Kritik an Atheismus-Buch für Kinder
Wien, 13.2.08 (KAP) Das Kinderbuch "Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel" ist eine "Beleidigung für die Intelligenz von Kindern": Denn es sei "völlig frei von Argumenten" und will "von der ersten bis zur letzten Seite Religion, den Glauben an Gott sowie den Rabbi, den Bischof und den Mufti lächerlich, ja verächtlich machen", kritisierte nun der Wiener Religionspädagoge Prof. Martin Jäggle das umstrittene Buch des "Freidenkers" Michael Schmidt-Salomon, gegen das die Diözese Rottenburg-Stuttgart zuletzt Strafanzeige wegen der diffamierenden und blasphemischen Ausrichtung erstattet hatte.
Jäggle betonte, Religion werde in dem Buch "exklusiv mit Angst und Zwang verbunden". Religiöse Repräsentanten seien als lächerliche, aber auch Angst einflößende Figuren gezeichnet, so der Religionspädagoge in einem Kommentar für die jüngste Ausgabe der Wochenzeitung "Die Furche". So würden sich Rabbi, Bischof und Mufti in der Geschichte darum streiten, wer mit der allerschlimmsten Hölle drohen könne. Und jeder Gläubige der drei monotheistischen Weltreligionen werde von Schmidt-Salomon als "eigentlich bescheuert" dargestellt.
Noch einen schwer wiegenden Einwand erhebt Jäggle gegen den Autor, nämlich den des Antisemitismus: Der orthodox stilisierte, mit schiefem Zahn und verkehrter Brille karikierte Rabbi bediene überkommene Klischees, um Juden und das Judentum verächtlich zu machen.
Die Ausrede einer Satire lässt Jäggle nicht gelten: "Alle, die von Kindern etwas verstehen, wissen, dass es Kindern schwer fällt, Satire - und auch Ironie - als solche zu verstehen". Fazit des Wiener Religionspädagogen: "Kinder werden hier gegen die monotheistischen Religionen - wie sagt man doch in kriegerischen Zeiten? - aufmunitioniert. Und wer kümmert sich dann um die Abrüstung?"
Das Buch von Michael Schmidt-Salomon versteht sich als "ein Bilderbuch, das die Religionskritik unverhohlen in die Kinderzimmer bringt, das (religiöses) Judentum, Christentum, Islam schon für Grundschüler verständlich als Wahnsysteme entlarvt", heißt es auf der Website des Autors Schmidt-Salomon, der Vorstandssprecher der freidenkerischen "Giordano-Bruno-Stiftung" ist. Dort weist er auch den Vorwurf des Antisemitismus zurück.