Kathedrale von Palma einen feierliches Requiem für den Verstorbenen zelebrieren.
Der "Cursillo" ist eine der wichtigsten Erneuerungsbewegungen in der katholischen Kirche. Den Namen hat die 1949 in Spanien entstandene Bewegung von ihren Drei-Tage-Kursen ("Cursillo" heißt auf spanisch "kleiner Kurs") erhalten, in denen jeweils ein Team von Laien und Priestern Glaubenswissen und Glaubenserlebnisse vermittelt. Der entscheidende Faktor dabei ist der "vierte Tag", die Umsetzung des Erlebten in die Praxis des Alltags.
Die Bewegung ist heute in zahlreichen Ländern aktiv. In Österreich haben bisher mehr als 70.000 Menschen an einem "Cursillo" teilgenommen. Von Österreich aus wurde der "Cursillo" auch in Deutschland und in den Reformstaaten eingeführt. In besonderer Weise wissen sich die "Cursillistas" dem Kirchenbild des Zweiten Vatikanischen Konzils - Kirche als geschwisterliches Volk Gottes - verpflichtet.
Eduardo Bonnin Aguilo, so sein voller Name, wurde am 4. Mai 1917 auf Mallorca geboren. Seine Eltern handelten mit Getreide und getrockneten Früchten. Sie ließen ihren Kindern eine stark christlich geprägte Erziehung zuteil werden, Bonnin besuchte das La Salle-College in Palma. 1937 wurde er zum obligatorischen Militärdienst eingezogen, der schließlich bis 1946 dauerte. Dabei wurde der bis dahin behütete Bonnin mit allen sozialen Schichten und der Lebensrealität der jungen Männer in dieser Zeit konfrontiert. Auch wenn viele der Männer, mit denen er beim Militärdienst zusammen war, nach außen hin wenig mit Kirche zu tun haben wollten, kam er zu dem Schluss, dass diese nicht einfach unchristlich und gegen die Religion eingestellt waren; sie bewahrten Werte wie Nein zu Lüge und Heuchelei, Freude, Aufgeschlossenheit und Sinn für Freundschaft.
In Mallorca bot die Kirche ab 1940 "Pilgerführer-Kurse" an, zur Ausbildung von Gruppenbegleitern, die bei der Wallfahrt im August 1948 nach Santiago de Compostela zum "Heiligen Jakobusjahr" vor allem Jugendliche begleiten sollten. Bonnin nahm am "2. Cursillo für Leiter von Pilgern" teil, der in der Karwoche 1943 veranstaltet wurde. Nach täglichen Vorträgen eines Priesters war das Gespräch der jungen Menschen über ihren Glauben und ihre Erfahrungen der wichtigste Teil des Kurses. Für Bonnin war dieser Kurs eine prägende Erfahrung.
Aus der Wallfahrt 1948 nach Santiago de Compostela kamen die letzten Anstöße für den eigentlichen "Cursillo". Im Jänner 1949 wurde in einem Kloster auf Mallorca der erste Männer-"Cursillo" abgehalten. Neben Bonnin - der später Leiter der katholischen Aktion auf Mallorca wurde - zählen der Laie Miguel Fernandez, die Priester Sebastian Gaya und Juan Capo sowie Bischof Juan Hervas von Mallorca zu den Gründervätern des "Cursillo".
Bonnin, der sich selbst einmal als "Lehrling im Christsein" bezeichnet hat, widmete "seine ganze Kraft, sein Wirken und Hoffen, sein ganzes Leben" dem "Cursillo", heißt es in der Mitteilung zu seinem Tod: "Zahlreiche Laien und einige Priester erkannten damals sehr deutlich, dass auch die Laien, auf Grund des Sakraments der Taufe und der Firmung, eine aktive Rolle in der Evangelisierung spielen." Mit den "Cursillos" habe er eine Methode gefunden, Menschen für das Evangelium zu begeistern und Freud am Christsein zu vermitteln.
In Österreich fand erstmals zu Pfingsten 1960 im niederösterreichischen Heiligenkreuz ein "kleiner Kurs" statt, geleitet von Claretinerpater Josef M. Garcia-Cascales. Er leitete den "Cursillo" in Österreich bis 2003 und ist in der Bewegung bis heute stark engagiert.