Papst nahm Rücktrittsgesuch von Weihbischof Krätzl an
Vatikanstadt-Wien, 6.3.08 (KAP) Zeitgleich mit der Ernennung von Stephan Turnovszky hat Papst Benedikt XVI. auch das Rücktrittsgesuch von Weihbischof Helmut Krätzl angenommen. Der am 23. Oktober 1931 geborene Weihbischof hatte zu seinem 75. Geburtstag im Jahr 2006, wie vom Kirchenrecht vorgesehen, seinen Rücktritt eingereicht. Kardinal Christoph Schönborn sagte im Gespräch mit "Kathpress", dass Papst Benedikt XVI. durch die - außergewöhnliche - Verlängerung des Mandats des Wiener Weihbischofs seine "besondere Wertschätzung für Helmut Krätzl" zum Ausdruck bringen wollte. Persönlich sei er sehr dankbar für die Bereitschaft von Bischof Krätzl, in der Erzdiözese Wien weiterhin "seelsorglich tätig sein" zu wollen, betonte der Kardinal: "Das ist ein großer Segen für uns". Bischof Krätzl werde weiterhin Visitationen in den Pfarren durchführen und habe bereits 30 Firmtermine übernommen. Das sei ein Hinweis darauf, wie sehr Krätzl von der Jugend geschätzt werde: "Er ist ein Bischof im höheren Alter, der die Anliegen der Jugend versteht und den jungen Menschen die Freude am Glauben nahe bringen kann".
Dank von Kardinal Schönborn
Kardinal Schönborn hatte bei der Vollversammlung des Episkopats in Schloss Reichenau Weihbischof Krätzl für dessen "langjähriges Engagement" in der Bischofskonferenz als "längstdienender Bischof" gedankt (Helmut Krätzl wurde 1977 zum Bischof geweiht). Dieser Dank gelte insbesondere auch für die "engagierten, manchmal auch beherzt-kritischen Stellungnahmen" Krätzls. Der Wiener Erzbischof unterstrich die Bedeutung der Predigt Krätzls beim Gemeinschaftsgottesdienst der Bischöfe in der Pfarrkirche Reichenau am Dienstag. In eindrucksvoller Weise habe Krätzl dort von der "Liebe zur Kirche" gesprochen und wie sich sein Leben aus dieser Liebe gestaltet habe. Alle Anwesenden seien tief beeindruckt gewesen, als Bischof Krätzl aus dem Psalm 87 zitierte: "Alle meine Quellen entspringen in dir".
Bischof Krätzl habe in den Jahrzehnten seiner Mitarbeit in der Bischofskonferenz Großes geleistet, betonte Kardinal Schönborn. Dies werde auch aus der Fülle der Referate sichtbar, die Krätzl bisher betreut habe - von der Mitsorge um die Ökumene über den Dialog mit den Weltreligionen, die Erwachsenenbildung (und die "Theologischen Kurse") bis zur Bibelarbeit und zum Seminar für kirchliche Berufe.
Lebenslauf von Weihbischof Krätzl
Helmut Krätzl wurde am 23. Oktober 1931 in Wien geboren, studierte nach seiner Matura 1949 an der Universität Wien Theologie und wurde am 29. Juni 1954 in Wien von Kardinal Theodor Innitzer zum Priester geweiht.
Sein geistliches Wirken begann Krätzl als Kaplan in Baden bei Wien. Im September 1956 wurde er zum Zeremoniär des damals neuernannten Wiener Erzbischofs Franz König berufen. 1959 promovierte er an der Universität Wien zum Doktor der Theologie. An der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom erwarb er 1964 sein zweites Doktorat in Kirchenrecht.
In dieser Zeit erfuhr er zum ersten Mal die weltumspannende Dimension der Kirche. Vor allem aber durfte er, beim Zweiten Vatikanischen Konzil ab 1962 als "Stenograph" tätig sein und dabei - wie er selber sagt - unmittelbare Einblicke in das Konzilsgeschehen gewinnen.
In die Heimat zurückgekehrt, trat er 1964 sein Amt als Pfarrer in Laa an der Thaya an, das er bis 1969 innehatte. Hier erlebte er die Auswirkungen des Konzils an der Basis.
Bei der Wiener Diözesansynode 1969/1971 ebnete Krätzl mit seinem Referat über die pastoralen Gremien den Weg für eine Verständigung zwischen jenen Synodalen, die eine "Gremialisierung" der Kirche befürchteten, und den Anhängern einer Demokratisierung auf allen Ebenen. Kardinal König bestellte Krätzl am 1. September 1969 zum Ordinariatskanzler der Erzdiözese Wien. In dieser Funktion, die er bis 1980 innehatte, bemühte sich Krätzl vor allem um eine "praxisorientierte Handhabung" der kirchenrechtlichen Vorschriften und um die Förderung einer erneuerten Sakramentenpastoral nach den Leitlinien des Zweiten Vatikanischen Konzils.
1977 zum Bischof geweiht
Paul VI. ernannte Helmut Krätzl am 30. September 1977 zum Titularbischof von Heraclea Pontica und Weihbischof für die Erzdiözese Wien. Kardinal König weihte Dr. Krätzl - dessen Wahlspruch "In der Kraft Gottes" lautet - gemeinsam mit Florian Kuntner (gestorben 1994) am 20. November 1977 im Wiener Stephansdom zum Bischof.
Von 1981 bis 1985 übte Bischof Krätzl die Funktion des Generalvikars der Erzdiözese Wien aus. Nach dem Rücktritt von Kardinal König als Erzbischof von Wien wurde er im September 1985 vom Wiener Domkapitel zum Diözesanadministrator der Erzdiözese Wien gewählt, eine Funktion, die er bis zum Amtsantritt des neuen Erzbischofs Hans Hermann Groer am 14. September 1986 innehatte. Kardinal Groer ernannte Krätzl 1987 zum Bischofsvikar für die Bereiche Erwachsenenbildung und Priesterfortbildung; diese Verantwortung behielt er auch unter Kardinal Christoph Schönborn bis zum Jahr 2004 bei.
20 Jahre hindurch war Krätzl in der Österreichischen Bischofskonferenz "Schul-Bischof", und damit zuständig für den Religionsunterricht im allgemeinen, für die Privatschulen und für die Schulpolitik. In den achtziger Jahren war Krätzl auch erfolgreich als Pressesprecher der Österreichischen Bischofskonferenz tätig.
Einsatz für Verwirklichung des Zweiten Vatikanischen Konzils
Bischof Krätzl zählt zu den angesehensten Repräsentanten der katholischen Kirche in Österreich. Sein Einsatz für die konsequente Verwirklichung des Zweiten Vatikanischen Konzils, für eine den Menschen nachgehende Seelsorge, für ökumenische Verständigung, für den Dienst der Kirche an der Gesellschaft von heute, für eine an echten Werten orientierte Bildung und Erziehung findet weit über den kirchlichen Bereich hinaus größte Beachtung. Aber auch seine Beiträge zur Europa-Problematik und zur Situation in den osteuropäischen Reformstaaten haben wesentlich zur Meinungsbildung in Kirche und Öffentlichkeit beigetragen.
Seine Bücher wie "Im Sprung gehemmt" (1998), "Neue Freude an der Kirche" (2001) und "Eine Kirche, die Zukunft hat" (2007) fanden in der Öffentlichkeit über die Grenzen Österreichs hinaus großen Widerhall.
