Papst ruft zum Empfang des Bußsakraments auf
Vatikanstadt, 10.3.08 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat die Gläubigen zum regelmäßigen Empfang des Bußsakramentes aufgerufen. Zugleich erinnerte Benedikt XVI. daran, dass es in der Beichte nicht nur um das Einbekennen von Sündern, sondern vor allem um die persönliche Begegnung mit Gott, dem Vater der Barmherzigkeit, geht. Wörtlich sagte der Papst vor den Teilnehmern des Jahreskurses der Apostolischen Pönitentiarie: "Im Herzen der Feier des Bußsakramentes steht nicht die Sünde, sondern die Barmherzigkeit Gottes, die unendlich größer ist als jede Schuld des Menschen". Die derzeit von Kardinal James Francis Stafford geleitete Apostolische Pönitentiarie ist einer der drei höchsten päpstlichen Gerichtshöfe; zu ihren Aufgaben zählt insbesondere auch die Verwaltung des Bußsakramentes.
Zweifellos sei heute das Sündenbewusstsein immer mehr im Schwinden, sagte der Papst. Es gebe auch eine gewisse Abneigung gegen das Bußsakrament. Umso mehr sei es die Aufgabe der Priester, den Gläubigen die enge Verbindung zwischen dem Sakrament der Versöhnung und einer mit Entschlossenheit auf Bekehrung ausgerichteten Existenz einsichtig zu machen.
Durch den Empfang des Bußsakraments bleibe das Streben nach Bekehrung und evangeliumsgemäßer Vollkommenheit lebendig, betonte Benedikt XVI. Wer nur selten zur Beichte gehe, riskiere, dass der Bußakt zu einer formalen Sache ohne Wirkung auf das alltägliche Leben werde. Die Vernachlässigung dieses Sakraments führe zu einer langsamen Schwächung, ja unter Umständen zum Verlust des Glaubens.
Eine bessere Vorbereitung der Beichtväter ist unbedingt nötig, damit das Sakrament der Versöhnung bei den Gläubigen einen größeren Zuspruch findet, erklärte der Regens der Großpönitentiarie, Bischof Gianfranco Girotti, im Gespräch mit dem "Osservatore Romano". Deshalb habe die Pönitentiarie in den Mittelpunkt des Jahreskurses für die Priester das heikle Thema "Forum internum - Gewissensfragen" gestellt. Insgesamt betonte Girotti die Notwendigkeit von Fingerspitzengefühl und Geduld bei der Ausübung des Dienstes als Beichtvater. Die Beichte stecke generell in einer Krise; dabei sei sie jedoch der "Schlüssel zum Heil".
Auch im katholischen Italien sinke die Zahl derjenigen, für die das Bußsakrament eine Selbstverständlichkeit darstelle, sagte Girotti und zitierte dabei eine zehn Jahre zurückliegende Umfrage der Katholischen Universität Mailand. Nach der Studie hielten 30 Prozent der Befragten die persönliche Beichte für überflüssig. Rund 10 Prozent waren der Meinung, der Priester stehe in der unmittelbaren Beziehung zu Gott eher im Wege, und für rund 20 Prozent war es sehr schwierig, mit jemand anderem über ihre Sünden zu sprechen.