Sieben Erwachsene in Osternacht vom Papst getauft
Vatikanstadt, 23.3.08 (KAP) Die Gemeinschaft aller Christen über jede räumliche, kulturelle und soziale Distanz hinweg hat Papst Benedikt XVI. im Petersdom beim feierlichen Auferstehungsgottesdienst in der Osternacht betont. "Getaufte gläubige Menschen sind nie wirklich fremd füreinander", sagte Benedikt XVI.: "Uns verbindet Christus als unsere tiefste Identität". Der christliche Glaube sei deshalb "eine Kraft des Friedens und der Versöhnung in der Welt".
Christus führe die Menschen "durch das oft so dunkle Meer der Geschichte, in dessen Verwirrungen und Gefährdungen wir oft zu versinken drohen". In der Taufe nehme Christus den Menschen gleichsam an der Hand und leite ihn "durch das Rote Meer dieser Zeit" ins bleibende Leben, das "wirkliche Leben".
Benedikt XVI. rief alle Getauften auf, sich erneut Christus als dem "wahren Licht" zuzuwenden. "Das Dunkel kann zeitweise bequem erscheinen. Ich kann mich verstecken und kann mein Leben verschlafen", warnte der Papst. Nötig sei aber, gegen die innere Schwerkraft "zu Kindern des Lichtes" zu werden. Christus habe das Licht gebracht "und nun wissen wir, wer Gott ist und wie Gott ist. Wir wissen auch, was es um den Menschen ist; was wir sind und wozu wir sind". In der Tauferneuerung werde gleichsam Jahr um Jahr das Licht neu angezündet: "Ich glaube daran, dass die Welt und mein Leben nicht aus dem Zufall stammen, sondern aus der ewigen Vernunft und aus der ewigen Liebe".
Im Petersdom hatten sich Tausende Gläubige versammelt, an der Spitze 30 Kardinäle, zahlreiche Bischöfe und Priester. Die mehrstündige Liturgie war der religiöse Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten im Vatikan.
Zu Beginn des Gottesdienstes entzündete Benedikt XVI. in der Vorhalle der Basilika die Osterkerze. In diesem Jahr war sie mit dem Symbol der Friedenstaube geschmückt. Die Kerzenflamme, die anschließend in einer Prozession in die dunkle Basilika getragen und an die Gläubigen weitergereicht wurde, versinnbildlichte den Sieg über den Tod durch Christus.
Großes Aufsehen um Taufe Allams
Im Lauf des Gottesdienstes taufte Benedikt XVI. sieben Erwachsene und nahm sie so in die katholische Kirche auf. Die fünf Frauen und zweiMänner kamen aus Italien, Ägypten, Kamerun, China, den USA und Peru. Unter ihnen war der in Ägypten geborene italienische Publizist Magdi Allam. Der aus einer muslimischen Familie in Kairo stammende stellvertretende Chefredakteur des "Corriere della Sera" nahm den Taufnamen Cristiano an. Als Pate begleitete ihn der Abgeordnete Maurizio Lupi. Der vatikanische Pressesaal hatte die Taufe Allams kurz vor dem Gottesdienst bekanntgegeben. Zugleich betonte Vatikan-Sprecher P. Federico Lombardi SJ, in der katholischen Kirche könne jeder nach einer "vertieften persönlichen Suche, einer völlig freien Entscheidung und einer entsprechenden Vorbereitung" um die Taufe bitten. In jeder Osternacht würden im Petersdom - wie es der christlichen Tradition entspricht - Erwachsene getauft; der Papst mache dabei "keinen Unterschied der Person", sondern betrachte alle als "gleich wichtig" angesichts der Liebe Gottes.
Begleitet von festlichen Gesängen taufte der Papst die sieben Kandidaten. Anschließend empfingen sie aus der Hand ihrer Patinnen und Paten einen weißen Schleier als Zeichen des neuen Lebens in Christus und die Taufkerze, die am Osterlicht entzündet worden war. Anschließend wurden die neugetauften Christen gefirmt.
Die Taufe des 55-jährigen Journalisten Magdi Allam hat in Italien großes Aufsehen ausgelöst. Allam war bereits als Kind mit dem katholischen Glauben und der italienischen Kultur in Berührung gekommen, als er in Kairo eine italienische Ordensschule besuchte. Nach einem Soziologie-Studium an der römischen Universität "La Sapienza" erwarb er 1986 die italienische Staatsbürgerschaft.
Als Journalist analysiert Allam in erster Linie die Beziehungen zwischen westlicher und islamischer Welt. Auf Grund seiner profunden Kenntnisse spricht der "Corriere"-Vizechefredakteur - der nicht wie andere westliche Journalisten auf englische Übersetzungen angewiesen ist - oft präzise Warnungen vor Fehlentwicklungen sowohl in islamisch dominierten Ländern als auch in der islamischen Emigration in Europa aus.
Magdi Cristiano Allam ist einer der besten westlichen journalistischen Kenner des islamischen Raums. Zu seinen Zentralthemen gehören Islam, Terrorismus, Immigration, Nord-Süd-Verhältnis. Allam führte immer wieder den Nachweis für Verbindungen zwischen islamischen Vereinigungen und terroristischen Gruppierungen. Am 4. Juli des Vorjahrs veranstaltete er auf der römischen Piazza Santi Apostoli eine große Kundgebung für die Christen in den islamisch dominierten Staaten. In seinen Büchern bedauert Allam das mangelnde Selbstbewusstsein des "Westens" gegenüber der neoislamischen Bewegung und die fehlende Solidarität der westlichen Christen für ihre Glaubensgeschwister im islamisch dominierten Raum. Der "Corriere"-Vizechefredakteur hatte immer betont, dass er kein "praktizierender Muslim" sei und weder die fünf Gebetszeiten am Tag noch den Fastenmonat Ramadan oder die Verpflichtung zur Wallfahrt nach Mekka einhalte.
Die Taufe Allams hat in islamischen Kreisen großes Aufsehen ausgelöst. Der Vizepräsident der italienischen "Coreis" (die allerdings längst nicht alle in Italien lebenden Muslime repräsentiert), Yahya Sergio Pallavicini, äußerte "Respekt" für die Entscheidung Allams, zeigte sich jedoch "überrascht", dass Papst Benedikt XVI. persönlich die Taufe vornahm. Der "Coreis"-Vizepräsident ist der Sohn von Abd-al-Wahid Pallavicini, der bereits 1951 zum Islam konvertiert war, allerdings zur mystischen Strömung der Sufi-Bruderschaften, die etwa vom saudiarabischen Regime mit drastischen Methoden abgelehnt und verfolgt wird. Abd-al-Wahid Pallavicini zählte 1986 zu den Teilnehmern des von Johannes Paul II. nach Assisi einberufenen Friedensgebets der Weltreligionen. Yahya Pallavicini äußert sich immer wieder kritisch zu islamischen Fehlentwicklungen: So prangerte er eine "Fatwa" (Rechtsgutachten) des einflussreichen islamischen TV-Predigers Yousef al-Qaradawi an, der jeglichen islamisch-jüdischen Dialog untersagt hatte und ebenso die "Fatwa" der Al-Azhar, durch die der für 23. Jänner vorgesehenene erste offizielle Besuch von Repräsentanten der großen Moschee von Rom in der römischen Hauptsynagoge zu Fall gebracht wurde.
Allam selbst legte im "Corriere" in einem umfangreichen Beitrag die Gründe seiner Konversion dar. Den Übertritt zur katholischen Kirche nannte er eine "radikale und endgültige Wende" gegenüber seiner Vergangenheit sowie eine Absage an den Islam. Er fühle sich befreit "von den Schatten einer Predigt, in der Hass und Intoleranz gegenüber dem 'Anderen' Vorrang haben vor der Liebe und dem Respekt vor dem Nächsten", schrieb Allam.
Weiter machte Allam anhaltende Drohungen islamischer Extremisten für seine Entscheidung geltend. Seit fünf Jahren lebe er unter Polizeischutz. Er habe sich gefragt, wie es sein könne, dass er als überzeugter Verfechter eines gemäßigten Islam und Kritiker eines islamischen Extremismus und Terrorismus "im Namen des Islam zum Tode verurteilt" worden sei.
Der Sprecher des italienischen Islam-Verbands UCOII, Izzedin El Zir, kommentierte in der Tageszeitung "Il Giornale" die Taufe des "Corriere"-Vize mit den Worten, Allam sei "frei, seine persönliche Entscheidung zu treffen". "Wichtig ist, dass jeder seine Religiosität auf friedliche Weise und in Respekt vor den anderen Religionen lebt", sagte El Zir. Auf kritische Äußerungen Allams über die UCOII angesprochen, entgegnete der Verbandsvertreter, man akzeptiere "die Kritik, nicht die Lügen"