Kirche geht bei Fußball-EM auf Sportler und Fans zu
"Die christlichen Kirchen sind Teil der Gesellschaft und tragen Mitverantwortung für ein gutes Gelingen der Fußball-Europameisterschaft": Der Linzer Bischofsvikar Wilhelm Vieböck, einer der Beauftragten der Österreichischen Bischofskonferenz für die "Euro 08", erklärte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz, warum sich die Kirchen an dem größten Sport-Event des Jahres beteiligen und unter dem Motto "Kirche 08" auf die Sportler und die Fans zugehen.
Gottesdienste zu Beginn und vor dem Finale der Europameisterschaft werden ebenso angeboten wie muttersprachliche Messfeiern an den verschiedenen Spielstätten für die dort zugelosten Teilnehmernationen. Die Fußballbegeisterung finde auch in der "normalen" Seelsorge Niederschlag: Predigthilfen und Vorschläge für den Religionsunterricht und Firmgruppen würden erarbeitet; die Katholische Männerbewegung werde unter dem Motto "football bridges the world" (Fußball verbindet die Welt) den generationen- und völkerverbindenden Aspekt des Sports erlebbar machen. "Public Viewing" - also öffentlich zugängliche TV-Übertragungen in den Pfarren - sollen Gemeinschaftserlebnisse abseits der Fanmeilen ermöglichen. "Fairtrade"-Fußball steht bei einem Projekt von "Jugend eine Welt" im Mittelpunkt.
Vieböck ging auch auf Parallelen zwischen Religion und der Inszenierung von Fußball ein. Einzelne Fans würden sich im Fußball eine Ersatzreligion schaffen. Kirchliche Mitarbeiter seien gefordert, diesen religiösen Sehnsüchten der Menschen nachzugehen. Auf die Frage, ob er vor einem Fußballspiel als "Lask"-Anhänger für seine Mannschaft bete, sagte Vieböck: "Ich bete nicht darum, aber ich freue mich, wenn sie gewinnen. Bin aber auch fair gegenüber der anderen Mannschaft".
Lask-Star Vastic: Der Glaube ist mir wichtig
Lask-Kapitän und Ex-Nationalspieler Ivica Vastic gab bei der Pressekonferenz an, dass der katholische Glaube in seinem Leben einen hohen Stellenwert habe: "Für mich gehört die Religiosität zum Alltag in meiner Familie. Ich versuche auch meine Kinder dementsprechend zu erziehen. Wenn es nun auch außerhalb der Familie gelingt, ist das sehr schön". Er selbst bete vor jedem Spiel um Gesundheit und Kraft, sagte der aus Kroatien stammende Vastic. Dies sei für ihn mehr als nur ein äußerliches Zeichen.
Der oberösterreichische Fußballpräsident Leo Windtner betonte, dass Fußball ohne Ethik und Moral nicht möglich sei. Dieser Anspruch solle bei der "Euro 08" auch durch das Engagement der christlichen Kirchen herausgestrichen werden. Man solle nicht unterschätzen, wie viele Spieler Kraft aus dem Glauben ziehen.
Sport-Staatssekretär bei Kardinal Schönborn
Kardinal Christoph Schönborn hat Sport-Staatssekretär Reinhold Lopatka zu einem Gedankenaustausch über die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft ("Euro 08") empfangen. Vertreter der Kirche präsentierten dem Staatssekretär die seelsorglichen Vorhaben im Zusammenhang mit der "Euro 08". Gestartet wird bereits am 24. Mai mit einem "Kirche08-Fußballfest". Den abschließenden Höhepunkt bildet ein ökumenischer Gottesdienst auf dem Stephansplatz am 28. Juni, dem Vorabend zum Finale.
Lopatka zeigte sich sehr erfreut über die starke Anteilnahme der Kirchen am "Sport- und Jugendfest" der "Euro 08". Kardinal Schönborn sagte, er freue sich schon sehr auf dieses große Ereignis, das auch die Berufung Wiens als Ort der Begegnung wieder in Erinnerung rufe. Der Wiener Erzbischof erinnerte daran, dass auch Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone ein großer Fußballfan sei. Als Erzbischof von Genua kommentierte Bertone live A-Liga-Begegnungen für italienische Medien.
Darüber hinaus dankte der Staatssekretär dem Wiener Erzbischof für die Arbeit der "Diözesansportgemeinschaft" (DSG) insbesondere im Bereich der Integration. Durch die Aktivitäten der DSG würden junge Menschen mit Migrationshintergrund in das sportliche Leben Österreichs eingebunden.
