Heuer 50. Internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes
Wien, 17.3.08 (KAP) Lourdes feiert heuer ein doppeltes Jubiläum: Zum einen gedachte der französische Wallfahrtsort bereits im Februar des 150. Jahrestages der ersten von insgesamt 18 Marienerscheinungen; zu den Feiern waren rund 120.000 Gläubige aus aller Welt gekommen. Zum anderen findet vom 22. bis 26. Mai die 50. Internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes statt, bei der jährlich rund 20.000 Soldaten und Armee-Mitarbeiter aus 30 Nationen zusammentreffen. Die Wallfahrt steht heuer unter dem Motto "Trinkt aus der Quelle und wascht euch dort".
Ganz auf den besonderen Anlass der diesjährigen Jubiläumswallfahrt abgestimmt präsentiert sich auch das internationale Rahmenprogramm. Neben einem großen Auftaktgottesdienst, der Lichterprozession sowie der großen gemeinsamen Abschlussmesse soll der Ortskern von Lourdes zu einem "Dorf der Friedensstifter" werden, in dem sich die einzelnen Nationen präsentieren.
Schwerpunkt zu Franz Jägerstätter
Wie der Bischofsvikar der Militärdiözese, Msgr. Werner Freistetter, im Gespräch mit "Kathpress" ankündigte, werde ein Schwerpunkt der österreichischen Präsentation der Person und dem Zeugnis Franz Jägerstätters gelten. Gerade auch im Bereich des Militärs sei das Interesse an Jägerstätter international enorm groß, so Freistetter. Dieses Interesse gelte es zu nutzen. Durch eine gemeinsam mit dem "Institut für Religion und Frieden" (IRF) initiierte Ausstellung sowie durch Broschüren und Diskussionsveranstaltungen soll Jägerstätter und sein Zeugnis auch heutigen Soldaten in ihrem Einsatz für Frieden nahe gebracht werden.
Hauptzelebrant der großen Abschlussmesse am 26. Mai wird der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, sein. Wie Freistetter berichtet, sei dies auf ausdrücklichen Wunsch des Erzbischofs von Toulouse, Robert Jean Louis Le Gall, einem ehemaligen Schüler Schönborns, zu Stande gekommen.
Persönliche Bindung an Lourdes
Freistetter selbst verbindet mit der Soldatenwallfahrt nach Lourdes zahlreiche persönliche und familiäre Erinnerungen. So hat bereits sein Vater in den sechziger und siebziger Jahren maßgeblich an der Organisation der Wallfahrt mitgewirkt. Freistetter selbst ist erstmals während seiner Militärdienstzeit 1972 als Grundwehrdiener nach Lourdes gekommen, wo er - wie er sich im Gespräch mit "Kathpress" erinnert - für die österreichischen Pilger die Orgel spielte.
Heute sei die Wallfahrt für viele Soldaten "eine Art Event", so Freistetter. Sie biete eine willkommene Abwechslung vom alltäglichen Dienst und ermögliche es darüber hinaus, mit Soldaten anderer Nationen zusammenzutreffen und Abzeichen auszutauschen - "eine Sache, die für viele Soldaten sehr wichtig ist und nicht unterschätzt werden darf".
Die jährliche Soldatenwallfahrt nach Lourdes, entstanden aus einer Initiative französischer und deutscher Militärseelsorger, ist die größte europäische "Friedenskundgebung" bekennender Katholiken in den Armeen. 1944 pilgerten erstmals französische Soldaten nach Lourdes. Daraus entstand eine regionale, später eine nationale und schließlich eine internationale Soldatenwallfahrt für Militär-Angehörige aus aller Welt. Die österreichische Katholische Militärseelsorge nimmt seit 1976 alljährlich an dieser Wallfahrt nach Lourdes teil. Die größten jährlichen Teilnehmergruppen stammen aus Frankreich, Italien und Kroatien mit jeweils über 2.000 Teilnehmern. Aus Österreich pilgern jährlich rund 800 Soldaten nach Lourdes.
Militärseelsorge hat lange Tradition
Die historischen Wurzeln der Militärseelsorge reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Damit gehört die Militärseelsorge zu den ältesten "kategorialen" Seelsorgeformen. Die österreichische Militärdiözese umfasst derzeit rund 100.000 Katholiken. Neben 16 auf die Bundesländer verteilten Militärpfarren gibt es derzeit drei "Pfarren" in Einsatzgebieten des Bundesheeres auf dem syrischen Golan, im Kosovo und in Bosnien. Insgesamt tun 22 Militärgeistliche in diesen Einsätzen ihren Dienst. Neben der allgemeinen seelsorglichen Betreuung der Soldaten und dem Angebot von Messfeiern spielt die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch eine wichtige Rolle in der Militärseelsorge.
Die Militärseelsorge wurde weltweit durch die Apostolische Konstitution "Spirituali Militum Curae" vom 21. April 1986 neu geregelt. Daraus erfolgte in Österreich die rechtliche Angleichung der Militärseelsorge (Militärdiözese) an die Diözesen unter Beachtung des Konkordates zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Österreich. Erster Militärbischof in der neuen Regelung war Alfred Kostelecky, sein Nachfolger ist seit 1994 Christian Werner. Vor 1986 hatten Diözesanbischöfe zusätzlich die Aufgabe des Militärordinarius übernommen gehabt, zunächst Kardinal Franz König, dann der St. Pöltner Bischof Franz Zak.