"Eva Petriks Mut und Integrität waren beispielgebend"
Wien, 19.2.08 (KAP) Das Vermächtnis Eva Petriks, der im November verstorbenenen langjährigen Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), bleibt aktuell. Ihr Stil, ihr Mut und ihre Integrität seien "beispielgebend und nachahmenswert", hieß es bei der Gedenkveranstaltung "Spurensuche" in der Wiener Konzilsgedächtniskirche und im Kardinal-König-Haus.
Beim ökumenischen Eröffnungsgottesdienst in der Konzilsgedächtniskirche, dem der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz und der methodistische Pastor Helmut Nausner vorstanden, hob Schwarz das Lebenszeugnis Petriks hervor. Er verwies auf die Überzeugung Pauls VI., dass der heutige Mensch lieber auf Zeugen als auf Gelehrte höre, "und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind".
Auf die "Spurensuche" begaben sich im Anschluss an den Gottesdienst u.a. der frühere Vizekanzler Erhard Busek, der steirische Bischofsvikar (und frühere geistliche Assistent der KAÖ) Heinrich Schnuderl, die Politikerin Terezija Stoisits, die derzeitige KAÖ-Präsidentin Luitgard Derschmidt und Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg.
Mehr Mut zum Engagement von Christen in Gesellschaft und Politik, auch in den Parteien, wünschte sich etwa Erhard Busek. Es sei zu wenig, Politik einfach als "garstig Lied" zu sehen und sich daher nicht selbst zu engagieren. Eva Petrik sei gerade in dieser Aufgabe auch für Wahrhaftigkeit gestanden, bis zur Konsequenz des Parteiaustritts aus der ÖVP bei der Bildung der schwarz-blauen Koalitionsregierung im Jahr 2000.
Terezija Stoisits sprach von Petriks Vorbildwirkung und von ihrer Toleranz und Ausstrahlungskraft auch bei jenen, die ihre Überzeugung nicht teilten, denen sie aber mit Achtung begegnete und von denen sie aufgrund ihrer Authentizität viel Beachtung und Wertschätzung erfuhr. So sei es ihr auch gelungen, ungewöhnliche Allianzen anzuregen, hob die Grün-Politikerin hervor.
Ökumene und Dialog
Theodor Much von der jüdischen Reformgemeinschaft "Or Chadasch" und Pastor Nausner, der auch Pressesprecher des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich und Vorsitzender des "Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit" ist, hoben Petriks Bemühungen um die Ökumene und den Dialog mit dem Judentum hervor.
Eva Petrik sei es bei allen ihren Aufgaben immer darum gegangen, das Bild der Kirche im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Öffentlichkeit zu vertreten, erinnerte der Grazer Bischofsvikar Heinrich Schnuderl. Er hatte in seiner damaligen Funktion als Geistlicher Assistent der KAÖ Eva Petrik dafür gewonnen, als Präsidentin der Katholischen Aktion zu kandidieren.
Authentizität und Integrität waren herausragende Merkmale von Eva Petrik in ihrem Engagement als Lehrerin in der Neulandschule und als Referentin in der katholischen Erwachsenenbildung, vor allem in der Ehe- und Elternbildung, wo sie eine "Frau der ersten Stunde" war. Das betonten Susanne Raffeiner vom Institut Neulandschulen und die Präsidentin der Europäischen Förderation für katholische Erwachsenenbildung, Erika Schuster. Umfassende, ganzheitliche Bildung, eine Schule die neben dem Fachwissen auch Lebenswissen vermittelt, seien Eva Petrik stets ein besonderes Anliegen gewesen. Gemeinsam mit ihrem Mann Josef Petrik, mit dem sie mehr als 50 Jahre verheiratet war, habe Eva Petrik nicht nur Bahnbrechendes in der kirchlichen Ehebildung geleistet, sondern auch christliche Ehe vorgelebt. KAÖ-Präsidentin Luitgard Derschmidt sagte, ihr Mann sei Eva Petrik - neben seinen eigenen vielfältigen Aktivitäten - immer "Stütze und ruhender Pol" gewesen.
Beeindruckend sei auch Eva Petriks kontinuierliches, "geerdetes Engagement" in der Pfarrgemeinde gewesen, auf das Christiane Arnbom aus der Pfarre Pötzleinsdorf hinwies: "Die Pfarre war für sie der primäre Ort, wo Glaube gemeinschaftlich gelebt und gefeiert wird, und der Ort, wo sie sich beheimatet fühlte". Mit ihren Erfahrungen "an der Basis" sei Petrik auch gar nicht erst in Gefahr geraten, in ihren vielen Aufgaben einen "Funktionärskatholizismus" zu betreiben.
Maßgeblich am "Lichtermeer" beteiligt
Eva Petrik starb am 5. November 2007 im 76. Lebensjahr an einem Krebsleiden. Sie war eine der prägenden Persönlichkeiten des Laienapostolates in der katholischen Kirche in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg. Von 1991 bis 1997 war sie KAÖ-Präsidentin, 1993 war sie maßgeblich am "Lichtermeer" gegen Fremdenfeindlichkeit beteiligt.
Begonnen hatte Eva Petrik, die in Graz geboren wurde und in Wien aufwuchs, ihr kirchliches Engagement mit dem Aufbau der Katholischen Jungschar in der Pfarre Krim (Wien 19). Ab 1958 unterrichtete sie am Gymnasium des Instituts Neulandschulen in Wien 19 und war Lehrbeauftragte an der Religionspädagogischen Akademie der Erzdiözese Wien. Von 1988 bis 1994 war sie Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft für katholische Erwachsenenbildung (BAKEB), im "Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit" war sie bis zuletzt angegiert. Auf politischer Ebene war Eva Petrik VP-Mandatarin im Wiener Landtag und Gemeinderat.
Im März 2007 erhielt Eva Petrik aus der Hand von Kardinal Christoph Schönborn den Stephanusorden in Gold, die höchste diözesane Auszeichnung, in "Anerkennung ihrer Verdienste für die Erzdiözese Wien". (ende)