"Mein autofreier Tag - das ganze Jahr"
ARGE Schöpfungsverantwortung startet Aktion zu ganzjährigem Klimaschutz - Aktion soll laufende Aktion "Autofasten" ausweiten - Weihbischof Scharl: "Verzicht kann auch neue Lebensqualität bringen"
Wien, 20.2.08 (Katholisch.at) Zur Ausweitung der bereits laufenden Aktion "Autofasten" auf eine ganzjährige umweltbewusste Lebensweise insbesondere im Blick auf das individuelle Verkehrsverhalten ruft die "ARGE Schöpfungsverantwortung" gemeinsam mit dem "Klimabündnis Österreich" und der Organisation "Ärzte & Ärztinnen für eine gesunde Umwelt" auf. Hierzu präsentierte die Arbeitsgemeinschaft am Dienstag in Wien die Klimaschutzaktion "Mein autofreier Tag - das ganze Jahr".
Schönstein: Ziel ist "sanfte Mobilität"
Wie die Gründerin und Leiterin der Arbeitsgemeinschaft, Isolde Schönstein, bei einem Pressegespräch in Wien betonte, sei es das Ziel der Aktion, die Aktion Autofasten dahingehend auszuweiten, dass sich jeder Teilnehmer an zumindest einem Tag der Woche fix vornimmt, auf den eigenen PKW zu verzichten und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen und sich damit zu Formen "sanfter Mobilität" zu bekennen. Die ARGE Schöpfungsverantwortung stellt hierzu Aufkleber zu jedem Wochentag zur Verfügung, die am eigenen Fahrzeug sowie an Fahrrädern angebracht werden können und so zum Mitmachen animieren sollen. Insgesamt verstehe sich die Aktion als "Informations- und Mitmachoffensive", durch die auf "weiter steigende Emissionen und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit insbesondere der Kinder" reagiert werden soll.
Image (img2) invalid or missing | Isolde Schönstein, Leiterin der ARGE Schöpfungsverantwortung
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Schönstein erinnerte weiters an den gemeinsamen Appell der österreichischen Kirchen und Religionsgemeinschaften an die österreichischen Spitzenpolitiker zu einer verantwortungsvolleren Umweltpolitik. Der vor genau einem Jahr formulierte und von einer breiten interreligiösen Front getragene Appell habe zwar auf der Ebene der politischen Verantwortungsträger zu positiven Reaktionen geführt, in der breiten Bevölkerung sei das Anliegen jedoch laut Schönstein noch nicht ausreichend durchgedrungen. Die heute präsentierte Aktion verstehe sich daher auch als Erinnerung daran, dass gläubige Menschen ihre Verantwortung für die Schöpfung ernst nehmen müssten und der oftmals schwerfälligen Politik als positives Beispiel vorangehen müssten.
Scharl: "Verzicht kann auch neue Lebensqualität bringen"
Unterstützt wird die Aktion auch vom Wiener Weihbischof Franz Scharl. Dieser betonte im Rahmen des Pressegesprächs, dass ein bewusstes Bekenntnis zu einem autofreien Tag in der Woche nicht nur eine "nachhaltige Investition in ein besseres Klima" darstelle, sondern darüber hinaus auch "im Verzicht, in der gezielten Entschleunigung eine neue Lebensqualität aufleuchten" kann. Laut Scharl gehören "Menschen- und Schöpfungsfreundlichkeit unmittelbar mit der Gottesfreundlichkeit zusammen". Daher seien Christen aufgerufen, "Animatoren im Ringen um ein besseres Klima" zu werden.
Image (img3) invalid or missing | Weihbischof Franz Scharl
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Diskussion über Geschwindigkeitslimits neu aufrollen
Wolfgang Mehl vom "Klimabündnis Österreich" wies darauf hin, dass die trotz Kyoto-Protokoll auch in Österreich weiter steigenden Emissionen keine Alternative zu einer umfassenden Änderung des Verkehrverhaltens führen müsse. Da die Hälfte aller Autofahrten in Österreich weniger als fünf Kilometer betrage, sei ein Umstieg auf alternative Transportmittel wie öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder den Fußweg durchaus möglich und zu fordern, so Mehl. Technische Lösungen und Entwicklungen allein würden laut Mehl keine Lösung bringen. Auch warnte er vor einer Überbewertung der derzeit stark geförderten Biotreibstoffe. Da die Produktion dieser Treibstoffe große Mengen u.a. an Mais benötige, führe dies mitunter zu Nahrungsmittelengpässen insbesondere in Entwicklungsländern. Politisch sei laut Mehl zu fordern, dass die Diskussion um eine umfassende Geschwindigkeitsbeschränkung auf 90 bis 100 Stundenkilometer neu aufgerollt wird.
Image (img1) invalid or missing | Wolfgang Mehl, "Klimabündnis Österreich"
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Kinder leiden besonders unter erhöhten Emissionen
Hans-Peter Hutter vom Wiener Institut für Umwelthygiene an der Medizinischen Universität Wien wies darauf hin, dass insbesondere Kinder unter den steigenden Emissionen aus dem Straßenverkehr zu kämpfen haben. So leiden derzeit bereits über 20.000 Kinder unter 15 Jahren in Österreich an einer auf Autoabgase zurückzuführenden Bronchitis, rund 15.000 Kinder leiden an Asthma. Insgesamt sind in Österreich jährlich rund 2.400 Todesfälle, die auf schadstoffbedingte Herz- und Lungenerkrankungen zurückzuführen sind, zu beklagen. Hutter wies darauf hin, dass neben den Emissionen auch ein stetig steigender Lärmpegel sowie ein akuter Bewegungsmangel zu den Faktoren zählen, die Kinder dauerhaft schädigen und auch im Alter stärker für Krankheiten anfällig machen.
Image (img2) invalid or missing | Hans-Peter Hutter, Medizinische Universität Wien
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Theologische Relevanz des Klimaschutzes
Ulrich Kral, Klimareferent der ARGE Schöpfungsverantwortung, betonte die theologische Relevanz eines aktiven Klimaschutzes. So lassen sich laut Kral die Gebote "Du sollst nicht stehlen" und "Du sollst nicht töten" auch auf die Frage gelebter Schöpfungsverantwortung anwenden, insofern das Gebot "Du sollst nicht stehlen" auch die Forderung beinhalte, anderen nichts vorzuenthalten. Dies jedoch geschehe dort, wo durch unbedachtes Verkehrsverhalten Kinder in ihrer Entwicklung gefährdet werden oder wo Emissionen für Verschlechterung der Bodenqualität und damit der landwirtschaftlichen Nutzung beitragen. Das Geobt "Du sollste nicht töten" stehe laut Kral "hunderten Toten und tausenden Verletzten im Straßenverkehr alljährlich gegenüber".
Image (img1) invalid or missing | Ulrich Kral, Klimareferent der ARGE Schöpfungsverantwortung
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Am 1. Februar vergangenen Jahres gründete die ARGE Schöpfungsverantwortung eine erweiterte Arbeitsgruppe unter der Bezeichnung Interreligiöse Arbeitsgruppe KLIMA, bestehend aus Vertretern der christlichen Kirchen, der Muslime, Buddhisten, Bahais und der Israelitischen Kultusgemeinde. Ziel der Arbeitsgruppe ist es, Ziel der Kräfte und Kompetenzbildung ist es, die in allen Glaubensgemeinschaften vorhandenen Ideale der Schöpfungsverantwortung zusammenzuführen und mit gemeinsam an der weiteren Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Umweltschutzthemen zu arbeiten.
Am 16. Mai 2008 veranstaltet die ARGE Schöpfungsverantwortung im Naturhistorischen Museum Wien das Symposium "Klimawandel / Systemwandel - Auftrag und Verantwortung der Glaubensgemeinschaften".
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