"Ohne Feier der Eucharistie schaffen wir es nicht"
Wien-Graz, 20.3.08 (KAP) Die zentrale Bedeutung der Eucharistiefeier betonte Kardinal Christoph Schönborn bei der Chrisam-Messe im Wiener Stephansdom. Der Wiener Erzbischof erinnerte an das von Papst Benedikt XVI. im Stephansdom zitierte Wort der frühchristlichen Märtyrer von Abitene im heutigen Tunesien: "Sine dominico non possumus" (frei übersetzt: Ohne Tag des Herrn, ohne Feier der Eucharistie schaffen wir es nicht). Die Messe sei für die Christen die "Tankstelle" für Lebenskraft und Friedenskraft. Bei allen kirchlichen Strukturüberlegungen gehe es daher darum, der Eucharistiefeier Priorität zu geben, "auch dort, wo es nicht leicht ist, die Eucharistiefeier zu haben".
Kardinal Schönborn, der die Chrisam-Messe in Konzelebration mit den beiden Weihbischöfen Helmut Krätzl und Franz Scharl sowie zahlreichen Priestern aus allen Teilen der Erzdiözese feierte, betonte in seiner Predigt, dass in Wien in Strukturfragen bewusst "langsam vorgegangen" werde. Wörtlich sagte der Wiener Erzbischof: "Wir machen das viel behutsamer als in Deutschland oder Frankreich" (in beiden Ländern wurde in vielen Diözesen die Zahl der Pfarrgemeinden radikal reduziert). Das Pfarrprinzip dürfe nicht in Frage gestellt werden, aber es gehe darum, möglichst viele Gläubige nicht ohne die sonntägliche Eucharistiefeier zu lassen. Alle Überlegungen müssten die Eucharistie in die Mitte stellen, als "Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens" in der Formulierung des Zweiten Vatikanischen Konzils, aber auch als "Quelle der Evangelisation, der Verkündigung des Evangeliums".
Bischof Egon Kapellari: Plädoyer gegen die Resignation
Ein Plädoyer gegen die Gefahr von Resignation, "der heute besonders auch die Priester ausgesetzt sind", hielt der steirische Bischof Egon Kapellari bei der Chrisam-Messe am Mittwochabend im Grazer Dom. Resignation drohe sich "wie ein Bodennebel auf das Gemüt einzelner zu legen und viele andere anzustecken", so Bischof Kapellari in seiner Predigt. "Diesen Nebel spalten" könne vor allem die Bindung an Jesus Christus und auch an Maria, das Urbild der Kirche. Aus dieser Hinwendung könne den Priestern und der ganzen Diözese immer neu Kraft zukommen "inmitten von viel Gottvergessenheit und religiöser Gleichgültigkeit: Kraft zur Hoffnung, zur Barmherzigkeit".
Wichtig sei auch eine Besinnung auf die Weltkirche im Ganzen, "die ein unsinkbares Schiff ist". In ihr gebe es "blühende Zonen" wie auch Ortskirchen, "die in der Verfolgung tapfer ausharren". Positiv könne auch ein Blick auf die Bemühungen in der Diözese stimmen, sich "von der kleineren Zahl von Priestern und der Notwendigkeit zu pastoralen Veränderungen nicht lähmen" zu lassen. Bischof Kapellari erinnerte daran, dass in der Steiermark 500 Priester, 66 ständige Diakone, 150 Pastoralassistentinnen und -assistenten, 1.000 Religionslehrerinnen und -lehrer, geistliche Orden, laienapostolische Gemeinschaften und Tausende ehrenamtlich in der Kirche tätige Frauen, Männer und Jugendliche aktiv sind. Es gebe 30 Alumnen im Priesterseminar und 20 Welt- und Ordenspriester, die in den letzten beiden Jahren "zusätzlich in die Diözese Graz-Seckau gekommen sind".
Die gegenwärtige Situation in Gesellschaft und Kirche Österreichs sei im Weltvergleich "nicht einmal von ferne so problematisch wie in vielen anderen Ländern". Kapellari verwies auf den Irak, wo Christen wie jüngst der von Terroristen entführte chaldäische Erzbischof von Mossul "wie in den Anfängen der Kirche das Martyrium erleiden" Aber das Martyrium erweise sich immer wieder als die "stärkste Kraft einer missionarischen Kirche". Auch in Österreich sei in den Jahren 1938 bis 1945 das Blut der Märtyrer vergossen worden, besonders das von Priestern und Ordensfrauen. Am 12. März habe er in der Grazer Stadtpfarrkirche "stellvertretend für viele andere" an Pfarrer Otto Neururer, Schwester Restituta Kafka, Pfarrer Heinrich Dalla Rosa und Generalvikar Carl Lampert erinnert.
Die Gegenwart sei in Österreich in Gesellschaft und Kirche weitaus weniger dramatisch, "aber sie ist unsere Zeit und wir haben uns darin zu engagieren, wenn wir unsere Berufung als Menschen und Christen ernst nehmen wollen". Jede Generation habe ihre Chancen, ihre Freuden und ihre Leiden. Wörtlich sagte Bischöf Kapellari: "Wir wissen auch um Defizite und Wunden in Gesellschaft und Kirche und sollen das nicht kleinreden. Ein genereller Pessimismus wäre aber ein grobes Unrecht gegenüber so vielem Guten, das in Treue und oft auch mit Enthusiasmus getan wird und Früchte trägt". Es gebe viele Ressourcen ökonomischer, aber auch spiritueller Art, die es verantwortungsvoll einzusetzen gelte. "Ungemein viel Gutes gelingt auch heute in Gesellschaft und Kirche und wir sollten dafür dankbar sein", betonte Bischof Kapellari.
"Lebenszeichen aus der Mitte"
Der Blick in die weltkirchliche Weite zeige "Lebenszeichen aus der Mitte der Kirche, die auch die Peripherie sehr beeinflussen". Der steirische Bischof erinnerte insbesondere daran, dass Papst Benedikt XVI. einen "mehrdimensionalen Dialog mit globalen Perspektiven" begonnen habe - sowohl mit der Moderne und Postmoderne der westlichen Gesellschaft als auch mit dem Islam. Sowohl bezogen auf die Moderne als auch auf den Islam habe der Papst die Frage der Beziehung zwischen Glaube und Vernunft radikal neu gestellt "und zu einer Dynamik entfaltet, die sich weiter entwickeln wird".
Bischof Klaus Küng: "echter Neuanfang nötig"
Die Ursache für die aktuell schwierige Situation der Kirche liegt nicht in Strukturfragen, sondern im Säkularismus. Deshalb sei ein "echter Neuanfang nötig", getragen von "Menschen, die tief in Gott verwurzelt sind", erklärte der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng am Mittwoch im Dom der niederösterreichischen Landeshauptstadt bei der Chrisam-Messe.
"Viele wollen die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt verändern", sagte Küng, doch die Kirchenkrise "liegt nicht an der Zahl Priester", sondern tiefer, in den Lebenssituationen der Menschen". Papst Benedikt XVI. habe vor dem Säkularismus gewarnt und dem "Hochmut der Vernunft", der dazu führe, dass viele so leben, "als ob es Gott nicht gäbe". Auch innerhalb der Kirche zeige sich Säkularismus und eine Haltung der Selbstgenügsamkeit. Die Folge davon sei "geistliche Verkümmerung - auch in unserer Diözese, bei Jung und Alt", bedauerte Bischof Küng.
Nach den Worten des Bischofs ist ein Punkt erreicht, an dem "ein echter Neuanfang nötig" ist. Küng erinnert seine Priester an ein Wort des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger bei der Wahl von Johannes Pauls II. im Jahr 1978: Der Papst müsse "vor allem ein Mann Gottes" sein - und das gelte auch für die Priester von heute und von morgen, betonte Küng.
"Von Gott kommt die Kraft", daher müssten die Priester "genug Zeit für das Gebet reservieren" und "die Eucharistie ohne Eile feiern". Bischof Küng erinnerte die Priester der Diözese auch daran, "das Evangelium von Jesus Christus so zu verkünden, wie es der Lehre der Kirche entspricht", ohne Abstriche zu machen.
Bischof Ludwig Schwarz betont Wandel
Der oberösterreichische Diözesanbischof Ludwig Schwarz betonte bei der Chrisam-Messe im Linzer Mariendom die Verbundenheit des Bischofs mit dem Priestern und Diakonen der Diözese. Wörtlich sagte Schwarz in seiner Predigt: "Wir Priester und Diakone bemühen uns, dem Herrn und den Menschen zu dienen und ein Leben in der Nachfolge Christi zu gestalten".
In der Kirche und Gesellschaft habe sich vieles gewandelt, es gebe einen merklichen Rückgang der geistlichen Berufe. Die Säkularisierung der Gesellschaft bringe manches Gute, führe aber auch zu einer Verflachung des Glaubens. Andererseits gebe es seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil einen großen Aufbruch unter den Laien, die sich durch Taufe und Firmung zur Verbreitung der Frohen Botschaft berufen fühlen, so Schwarz.
Der Bischof unterstrich die Notwendigkeit einer Vertiefung des Glaubens. "Gottes Geist wirkt heute, teilen wir den Glauben mit anderen", sagte Schwarz.
