Bischof Küng: Politik benachteiligt kinderreiche Familien
Wien, 29.2.08 (KAP) Als "eines der größten Probleme Österreichs, ja Europas" hat der St. Pöltener Diözesanbischof Klaus Küng den Geburtenrückgang und die geringe Kinderzahl bezeichnet. Wie der "Familien-Bischof" bei der Präsentation des Buches "Brücken bauen" (Christliche Inspiration in der Politik) in Wien betonte, werde die geringe Zahl an Kindern in naher Zukunft "zu tiefgreifenden soziokulturellen Veränderungen und großen gesellschaftlichen Verschiebungen" führen.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, brauche es eine familienorientierte Politik, so der Bischof: "Familien- und Kinderfreundlichkeit sollten Merkmal jeder zukunftsorientierten Politik sein". Derzeit benachteilige die Politik jedoch gerade die kinderreichen Familien, die oftmals "nah an der Armutsgrenze" leben müssen, wenn nur ein Elternteil arbeitet.
Die Familie müsse auch von Seiten der Politik eine größere Wertschätzung erfahren, forderte der Bischof weiter. Die Familien leisteten "Außerordentliches für die Gesellschaft", wenn sie die Entwicklung der Persönlichkeit fördern und Kinder lehren, verantwortungsvoll und teamfähig zu handeln. Küng: "Wo sollen Kinder diese Kompetenzen erlernen, wenn nicht in der Familie?"
"Deutlichen Handlungsbedarf" ortete Küng beim Thema Sexualerziehung. Diese müsse wieder stärker an die Familien selbst gebunden werden und dürfe nicht nur Sache der Schule sein. Küng: "Ich weiß, dass das heute noch Zukunftsmusik ist, aber ich denke, dass in Fragen der Sexualerziehung wieder stärker das Elternrecht zu betonen ist". Zu beklagen sei in diesem Zusammenhang auch, dass durch eine bloß "technische Information" über Verhütungsmittel die Sexualität "in einem noch nie dagewesenen Ausmaß" zum Konsumgut gemacht werde, so der Bischof.
"Ja zum Kind"
Der Direktor des "Instituts für Ehe und Familie" (IEF), Prof. Günter Danhel, betonte, dass der Geburtenrückgang allein noch "nicht das Ausmaß der derzeitigen Situation beschreibt". So werde die Dramatik der Entwicklung erst sichtbar, wenn man neben dem Geburtenrückgang auch die weiter steigende Lebenserwartung hinzuziehe, was zur Folge habe, dass sich "das Verhältnis der Generationen völlig verändert", so Danhel. Einem steigenden Anteil an nichtmehr Erwerbstätigen stehe heute ein rückläufiger Anteil noch nicht Erwerbstätiger gegenüber. Dies führe dazu, dass "die Bevölkerungspyramide in Kürze auf dem Kopf stehen wird", so Danhel.
Dennoch dürfe eine aktive Familienpolitik nicht mit Bevölkerungspolitik verwechselt werden, warnte Danhel, da der Begriff der Bevölkerungspolitik zum Wortschatz und politischen Instrumentarium totalitärer Regime gezählt habe. Das "Institut für Ehe und Familie" bevorzuge daher den Begriff einer "bevölkerungsbewussten Familienpolitik", die angesichts der demografischen Auswirkungen versuchen will, "durch Anreize das Ja zum Kind zu erleichtern".
Über die Frage der Eckpunkte einer "christlichen Familienpolitik" diskutierten mit Bischof Küng und Prof. Danhel der Historiker Gregor Gatscher-Riedl, die Dominikanerin Sr. Elisabeth Deifel, Lukas Mandl (Kandidat für die niederösterreichische Landtagswahl) und Alice Pitzinger-Ryba, Generalsekretärin des Familienbundes.
Der von der "Christlichsozialen Initiative" (CSI) herausgegebene Sammelband "Brücken bauen. Christliche Inspiration in der Politik - das 'Hohe C' in Österreich" versammelt Beiträge von Persönlichkeiten aus Religion, Medien, Politik, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, darunter von Caritasdirektor Msgr. Michael Landau, "Furche"-Chefredakteur Rudolf Mitlöhner, Stephan Baier, Günter Danhel, Landeshauptmann Erwin Pröll, Prälat Josef Eichinger und Regina Polak. Ziel des im "Residenz"-Verlag erschienenen Buches ist es, Impulse zu einem neuen Dialog über die politische Inspirationskraft christlicher Grundwerte und Ideen zu initiieren. (Informationen: Internet: www.christlichsozial.at).