Salesianer halten Generalkapitel in Rom ab
"Kathpress"-Korrespondentenbericht von Johannes Schidelko
Rom, 4.3.08 (KAP) Fast gleichzeitig kommen in Rom der größte und der zweitgrößte katholische Männerorden zu ihren Generalkapiteln zusammen. Aber während die 35. Jesuiten-Kongregation in unmittelbarer Nähe des Vatikans tagelang im Rampenlicht stand, konferiert die 26. Salesianer-Versammlung am römischen Stadtrand und weitgehend ohne Medieninteresse.
Der Presseandrang bei den Jesuiten hatte mit der Sensation zu tun, dass erstmals in der 450-jährigen Geschichte der Gesellschaft Jesu ein Generaloberer zurückgetreten ist. Zudem gerät die Gesellschaft Jesu, deren besonders gut ausgebildete Mitglieder die kirchliche Avantgarde stellen, immer wieder in die Schlagzeilen. Dagegen sorgen die Salesianer Don Boscos für weniger Aufsehen, auch wenn ihre kirchliche Arbeit ebenso effizient ist.
Spätestens seit der vor 150 Jahren in Turin zur christlichen Erziehung und Förderung armer Jugendlicher gegründete Orden den Kardinal-Staatssekretär stellt, sind die Salesianer allerdings stärker ins Blickfeld gerückt. Denn Tarcisio Bertone verleugnet auch als Kardinal-Staatsekretär nicht seine geistigen und geistlichen Wurzeln. Das Ordenskürzel SDB wird im Vatikan bisweilen schon scherzhaft als "sono di Bertone" (ich gehöre zu Bertone) übersetzt.
Klassische Domäne der Salesianer mit ihren knapp 17.000 Mitgliedern ist die Jugendarbeit, besonders in problematischen Umfeldern. Assoziiert man mit dem Jesuiten spontan den Professor, so mit dem Salesianer den Pädagogen und den Streetworker. Salesianer Don Boscos kümmern sich um Straßenkinder in den Slums von Lateinamerika und Indien, sorgen sich um Drogenabhängige oder sind in afrikanischen Flüchtlingslagern präsent. Besonders stark vertreten sind sie in Lateinamerika, in Indien und auf den Philippinen. Dort finden sie auch zahlreichen Nachwuchs. Weniger aktiv sind die Salesianer Don Boscos in den USA, wo die Jesuiten mit ihren Universitäten ihre Hochburgen haben.
In den vergangenen Jahrzehnten erlitten die Salesianer nicht den gleichen Mitgliederschwund wie andere Ordensgemeinschaften - Jesuiten eingeschlossen. Die Zahl der Brüder lag in den vergangenen 30 Jahren fast konstant bei 17.000 - mit regional unterschiedlicher Nachwuchsstärke. Erst in jüngster Vergangenheit verzeichneten auch die Nachfolger Don Boscos einen leichten Rückgang.
In Europa ist er stärker ausgeprägt als andernorts. So richtete Papst Benedikt XVI. in seiner Botschaft an das Generalkapitel den Blick auch besonders auf den alten Kontinent. Im säkularisierten Europa sollten sie ihren alternativen Lebensstil als "Zeichen des Widerspruchs" besonders pflegen. Anders als in der Papstansprache an die Jesuiten fehlt in dem Text an die Salesianer ein besonderer Appell zu Papsttreue und Kirchenbindung. Denn der Orden zeichnet sich traditionell durch Kirchlichkeit, die Bereitschaft zur Eingliederung in diözesane Strukturen und zum Gehorsam gegenüber dem Papst aus - und macht deshalb auch weniger Schlagzeilen.
Papst bittet Salesianer um verstärkten Missionseinsatz in Europa
Vatikanstadt, 3.3.08 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat die Salesianer Don Boscos aufgerufen, ihr Aktionsfeld künftig stärker auf Europa zu konzentrieren. Angesichts der sinkenden Zahl der Priester- und Ordensberufungen auf dem europäischen Kontinent und der Herausforderung der neuen Evangelisierung müsse der Orden das christliche Angebot europaweit stärken, forderte Benedikt XVI. am Montag in einer Botschaft an das derzeit in Rom tagende 26. Generalkapitel der Salesianer Don Boscos.
In der heutigen Zeit müsse ein überzogener Aktivismus vermieden und eine spirituelle Einheit durch Mystik und Askese erlangt werden, so der Papst. Mit einem einfachen und nüchternen Leben sollten sich die Ordensleute dem Trend zur "Verbürgerlichung und Mittelmäßigkeit" entgegenstellen und näher bei den Armen sein.
Auf alles zu verzichten, um Christus nachzufolgen, werde oftmals zu einem "Zeichen des Widerspruchs", das im Kontrast zur "weltlichen Logik" stehe, erinnerte der Papst. Es gehe darum, diesen alternativen Lebensstil mit Respekt vor der zeitgenössischen Kultur zu pflegen und damit eine "prophetische Funktion" zu übernehmen, so Benedikt XVI. Es sei jedoch nötig, sich wachsam gegen mögliche Einflüsse des Säkularismus zu schützen und auf dem eingeschlagenen Weg mit Entschlossenheit weiter zu gehen.
Die Evangelisierung sei die prinzipielle und erste Aufgabe der Salesianer Don Boscos, unterstrich Benedikt XVI. Der Sorge um die jungen Menschen komme dabei eine entscheidende Rolle zu. "Ohne Erziehung gibt es keine nachhaltige und tiefe Evangelisierung, kein Wachstum, keine Reife", so Benedikt XVI.