Vatikan dementiert Rehabilitation Martin Luthers
Vatikanstadt, 9.3.08 (KAP) Vatikan-Sprecher P. Federico Lombardi SJ hat Presseberichten widersprochen, nach denen der Papst eine Rehabilitation Martin Luthers plane. Entsprechende Spekulationen seien haltlos, sagte P. Lombardi nach Angaben des "Corriere della Sera".
Zuletzt hatten die Londoner "Times" sowie die "Financial Times" geschrieben, Benedikt XVI. werde im September mit seinem akademischen Schülerkreis über den Reformator diskutieren. Dabei werde der Papst die Auffassung vertreten, Luther sei kein Häretiker und habe keine Kirchenspaltung beabsichtigt; dem Wittenberger Theologen sei es lediglich darum gegangen, die Kirche von Missständen zu befreien.
Die Londoner "Times" hatte am letzten Donnerstag in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf Vatikankreise berichtet, Papst Benedikt XVI. werde im September erklären, dass der 1521 exkommunizierte Reformator kein Irrlehrer gewesen sei. Luther habe die Kirche nicht spalten, sondern lediglich von korrupten Praktiken reinigen wollen. Der Papst werde seine Sicht Luthers mit seinem Schülerkreis erörtern und dann Schlussfolgerungen einer entsprechenden Untersuchung vorlegen. Die rund 40 hochrangigen Theologen des Schülerkreises treffen sich jährlich im privaten Rahmen in Castel Gandolfo. Die "Times" stellte fest, eine Neubewertung Luthers durch den Papst würde den ökumenischen Dialog zwischen Protestanten und Katholiken fördern. Ein solcher Schritt wäre ein Gegengewicht zu den Irritationen um Amts- und Kirchenverständnis.
"Times"-Korrespondent Richard Owen führte als Zeuge für die Vermutung auch den Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, an. trete für ein positiveres Lutherbild ein. "Wir können viel von Luther lernen, angefangen bei der Bedeutung, die er dem Wort Gottes gab", wird Kasper zitiert. Gerüchte über eine Neubewertung Luthers hatte es bereits 1996 im Zusammenhang mit dem letzten Deutschlandbesuch von Johannes Paul II. gegeben.