"Um die Religionen kommt man nicht herum"
Wien, 25.2.08 (KAP) "Um die Religionen kommt man nicht herum": Das sagte der Wiener Künstler und "überzeugte Atheist" Alfred Hrdlicka in einem Interview für die Sonntagsausgabe der "Kleinen Zeitung". Anlass war der bevorstehende 80. Geburtstag des international renommierten Bildhauers, Malers und Zeichners am 27. Februar. Auch wenn Glaube und Religion nicht ignorierbare Themen sind, müsse er deswegen nicht selbst an Gott glauben, so der deklarierte Marxist.
Auf die Frage, ob es ihn überrasche, dass ihm das Wiener Dommuseum anlässlich seines runden Geburtstages eine Ausstellung über das Religiöse in seinem Schaffen widme, antwortete Hrdlicka: "Wieso sollte mich das überraschen?" Der Stephansdom sei für ihn ein "Zentrum, an dem sich die Kunst orientieren kann". Er lese auch immer wieder in der Bibel, bekannte Hrdlicka: "Ob man das Alte oder das Neue Testament nimmt - alles steht da drinnen. Die Bibel ist eine so ungemein spannende Lektüre, spannender als jeder Thriller".
Weltanschaulich sei er durch seine Erfahrungen des faschistischen "Staatsterrorismus" geprägt - erst während des Austrofaschismus und dann während des nationalsozialistischen Regimes. Von der Kommunistischen Partei Österreichs habe er sich im Zuge des Ungarnaufstandes (dessen Niederschlagung die KPÖ verteidigte) distanziert. Aber auch nach dem Zusammenbruch des "realen Sozialismus" lasse er sich "nicht davon abhalten, für eine freiere, gerechtere und menschlichere Gesellschaft einzutreten". (ende)