Priesterfortbildung in Diözese St. Pölten
St. Pölten, 19.2.08 (KAP) Für eine noch bessere Kooperation zwischen Priestern und Laien in der Kirche hat der Würzburger Generalvikar Karl Hillenbrand plädiert. Hillenbrand referierte bei der diesjährigen St. Pöltner Priesterstudientagung im Bildungshaus St. Hippolyt. Er berichtete über die pastorale Situation der katholischen Kirche in Deutschland und stellte weiterführende Überlegungen zu Reformen im Bereich der Seelsorge an.
Wie der Würzburger Generalvikar ausführte, habe die Mehrzahl der Diözesen in Deutschland neue Seelsorgseinheiten geschaffen, entweder durch Zusammenlegung von Pfarren oder durch Schaffung neuer Einheiten neben den gewachsenen Strukturen. Ausgelöst wurden diese Maßnahmen vor allem durch personelle, aber auch finanzielle Engpässe. In nur einem Viertel der 12.800 Pfarren in den Diözesen Deutschlands sei ein Priester allein für eine Gemeinde zuständig. Der überwiegende Teil der Seelsorger habe mindestens eine weitere Pfarre mitzubetreuen.
Von 1990 bis 2005 sei die Zahl der Priester um 4.000, das sind etwa 25 Prozent, gesunken, merkte Hillenbrand an. Dazu komme noch die Überalterung der Priester, die augenscheinlich macht, dass die bisherigen Pfarrstrukturen auf Dauer nicht mehr aufrecht zu halten sind.
Aufgabe der Seelsorge müsse es sein, die kirchliche Präsenz dort zu stärken, wo Menschen in einer immer differenzierter werdenden Gesellschaft leben, so Hillenbrand. Diese Umbruchsituation erzeuge auch Unsicherheit und Ängste. Der Generalvikar warnte aber davor, die Lösung allein im organisatorisch-praktischen Bereich zu suchen. Vielmehr müsse eine theologisch-spirituelle Reform vorangehen.
In den aktuellen Herausforderungen sah er vier Spannungsfelder: Zwischen der theologischen Begründung und der faktischen Amtsführung, zwischen dem priesterlichen Berufsbild und der gelebten Realität, zwischen dem kirchlichen Priesterbild und den pastoralen Erwartungen und schließlich zwischen den strukturellen Maßnahmen und der konkreten Verkündigung. In dieser Situation, so Hillenbrand, müsse die Gemeinschaft der Priester untereinander gestärkt werden. Dafür sei eine kontinuierliche geistliche Begleitung, vor allem in den neuen Pfarrgemeinschaften, notwendig.
Für das Gelingen der Seelsorge hält Hillenbrand eine "kooperative Pastoral" für unumgänglich. Sie ebne nicht das kirchliche Amt ein, sondern wolle es recht verstanden wissen. Allerdings bedürfe es einer Kultur des Umgangs miteinander, gegenseitiger Akzeptanz von Priestern und Laien und einer deutlichen Festlegung der Aufgaben. Die Kooperation mit den Laien gehöre zum priesterlichen Grundauftrag und so zum Wesen des Amtes selbst.
Als Konsequenz aus seinen Überlegungen meinte Hillenbrand, dass die Berufung umfassender zu verstehen sei. Innerhalb dieser Grundberufung gebe es spezielle Dienste. Auch das Priesterbild sei zu überprüfen, es dürfe nicht um eine Abgrenzung gegenüber Laien gehen. Die Sicht der Laien sei ebenso zu revidieren. Einfaches Delegieren sei noch keine Kooperation, sagte der Würzburger Generalvikar. Denn vom gemeinsamen Christsein her gebe es kein "oben" und "unten", sondern nur verschiedene Aufgaben.
Die St. Pöltner Priesterstudientagung dauert noch bis Mittwoch. Neben Hillenbrand werden u.a. auch der Mannheimer Jesuit P. Stefan Kriechle und der Rektor des bischöflichen Seminars in Graz, Wilhelm Krautwaschl, sprechen.