Vor vier Jahren starb Kardinal Franz König
"Das Gedenken an Kardinal Franz König ist nie einfach nostalgische Erinnerung, sondern immer auch inhaltliche Auseinandersetzung", sagte der Direktor des Wiener "Kardinal-König- Hauses", P. Gernot Wisser SJ, am Dienstagabend bei einer Gedenkveranstaltung für den vor vier Jahren verstorbenen Wiener Alterzbischof. Das "Kardinal-König-Haus" sehe sich in seiner täglichen Arbeit dem Erbe und dem Auftrag Königs verpflichtet, betonte P. Wisser. Vor allem in den Seminaren und Veranstaltungen des Bereichs Hospiz und Palliative Care und des Bereichs Gesellschaftsfragen würden zentrale Anliegen Kardinal Königs wie Ökumene, interreligiöser Dialog, Sorge um menschenwürdiges Sterben weitergetragen und weitergegeben.
Die Veranstaltung im "Kardinal-König-Haus" stand - im Hinblick auf die bahnbrechenden Arbeiten Königs als Religionswissenschaftler - unter dem Thema "Jenseitsvorstellungen in den Weltreligionen". In Erinnerung an den "Konzilsvater" König wurde aus der Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen ("Nostra aetate") zitiert: "Die Menschen erwarten von den verschiedenen Religionen Antwort auf die ungelösten Rätsel des menschlichen Daseins, die heute wie von je die Herzen der Menschen im tiefsten bewegen".
Den Auftakt der Veranstaltung bildete ein Vespergottesdienst in der Lainzer Konzilsgedächtniskirche. An dem Gottesdienst nahmen viele Wegbegleiter Kardinal Königs teil, unter ihnen die Wiener Diözesanarchivarin und langjährige Leiterin seines Sekretariats, Annemarie Fenzl, Oberin Christine Gleixner, der Publizist Prof. Heinz Nußbaumer und die langjährige Vorsitzende des Dachverbands Hospiz Österreich, Sr. Hildegard Teuschl CS.
Prof. Birgit Heller vom Religionswissenschaftlichen Institut der Universität Wien stellte religionssoziologische Entwicklungen in Europa an den Beginn ihres Vortrags zum Thema "Jenseitsvorstellungen". Für Tod und Jenseits gelte, was für Religion und Spiritualität im Allgemeinen gilt. Sie würden in den postmodernen Gesellschaften unter den Bedingungen von Individualisierung, Pluralisierung und Privatisierung wahrgenommen, so Heller.
Martin Kämpchen, seit 1980 in Indien lebender Religionswissenschafter und Schriftsteller, bot ein lokales Schlaglicht über Sterben, Tod und Trauer in Westbengalen (dem 1947 bei der Indischen Union verbliebenen Landesteil Bengalens). Er schilderte die Ausdrucksformen der Trauer in der indischen Gesellschaft. Deutlich wurde dabei vor allem die bei den verschiedenen Religionen unterschiedliche Bewertung des menschlichen Körpers. "Hindus rechnen grundsätzlich den Körper dem materiellen Bereich zu. Nach dem Tod lässt die Seele den Körper als bloße materielle Hülle zurück", so Kämpchen. Anders der christliche Glaube an die himmlische Vollendung, in die der Verstorbene mit Seele und - einem verklärten - Leib aufgenommen wird.
Die 99 Jahre Kardinal Königs
Der Lebenslauf vom Kardinal Franz König war geprägt vom 20. Jahrhundert mit seinen dramatischen Umbrüchen. Geboren am 3. August 1905 in Warth bei Rabenstein an der Pielach in der Diözese St. Pölten als Bauernsohn, besuchte Franz König das Stiftsgymnasium Melk, wo er 1927 die Matura mit Auszeichnung ablegte. Im Herbst 1927 begann er sein Studium der Philosophie und der Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. 1930 wurde er zum Dr.phil. promoviert und am 29. Oktober 1933 zum Priester geweiht.
Die ersten Priesterjahre
Von 1934 bis 1937 war er in seiner Heimatdiözese als Kaplan in Altpölla, Neuhofen an der Ybbs, St. Valentin und Scheibbs tätig. In dieser Zeit vollendete er auch seine theologischen Studien und wurde 1936 zum Dr.theol. promoviert.
Ab 1938 war König Domkurat in St. Pölten und Jugendseelsorger der Diözese. 1945 wurde er Religionsprofessor in Krems und habilitierte sich in Wien als Privatdozent für Religionswissenschaften. König war einer der besten Kenner der Ideenwelt der altiranischen Religion. 1947 erschien sein Buch "Das Alte Testament und die altorientalischen Religionen". 1948 erfolgte die Berufung als a.o. Professor für Moraltheologie nach Salzburg.
Bischof-Koadjutor in St. Pölten
Am 31. Mai 1952 ernannte Papst Pius XII. König zum Titularbischof von Livias und Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge des St. Pöltener Bischofs. Am 31. August 1952 erfolgte die Bischofsweihe im St. Pöltner Dom durch Bischof Michael Memelauer. Im Herbst desselben Jahres wurde er von den österreichischen Bischöfen zum Referenten für Jugendfragen gewählt.
1956 Erzbischof von Wien
Am 10. Mai 1956 - sieben Monate nach dem Tod Kardinal Innitzers - ernannte Papst Pius XII. König zum Erzbischof von Wien, am 17. Juni erfolgte die Inthronisation. König wählte das Motto "Veritatem facientes in caritate" (Die Wahrheit in Liebe tun). In das Kardinalskollegium wurde er am 15. Dezember 1958 von Papst Johannes XXIII. aufgenommen.
Als Erzbischof von Wien war König Befürworter und Motor einer den Menschen nachgehenden Seelsorge. Er selbst unternahm viele hunderte von Besuchen in Pfarren, aber auch in Betrieben und Schulklassen, um mit arbeitenden Menschen und mit der Jugend in persönlichen Kontakt zu kommen. Die von ihm einberufene Wiener Diözesansynode (1969/71) sowie die 1973/74 abgehaltene gesamtösterreichische Kirchenversammlung ("Österreichischer synodaler Vorgang") stellten die Weichen für eine "innere Erneuerung" der Kirche. Hier zeigte sich auch das von Kardinal König nachdrücklich vertretene Prinzip der gemeinsamen Verantwortung von Priestern und Laien für das Leben und Wirken der Kirche.
Kirche und Staat
Kardinal König verstand die Kirche stets auch als gestaltenden Faktor der Gesellschaft. Zahlreiche öffentliche Stellungnahmen zu gesellschaftspolitischen Fragen - nicht zuletzt seine Hörfunk- und Fernsehansprachen zum Jahreswechsel - fanden in der österreichischen Öffentlichkeit große Beachtung. Er setzte die von den österreichischen Bischöfen nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossene Entflechtung von Kirche und Parteipolitik konsequent fort und unterstützte die Bemühungen um eine Beseitigung der historischen Frontstellung zwischen Kirche und Sozialdemokratie in Österreich. Gleichzeitig hatte König persönlichen Anteil an der Entkrampfung des Verhältnisses von Staat und Kirche in Österreich.
Bedeutung für die Weltkirche
Auf weltkirchlicher Ebene trat Kardinal König erstmals beim Zweiten Vatikanischen Konzil in Erscheinung, zu dessen führenden Persönlichkeiten er gehörte. 1965 vertraute ihm Papst Paul VI. die Leitung des neugegründeten vatikanischen Sekretariates für die Nichtglaubenden an (eine Funktion, die er bis 1981 beibehielt).
Kontakte zum Osten
Als spezifische Aufgabe des Erzbischofs von Wien sah Kardinal König die Überwindung der Isolierung der Kirche im kommunistischen Machtbereich durch Herstellung brüderlicher Kontakte der Kirche in Österreich zu den Nachbarkirchen im Osten. Er selbst reiste als erster "westlicher" Kardinal nach Osteuropa. Bei der ersten dieser Reisen - der Fahrt zum Begräbnis des Zagreber Kardinals Stepinac - erlitt er am 13. Februar 1960 bei einem Autounfall schwere Verletzungen. Später unternahm der Kardinal zahlreiche Besuche in fast allen früheren Oststaaten, die stets der Begegnung mit Bischöfen, Priestern und Gläubigen der Kirche dieser Länder dienten. Im Auftrag von Johannes XXIII. fuhr er am 18. April 1963 erstmals in die amerikanische Gesandtschaft nach Budapest, um mit dem dort im Asyl lebenden ungarischen Primas Mindszenty zu sprechen. Diese Besuche wiederholten sich in den folgenden Jahren und führten schließlich zur Ausreise Mindszentys.
Ökumenische Kontakte
Von Anfang an bildeten ökumenische Kontakte einen Schwerpunkt von Kardinal Königs Wirken. Durch Besuche beim damaligen Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, Patriarch Athenagoras von Konstantinopel, beim rumänischen Patriarchen in Bukarest, beim koptischen Patriarchen in Kairo, beim serbischen Patriarchen und zahlreichen anderen führenden Persönlichkeiten wurden entscheidende Kontakte für den Dialog mit den nichtkatholischen Ostkirchen geknüpft. Eine besondere Funktion übernahm dabei die von Kardinal König 1964 gegründete Stiftung "Pro Oriente", die vor allem durch ihre internationalen ökumenischen Symposien dem theologischen Gespräch weit reichende Impulse zu geben vermochte.
Kontakt zu Nichtchristen
Großes Interesse brachte Kardinal König - auch als Wissenschaftler - den nichtchristlichen Religionen entgegen. 1951 gab er das - zum Standardwerk der vergleichenden Religionswissenschaft gewordene und immer wieder neuaufgelegte - Buch "Christus und die Religionen der Erde" heraus. 1956 erschien das "Religionswissenschaftliche Wörterbuch". 1964 leitete er im Rahmen des Eucharistischen Weltkongresses in Bombay das große Religionsgespräch, an dem Vertreter aller Weltreligionen teilnahmen. Auf vielfältige Weise trug Kardinal König zum Dialog der katholischen Kirche mit Judentum und Islam bei.
Religion und Wissenschaft
Ein besonderes Anliegen war Kardinal König stets der Dialog zwischen Religion und Wissenschaft. Auch hier setzte er auf internationaler Ebene zahlreiche Initiativen, zum Beispiel am 1. Juli 1968 in Lindau am Bodensee bei einer Tagung der Nobelpreisträger mit einem Referat zum Thema "Überwindung des Galilei-Traumas im Verhältnis von Kirche und Profanwissenschaft". Er legte damit den Grundstein zur Neuaufrollung des "Falles Galilei" und zur feierlichen Rehabilitierung des italienischen Naturwissenschaftlers durch Papst Johannes Paul II. im Jahr 1992.
Ein besonderen Anliegen war Kardinal König stets der Lebensschutz. In den vergangenen Jahren hatte er sich besonders für den Hospizgedanken und den Ausbau der Sterbebegleitung eingesetzt. Er wollte damit einen Beitrag leisten, allen Bestrebungen nach einer Zulassung aktiver Sterbehilfe zu widerstehen. (ende)
