Leben in Würde bis zuletzt, darf keine Geldfrage sein
Wien, 19.3.08 (KAP) Die Caritas fordert mehr Tempo beim Ausbau von Palliativ- und Hospizbetreuungseinrichtungen in Österreich und nimmt die politisch Verantwortlichen in die Pflicht: "Wir fordern österreichweit einen klaren Aufbau- und Ausbauplan für die Hospiz- und Palliativversorgung im mobilen, teilstationären und stationären Bereich". Dies betonte der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien. Weiters brauche es auch eine gesicherte Finanzierung in diesen Bereichen. Denn es dürfe keine Frage des Geldes sein, "ob sich jemand ein Leben in Würde bis zuletzt leisten kann".
Mangel an stationären Hospizbetten
Wie Landau weiter sagte, bestehe bei stationären Hospizbetten in Österreich nach wie vor akuter Mangel. Derzeit gebe es nur 42 solcher Betten, obwohl der Bedarf etwa viermal so hoch wäre. "Wir appellieren daher dringend: Die Finanzierung von Hospizbetten muss über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens bundesweit gesichert werden", betonte Landau.
Der Caritasdirektor ortete auch Mängel bei der Umsetzung der Familien-Hospizkarenz. Die bisherige Inanspruchnahme zeige, "dass hier mehr für die finanzielle Absicherung der Betreuenden getan werden muss". Im Jahr 2005 hätten beispielsweise gerade einmal 172 Personen über den Härteausgleich für die Familien-Hospizkarenz eine Zuwendung erhalten. Die Verankerung eines Rechtsanspruchs auf existenzielle Absicherung für die Zeit der Familien-Hospizkarenz sei notwendig. Sonst sei es für viele Menschen schlicht unleistbar, sich um sterbende Angehörige oder schwerstkranke Kinder zu kümmern. Eine solche finanzielle Absicherung sollte sich in einer Höhe von rund 900 Euro bewegen, sagte Landau auf Anfrage.
Bewusstsein für Dringlichkeit fehle
Kritisch merkte der Wiener Caritasdirektor an, dass er derzeit das Bewusstsein für die Dringlichkeit dieser Forderungen bei den politisch Verantwortlichen schmerzlich vermisse.
Die Caritas der Erzdiözese Wien hat 2007 im Rahmen ihres mobilen Hospiz-Dienstes erstmals mehr als 1.500 Patienten begleitet. 240 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Bereich der Erzdiözese Wien Tag für Tag unterwegs, mehr als 900 sind es österreichweit.
"Hospizbegleitung bedeutet, schwer und unheilbar kranke Menschen und ihre Angehörigen zuhause in vertrauter Umgebung bis zuletzt zu begleiten", so Bettina Schörgenhofer, Leiterin des Mobilen Caritas Hospiz, bei der Pressekonferenz. Die Angehörigen würden über den Tod ihrer Lieben hinaus in der schweren Zeit der Trauer ins Leben zurück begleitet.
Wichtige Faktoren Beziehung und Sicherheit
Wichtig in der Arbeit mit schwer und unheilbar kranken Menschen und deren Angehörigen seien Beziehung, Sachkenntnis und Sicherheit, so Schörghofer. Es gelte Vertrauen zu den Patienten zu entwickeln und das brauche Zeit. Sachkenntnis bedeute hohe fachliche Kompetenz, um die medizinischen, pflegerischen, seelischen und sozialen Nöte der Patienten in den Griff zu bekommen. Schließlich bräuchten die Patienten, die zu Hause betreut werden, auch die Sicherheit, jederzeit einen Arzt erreichen zu können.
Kontaktstelle für Hinterbliebene
Über den Hospizdienst hinaus hat die Caritas auch ein spezielles Angebot für die hinterbliebenen Angehörigen ins Leben gerufen: die "Kontaktstelle Trauer". "Die Menschen wollen mit ihrer Trauer nicht allein gelassen werden in einer Gesellschaft, in der Tod und Trauer Tabus sind, so Poli Zach-Sofaly von der "Kontaktstelle Trauer" bei der Pressekonferenz.
Die "Kontaktstelle" sei sowohl Anlaufstelle für Trauernde, als auch Ausbildungsstelle für Trauerbegleiter. 45 Personen aus verschiedenen Pfarren der Erzdiözese Wien haben die Ausbildung zum Trauerbegleiter bisher absolviert, im Herbst startet der vierte Lehrgang. Trauer halte letztlich ein Leben lang an, so Poli Zach-Sofaly, doch man könne lernen, damit umzugehen und mit der Trauer zu leben.
Hilfsangebot für Kinder
Neu ist auch das Caritas-Angebot "Kindertrauer", denn Kinder würden anders trauern als Erwachsene und bräuchten deshalb auch eine besondere Begleitung und Unterstützung, so Zach-Sofaly. Das Angebot der "Kindertrauer" richtet sich einerseits an Pädagogen, etwa beim Tod eines Mitschülers, aber auch an Familien mit Kindern, die ein Mitglied verloren haben. (Informationen: Kontaktstelle Trauer der Caritas der Erzdiözese Wien, Tel.: 515.52/36.78; Mobiles Hospiz der Caritas der Erzdiözese Wien, Tel.: 865.28.60).