Lage der Kirche in China noch immer schwierig
Wien, 7.3.08 (KAP) Die Demütigung der chinesischen Bischöfe durch die regierungsabhängige Organisation "Patriotic Association of Chinese Catholics"/PACC) hat der Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien beklagt. Die bevorstehenden Olympischen Spiele in Peking wirkten sich zwar bei der Verbesserung der Menschenrechtssituation da und dort positiv aus. Für die katholische Kirche sei die Lage aber immer noch extrem schwierig. Die Verfassung Chinas garantiere zwar die Religionsfreiheit, "doch Religionsfreiheit bedeutet nicht bloß die 'Freiheit zu beten'". Die Regierung habe dagegen nichts einzuwenden, ihr gehe es jedoch um die Kontrolle der kirchlichen Verwaltung. Hier tue sie sich bei der katholischen Kirche am schwersten, weil es Rom gebe, das dem Zugriff Pekings entzogen sei.
Über die PACC würden die offiziell zugelassenen Bischöfe zu einer nach außen hin zustimmenden Haltung dem Regime gegenüber veranlasst. Von Religionsfreiheit könne man erst sprechen, wenn die PACC aufgelöst oder den Bischöfen unterstellt werde, sagte Zen. Es gebe keine echte Bischofskonferenz, da die Bischöfe der offiziellen Kirche von den Funktionären der PACC kontrolliert würden.
Der Kardinal war auf Einladung der Organisationen "CSI-Österreich" und "Kirche in Not" in Wien. Als Ehrengast nahm er am traditionellen ökumenischen Schweigemarsch für die verfolgten Christen durch die Wiener Innenstadt teil.
Zen hat in seiner Diözese seine Leitungsaufgaben weitgehend an seinen Koadjutor John Tong Hong abgegeben und steht jetzt vor allem im Dienst der päpstlichen China-Diplomatie. Im Zuge der Abfassung des im Juni 2007 veröffentlichten Briefes von Benedikt XVI. an die Kirche in China sei er für mehrere textliche Abänderungen verantwortlich gewesen, bestätigte er bei der Pressekonferenz. Er sei anfangs gegen einen Brief gewesen, so Zen, sei aber jetzt froh, dass er geschrieben wurde. Allerdings enthalte das insgesamt "von Respekt und Freundlichkeit" gekennzeichnete Schreiben Passagen, die "falsch interpretiert" worden seien. Dies sei aber nicht Schuld des Papstes.
In dem Brief hatte der Papst seinen Wunsch nach der vollständigen Anerkennung der Religionsfreiheit seitens der kommunistischen Führung Chinas sowie die Ablehnung einer staatlich kontrollierten und vom Vatikan unabhängigen katholischen Kirche zum Ausdruck gebracht. Benedikt XVI. ging auch auf die heikelste Frage eine: Das Für und Wider eines "Auftauchens" der Untergrundbischöfe und ihrer Gemeinden sowie die Frage der Vereinigung mit der "offiziellen" Kirche. Hier plädierte der Papst für eine Fall-zu-Fall-Gewissensentscheidug der Bischöfe, der sich die Priester und Laien anschließen sollten.
Zen berichtete, dass bei diesem Punkt Probleme entstanden seien. Etliche Untergrundbischöfe hätten sich mit der offiziellen Hierarchie versöhnt, sich aber damit den Unmut der Gläubigen zugezogen. In der Folge seien neue Spaltungen entstanden. Andererseits habe die Führung der PACC die entsprechenden Passagen im Papstbrief manipulativ verwendet, so der Kardinal.
Der Ehrengast des CSI-Schweigemarsches forderte deshalb die Auflösung der PACC. Die Organisation arbeite ausschließlich für ihre eigenen Interessen, nicht jedoch für die Interessen der Kirche in China. Man dürfe auch nicht vergessen, dass der "starke Mann" in der PACC nicht etwa ein Bischof, sondern der Parteifunktionär Anthony Liu Bainian sei. In demütigender Weise habe Liu Bainian im Vorjahr praktisch sämtliche Bischöfe zu einer Akklamationsveranstaltung eingeladen, um nach Art kommunistischer Parteitage "50 Jahre PACC" zu feiern.
Vatikan berät über Lage der Katholiken in China
Eine hochrangige Kommission berät ab Montag im Vatikan über die Lage der Katholiken in China. Wie der vatikanische Pressesaal am Samstag mitteilte, nehmen die Leiter mehrerer Kurienbehörden sowie chinesische Bischöfe - unter ihnen Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, der am Wochenende in Wien und Linz gesprochen hat - und Ordensvertreter an dem von Montag bis Mittwoch dauernden Treffen teil. Es handle sich um die erste Konferenz der von Papst Benedikt XVI. einberufenen Expertengruppe.
Gegenstand der Beratungen seien die Entwicklungen nach dem Papst-Brief an die chinesischen Katholiken, teilte der Vatikan weiter mit. In dem am 30. Juni 2007 veröffentlichten Schreiben hatte Benedikt XVI. uneingeschränkte Religionsfreiheit gefordert und staatliche Einmischung in kirchliche Angelegenheiten kritisiert.
