Abwärtstrend bei Priesternachwuchs gestoppt
Graz, 5.3.08 (KAP) Der Abwärtstrend bei der Frage des Priesternachwuchses scheint gestoppt. Diese Einschätzung, die bei der jüngsten römischen Tagung der Leiter der deutschsprachigen Priesterseminare geäußert wurde, entspreche "durchaus auch der Erfahrung in Österreich", so der Regens des Grazer Priesterseminars, Msgr. Franz Josef Rauch, im Gespräch mit "Kathpress". Die Seminaristenzahlen seien seit Jahren konstant, zugleich komme es auf Grund der hohen Zahl an "Spätberufenen" in den Seminaren zu einer immer geringeren "Abbrecherquote" vor der Weihe. Dieser Trend gelte für den gesamten deutschsprachigen Raum, so Rauch.
Die jüngste deutsche Zölibatsdiskussion sei bei der Tagung in Rom nicht angesprochen worden, sagte Msgr. Rauch. Hier gebe es unter den Leitern der Priesterseminare eine "einheitliche Meinung", wonach der Zölibat "weiterhin als angemessene Lebensform der Priester von heute und morgen angesehen" wird. Freilich werde der Frage, wie der Zölibat überzeugend zu leben ist, "große Aufmerksamkeit" zugewendet.
Als ein Ergebnis der römischen Tagung sprach sich Msgr. Rauch für eine stärkere Koordination der Priesterausbildung in Österreich aus. Im Zuge des "Bologna-Prozesses" bedürfe es nicht nur einer Erhöhung der Kompatibilität der universitären theologischen Ausbildung auf europäischer Ebene, sondern auch einer Angleichung zwischen den österreichischen katholisch-theologischen Fakultäten. Diese Frage werde bereits seit Jahren diskutiert und es gebe auch ein gewisses Problembewusstsein, so Rauch.
Die Aktualität dieser Frage sei nicht nur durch den europäischen "Bologna-Prozess" gegeben, sondern darüber hinaus auch durch die Erfahrungen der Priesteramtskandidaten im Rahmen ihres "Externjahres", bei dem die Studenten angehalten sind, ein Semester an einer anderen Universität zu studieren. Zahlreiche Kandidaten zieht es dazu laut Rauch an die römische Gregoriana-Universität, woraus sich jedoch immer wieder Probleme der Anerkennung der Studienleistungen an den Heimatfakultäten ergeben.
Ein "speziell österreichisches Problem" ist laut Rauch die Frage der kleinen Priesterseminare. In Deutschland habe es bereits erste Zusammenlegungen von Priesterseminaren gegeben, in Österreich sei man sich dieser Problematik zwar ebenfalls bewusst. Bisher seien jedoch keine weiteren Schritte gesetzt worden, da es für die Diözesen "eine Frage der Identität ist, ein eigenes Priesterseminar zu besitzen", so Rauch.
Ein erster Schritt wäre laut Rauch auch hier eine bessere Koordination der Ausbildung, wie sie bereits zwischen einigen Diözesen bei den Weiheexerzitien vor der Diakonen- und Priesterweihe praktiziert werde. So wäre es auch "einfacher, etwa an kompetente Vortragende und Fachleute zu kommen, wenn diese nicht für nur zwei oder drei, sondern für 20 oder 30 Seminaristen ihre Veranstaltungen anbieten können".
Die österreichische Delegation bei der römischen Tagung umfasste neben den Regenten der Priesterseminare Feldkirch/Innsbruck, Salzburg, Graz/Gurk, Linz, St. Pölten und Wien auch den Rektor des vom Stift Heiligenkreuz getragenen Seminars "Leopoldinum", den Rektor des Innsbrucker "Collegium Canisianum", sowie die beiden Leiter des "Propaedeuticums" (des gemeinsamen Vorbereitungslehrgangs) in Horn, Prälat Franz Schrittwieser und Michael Wagner.