Verwirrung um Gewerkschaftsbrief zu Schulgottesdiensten
Wien, 17.3.08 (KAP) Verwirrung und Irritationen hat ein "Informationsschreiben" der sozialdemokratischen Gewerkschafterin Sylvia Breitsprecher an alle Wiener Pflichtschuldirektoren ausgelöst. Darin behauptete Breitsprecher, dass religiöse Übungen wie Schulgottesdienste laut Paragraf 2a des Religionsunterrichtsgesetzes nur an Nachmittagen und außerhalb der Religionsstunden stattfinden dürften. Wie die Leiterin des Wiener Erzbischöflichen Schulamtes, Christine Mann, im Gespräch mit "Kathpress" am Montag klarstellte, entspreche diese Formulierung "nicht der Gesetzeslage" und widerspreche den Erlässen des Stadtschulrates. Außerdem habe die Aktion zu einer "unnötigen Verunsicherung bezüglich der selbstverständlichen Praxis" geführt, dass in den Tagen vor den Osterferien "Ostergottesdienste natürlich an den Vormittagen und selbstverständlich auch zur Zeit einer Religionsstunde gehalten werden können", so Mann.
Weiters betonte Mann, dass solche Aktionen weder dem "an sich guten Miteinander zwischen staatlicher und kirchlicher Schulverwaltung" entsprechen" noch von den Direktorinnen und Direktoren der Wiener Pflichtschulen mitgetragen würden.
Mann wies außerdem auf die Bedeutung des Religionsunterrichts und der religiösen Praxis auch in der Schule hin. Gerade im heurigen "Jahr des Interkulturellen Lernens" gelte es, die Bedeutung des Religionsunterrichts und der Religionsausübung für die Identitätsbildung der Schüler hervorzuheben. Die vorliegende Aktion hingegen stelle einen Angriff nicht nur auf die christlichen Kirchen dar, sondern auch auf die religiöse Praxis jüdischer und muslimischer Kinder, so Mann: "Es geht letztlich auch um ihre Rechte".
Die "Berufsgemeinschaft der ReligionslehrerInnen" hatte auf das Schreiben sogleich reagiert und in einem Antwortschreiben ihre Betroffenheit über die Aktion der Gewerkschafterin zum Ausdruck gebracht. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: "Betroffene Kolleginnen und Kollegen fragen uns, was Sie mit dieser Aussendung knapp vor dem für uns Christen so wichtigen Osterfest erreichen wollen. Mit großer Sorge müssen die vielenReligionslehrerinnen und -lehrer, die Gewerkschaftsmitglieder sind, fürchten, dass die sozialdemokratischen GewerkschafterInnen sie nicht nur nicht vertreten, sondern ihnen durch solche Aktionen das Arbeitsleben noch schwerer machen."
In einem darauf folgenden Schreiben hatte die Sozialdemokratische LehrerInnengewerkschaft sich um Richtigstellung bemüht, nachdem auch Breitsprecher selbst bereits einen Irrtum ihrerseits eingeräumt hatte - jedoch weiterhin ohne jedes positive Wort über religiöse Übungen im Schulunterricht. Schulamtsleiterin Mann: "Eigentlich hätte ich ja gemeint, dass diese kulturkämpferischen Zeiten Vergangenheit sind und niemand mehr solche Versatzstücke braucht. So findet man heute ganz sicher kein spezifisches Profil. Für uns ist das Thema erledigt, aber ich hoffe doch, dass es Lernprozesse auch an der gewerkschaftlichen Basis gibt." Sie sei sich sicher, dass auch eine klärende Stellungnahme des Stadtschulrates folgen werde, der die Aktion "von der Sache her so sicher nicht mitträgt", so Mann.