"Neue Beziehung zwischen Jesuiten und Papst spürbar"
Wien, 18.3.08 (KAP) Die Jesuiten in Österreich wollen sich neuen kirchlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen stellen. Nach der 35. Generalkongregation der Gesellschaft Jesu müsse wieder neu hinterfragt werden, was Kirche und Gesellschaft von den Jesuiten erwarten, so Provinzial P. Severin Leitner am Dienstag bei einer Pressekonferenz im Wiener "Kardinal-König-Haus". P. Leitner verwies etwa auf die Jugendarbeit des Ordens, die Vermittlung zwischen Kirche und Kultur aber auch auf den großen Bereich der Migration und Integration.
Der designierte neue Provinzial, P. Gernot Wisser, betonte in diesem Zusammenhang, dass im "Kardinal-König-Haus" für den kommenden Herbst ein neuer Lehrgang "Integrationsbegleitung" geplant ist. Die Ausbildung für Integrationsbegleiter sei ein völlig neues Feld, in dem die Jesuiten gemäß ihrem Auftrag und Selbstverständnis eine Vorreiterrolle spielen würden.
P. Leitner und P. Wisser hatten für die österreichischen Jesuiten an der Generalkongregation vom 7. Jänner bis 6. März in Rom teilgenommen. Wie P. Leitner berichtete, sei dabei auch eine neue Beziehung zwischen dem Jesuitenorden und dem Papst spürbar geworden. Leitner erinnerte daran, dass der Orden nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) in dem Bemühen um die Verbindung von Verkündigung des Glaubens und Einsatz für mehr Gerechtigkeit vielfach kritisiert worden sei. P. Leitner: "Von verschiedenen Seiten sind starke Anfragen gekommen: Ob der Orden nicht zu politisch wird, ob er noch kirchlich ist, ob die Jesuiten dem Papst noch gehorchen".
Schon unter Johannes Paul II., mehr noch aber unter Papst Benedikt XVI. habe es in dieser Hinsicht eine Neupositionierung gegeben, so der Provinzial. Vor allem der frühere Ordensgeneral P. Peter Hans Kolvenbach habe durch seine eigenständige und konsequente Art viel Vertrauen in der römischen Kurie aufgebaut. P. Leitner: "Der Jesuitenorden wurde gegründet, um der Kirche zu dienen und den Menschen in jeder Weise zu helfen. Es ist die Kirche und in erster Linie der Papst, der dem Orden Aufträge und Sendungen gibt und dem der Orden auch Rechenschaft schuldet". Dafür sei wechselseitiges Vertrauen notwendig.
Papst BenediktXVI. habe den Jesuiten von Anfang an seine besondere Wertschätzung signalisiert und sie aufgefordert und ermuntert, auch weiterhin an jene "Grenzen" zu gehen, wo andere nicht hingehen können oder wollen. Die Kirche brauche den Jesuitenorden, habe der Papst wörtlich gesagt, so P. Leitner. Und Benedikt XVI. habe den Jesuiten auch eine Reihe konkreter Aufträge mitgegeben, etwa die theologische Forschung, vor allem im Bereich der Moraltheologie, wo es um den Schutz des Lebens geht, oder den Dialog mit anderen Religionen und Kulturen.
P. Wisser wies in dem Pressegespräch auf den globalen Kontext der Sendung der Jesuiten hin. Bei der Generalkongregation sei die Notwendigkeit deutlich geworden, noch stärker als bisher überregional zu kooperieren. "Globalisierung, Technik und Umweltfragen haben unsere traditionellen Abgrenzungen in Frage gestellt und machen uns deutlich bewusst, dass wir eine gemeinsame Verantwortung für das Wohlergehen der ganzen Welt haben", so P. Wisser wörtlich. Dabei müssten die Ordensprovinzen nicht nur miteinander arbeiten, sondern ebenso müsse die Kooperation mit anderen Gemeinschaften gesucht werden, wie auch mit Laien oder Mitgliedern anderer kirchlicher Bewegungen.
Jeder einzelne Jesuit sei aufgefordert, in diesem Sinne über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, so P. Wisser. Letztlich habe auch die Wahl von P. Adolfo Nicolas zum neuen Generaloberen gezeigt, "dass die Globalisierung Menschen mit weitem Horizont braucht". Der gebürtige Spanier Nicolas war bisher Präsident der Jesuitenkonferenz von Ostasien und Ozeanien (JCEAO) mit Sitz in Quezon City auf den Philippinen. Vor mehr als 46 Jahren ging er als Theologiestudent nach Japan, später lehrte er selbst als Professor in Tokio.
Nicolas folgt auf P. Peter-Hans Kolvenbach. Der 79-jährige Niederländer hatte sein Amt nach 24 Jahren aus Altersgründen abgegeben. Ein Jesuiten-General wird auf Lebenszeit gewählt; für den Amtsverzicht Kolvenbachs musste Benedikt XVI. seine ausdrückliche Erlaubnis geben.
Die Generalkongregation verabschiedete fünf Dekrete, die sich mit Gehorsam, Mission, jesuitischer Identität, interreligiösem Dialog und Leitungsfragen befassen. Diese Richtlinien sind bindend für die Leitung des 19.200 Mitglieder umfassenden Ordens.
P. General Nicolas ernannte im Rahmen der Generalkongregation u.a. P. Wisser zum neuen Provinzial der Österreichischen Provinz der Gesellschaft Jesu. P. Wisser wird dieses Amt am 31. Juli, dem Fest des Heiligen Ignatius, übernehmen.
Gegenwärtig leben und arbeiten rund 100 Jesuiten in Österreich. Zu ihren Aufgaben zählen die Exerzitien- und Bildungsarbeit (Kardinal- König-Haus/Wien, Haus Manresa/Linz und Haus der Einkehr/St. Andrä im Lavanttal), die Arbeit an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck und in der Priesterbildung im "Canisianum" sowie verschiedene pastorale und soziale Tätigkeiten in Wien, Linz, Steyr und Graz (neu seit September 2007). Darüber hinaus arbeiten österreichische Jesuiten in Rom, Deutschland, Rumänien und auf Taiwan. (Informationen: P. Thomas Neulinger SJ, Tel. 0676/733.61.55, Internet: www.jesuiten.at).
