Papst: angenagelten Arme Christi offen für alle
Rom, 21.3.08 (KAP) Das Kreuz hat alle Menschen zu Brüdern und Schwestern gemacht, betonte Papst Benedikt XVI. am Abend des Karfreitags in seinen Schlusswort beim Kreuzweg am Kolosseum, der über "Mondovision" von mehr als 50 TV-Stationen weltweit übertragen wurde. Für Christus gebe es keinen Unterschied von "Rassen" oder Kulturen, so der Papst in seinem Schlusswort bei der Kreuzwegprozession, die um 21.15 Uhr begonnen hatte. Christus sei gestorben, um "die ganze Menschheit von der Unkenntnis Gottes, vom Kreislauf des Hasses und der Rache, von der Sklaverei der Sünde" zu befreien. An dem Kreuzweg, dessen Meditationstexte der Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, entworfen hatte, beteiligten sich bei strömendem Regen und eisigen Temperaturen Zehntausende Menschen.
Erstmals begleitete Benedikt XVI. die Prozession nicht in voller Länge, sondern erwartete sie in einem Zeltpavillon auf dem Palatin-Hügel. Zur Begründung hieß es im Vatikan, der Papst wolle die Aufmerksamkeit nicht auf seine Person lenken. Zudem wolle der 80-jährige angesichts der anstrengenden Osterliturgien seine Kräfte schonen. Entgegen dem vorgesehenen Programm trat Benedikt XVI. auch bei den letzten drei Stationen des Kreuzwegs nicht an die Spitze der Prozession.
Die angenagelten Arme Christi seien "offen für alle Menschen"
Das Kreuz sei "Quelle unsterblichen Lebens, Schule der Gerechtigkeit und des Friedens, universaler Schatz der Vergebung und der Barmherzigkeit", unterstrich der Papst. Eine "unendliche Liebe" habe Gott veranlasst, ein "verletzlicher Mensch" bis hin zum Tod am Kreuz zu werden. Die angenagelten Arme Christi seien "offen für alle Menschen".
Bei der ersten Station des Kreuzwegs - der in der katholischen Tradition 14 Stationen umfasst - führte der römische Kardinal-Vikar Camillo Ruini den Kreuzweg an. Danach trugen eine Ordensfrau aus der westafrikanischen Republik Burkina Faso, eine römische Familie, eine Frau im Rollstuhl, Franziskaner aus dem Heiligen Land und eine junge chinesische Katholikin für jeweils zwei Stationen das schlichte Holzkreuz. Entgegen dem vorgesehenen Programm trat Benedikt XVI. auch bei den letzten drei Stationen nicht an die Spitze der Prozession; stattdessen übernahm wieder Kardinal Ruini die Leitung.
Erinnerung an Märtyrer des frühen Christentums
Der Kreuzweg am Kolosseum am Karfreitagabend bei Fackelschein erinnert alljährlich daran, dass an diesem Ort inden ersten drei Jahrhunderten des frühen Christentums unzählige Märtyrer hingemetzelt wurden.
Die Meditationen zu den 14 Stationen des Leidensweges Christi stammten in diesem Jahr vom Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun. Der chinesische Kardinal wollte ausdrücklich keinen Bezug auf aktuelle politische Vorgänge nehmen. Ohne China beim Namen zu nennen, schrieb der Kardinal in seinen Meditationen von einer "finsteren Stunde der Verfolgung" für Christen in vielen Teilen der Welt. In den Formulierungen ging es ausdrücklich auch um die Religionsfreiheit. "Erleuchte das Gewissen der Menschen in Machtpositionen, damit sie die Schuldlosigkeit deiner Jünger erkennen. Gib ihnen den Mut, die Religionsfreiheit zu respektieren", lautete eine Bitte. Außerdem beteten die Gläubigen für die unterdrückten Christen um Ausdauer und Bekennermut.
Der Kreuzweg des Papstes sollte nach den Worten von Kardinal Joseph Zen Ze-kiun "die Stimme der Kirche in China" zu Gehör bringen. Das symbolische Mitgehen mit Jesus auf seinem Leidensweg bekunde die Nähe zu den chinesischen Christen, erklärte Zen in einem Interview mit dem "Osservatore Romano". Als Bischof von Hongkong fühle er sich als Teil der "freien Weltkirche" und zugleich eng mit den "leidenden Brüdern" in der Volksrepublik China verbunden.
"In China gibt es viele, die für ihren Glauben zu leiden haben"
Im Gespräch mit "Radio Vatikan" sagte Kardinal Zen: "Als ich eingeladen wurde, die Meditationen zu schreiben, habe ich verstanden, dass der Papst die Stimme Chinas zum Kolosseum bringen wollte. Die Vergegenwärtigung der Passion Jesu Christi hat natürlich einen klaren Bezug zum zahlreichen Leid in der Kirche; und in China gibt es viele, die für ihren Glauben zu leiden haben. Das passt also gut zusammen, denn auch heute noch leidet der Herr in seinem mystischen Leib mit".
Der Kreuzweg sei aber auch eine Einladung, einfache Schwarz-Weiß-Vorstellungen zu überwinden, so Kardinal Zen: "Wenn man von Verfolgungen spricht, denkt man an die Verfolgten und an die Verfolger. Wir sind unter den Verfolgten, aber manchmal stehen wir auch unter den Verfolgern, weil wir Sünder sind. Daher müssen wir also unseren Geist weiten und für alle beten: Für diejenigen, die für den Glauben leiden, und für diejenigen, die andere verfolgen".
Optimismus für Chinas Kirche
Der Kardinal zeigte sich insgesamt optimistisch, was die Zukunft der katholischen Kirche in China angeht: "Wir haben in Hongkong eine sehr vorteilhafte Beobachter-Position. Leider scheint es so zu sein, dass das Negative das Positive derzeit noch überwiegt. Wir als Gläubige sind aber unbändige Optimisten, daher schauen wir auf das Gute. Wir hoffen wirklich, dass all die Geschehnisse in der Welt zu einer neuen Sicht beitragen, so dass unsere Regierung einsieht, dass Religionsfreiheit, auch für die katholische Kirche, nicht schadet, im Gegenteil: Für unser Vaterland ist sie von Vorteil".