Dialog der Sprachgruppen: Christen sollen sich beteiligen
Klagenfurt, 28.2.08 (KAP) Der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz hat die Aufgabe der Christen unterstrichen, in Staat und Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen. Die Christen müssten die demokratische Ordnung eines Landes "beseelen", sagte Schwarz am Mittwoch bei einem Gesprächsabend zum Thema "Kirche und Demokratie" im Kulturhaus Bleiburg. Deshalb sollten sich zB in Kärnten die Christen in den einzelnen Gemeinden am Dialog der Sprachgruppen beteiligen und für den Frieden eintreten. Dieses gesellschaftliche Engagement diene auch dazu, sich gegenseitig zu ermutigen und den Glauben zu bezeugen, so Schwarz bei der Veranstaltung, an der auch Caritas-Präsident Franz Küberl und Botschafter Valentin Inzko teilnahmen.
Politik und Kirche hätten unterschiedliche Aufgaben und Zuständigkeiten, erinnerte Schwarz. Die Kirche wolle weder politische Macht ausüben noch die freie Meinungsäußerung der Katholiken über politische Fragen beeinflussen oder einschränken. Andererseits sei aber auch zu betonen, dass spezifisch religiöse Akte wie die Gestaltung des Gottesdienstes, das Bekenntnis des Glaubens oder der Empfang der Sakramente außerhalb der Kompetenzen des Staates bleiben müssen. Hier dürfe es keine Einmischung oder gar Vorschriften geben, sagte der Bischof.
Caritas-Präsident Küberl plädierte in seinem Referat dafür, Berufung nicht nur auf den geistlichen Bereich zu beschränken; Berufung gebe es auch beim gesellschaftspolitischen Engagement. Demokratie funktioniere dann, wenn sie es ermöglicht, dass sich möglichst viele Menschen an gesellschaftlichen Prozessen beteiligen. Mehrheitsentscheidungen dürften freilich nicht zu Benachteiligungen von Minderheiten führen, stellte Küberl klar. Deshalb sei es eine Schlüsselfrage für jede Demokratie, wie sie mit Minderheiten umgeht.
Persönliche demokratiepolitische Erfahrungen seien für ihn das Zweite Vatikanische Konzil und die Kärntner Diözesansynode 1972 gewesen, sagte der österreichische Botschafter in Ljubljana (Laibach), Valentin Inzko. Gleichzeitig nehme er esals ein Paradoxon wahr, dass an der Spitze der Kirche, nämlich bei der Papstwahl, ebenso demokratisch gewählt werde wie auf der "untersten Ebene", der Pfarrgemeinderatswahl. Da stelle sich für ihn die Frage, "wie es dazwischen ausschaut und ob es da nicht Handlungsbedarf gibt". Zumal die Apostelgeschichte laut Inzko "fantastische Hinweise auf Basisdemokratie in der frühchristlichen Zeit" gibt.
Eine Demokratisierung der Kirche sei somit nicht nur aus Gründen der besseren Inkulturation in die heutige, von demokratischen Idealen geprägte Gesellschaft notwendig, so Inzko. Eine entsprechende Reform in Struktur und Organisation der katholischen Kirche würde auch ihren Ursprüngen und ihrem Wesen besser entsprechen. "Die Unterordnung unter die Herrschaft Gottes ist die einzige für Christen akzeptable Unterwerfung. Das Zusammenleben von Menschen untereinander sollte dagegen von Ebenbürtigkeit und gegenseitigem Dienst geprägt sein", betonte der Botschafter.
