Euro 08: Sonntagsöffnung in Niederösterreich?
Wien-St.Pölten, 22.2.08 (KAP) Offene Geschäfte am Sonntag während der Fußball-Europameisterschaft wären für Niederösterreich "nicht begründbar": Die Katholische Aktion (KA) der Erzdiözese Wien (in deren Gebiet weite Teile Niederösterreichs fallen) hat am Freitag auf entsprechende Gerüchte reagiert und von Landeshauptmann Erwin Pröll die Einhaltung der Landesverfassung gefordert. Sie ersuche Pröll, noch vor den bevorstehenden Landtagswahlen "klar und deutlich einer Sonntagsöffnung in Niederösterreich während der 'Euro 08' eine Absage zu erteilen", so die Wiener KA-Präsidentin Christa Buzzi in einer Aussendung. Sie habe davor mit Verwunderung feststellen müssen, "dass die Gerüchte, wonach nach der Wiener Einigung nun auch in ganz Niederösterreich die Geschäfte offen halten dürfen, eine reale Grundlage haben."
Sollte eine Ausnahmeregelung für das gesamte Bundesland zugelassen werden, wäre das auch für den KA-Präsidenten der Diözese St. Pölten, Roman Fröhlich, völlig unverständlich: "In Niederösterreich gibt es keinen Austragungsort für EM-Spiele. Warum sollten also in Gmünd, Amstetten oder Piesting die Geschäfte offen halten dürfen?" Fröhlich würde eine solche Regelung "als Präjudiz für eine zukünftige generelle Öffnung sehen". Und das - so der St. Pöltner KA-Präsident - wäre eine Entscheidung, die mit der Landesverfassung unvereinbar wäre. Die Politik dürfe sich von "Veranstaltern kleiner und großer Spektakel" nicht unter Druck setzen lassen und "leichtfertig wesentliche gesellschaftliche Werte aufs Spiel setzen", forderte Fröhlich.
Eine Ausnahmeregelung während der "Euro 08" sei weder vom Großteil der Geschäftsinhaber noch von den Handelsangestellten erwünscht und würde somit "für unglückliche Familien und frustrierte Unternehmer sorgen". Viele Familien müssten auf eine gemeinsame Freizeit an den vier Juni-Sonntagen verzichten. Dies könne auch nicht finanziell abgegolten werden, denn "soziale Beziehungen und Aktivitäten können nie mit Geld aufgewogen werden", betonten Christa Buzzi und Roman Fröhlich.
Sie fordern daher alle für den niederösterreichischen Landtag kandidierenden Parteien auf, eindeutig Stellung zu beziehen: "Die Menschen in Niederösterreich haben ein Recht zu erfahren, ob die Parteien die Landesverfassung ernst nehmen oder jede noch so kleine Gelegenheit nützen, um den Beschluss zur Sonntagsruhe zu brechen." Landeshauptmann Pröll und die niederösterreichischen Parteien sollten sind von der "Euro-Euphorie" nicht "blenden" lassen und gemäß der Tatsache agieren, dass sich eine Sonntagsöffnung auch wirtschaftlich nicht lohnen würde. (ende)