Russisch-orthodoxes Kirchenoberhaupt kommt nach Wien
Wien-Moskau, 26.3.08 (KAP) Der Moskauer Patriarch Aleksij II. wird im Dezember nach Wien kommen, um die renovierte russisch-orthodoxe St. Nikolauskathedrale in der Jauresgasse neu zu weihen. Aleksij II. wird sich von 20. bis 23. Dezember in Wien aufhalten, die Weihe der Kathedrale erfolgt am Sonntag, 21. Dezember.
Mit der Restaurierung der Kathedrale, einem der eindrucksvollsten russisch-orthodoxen Gotteshäuser im Ausland, war im Herbst 2003 begonnen worden. Die Restaurierungsarbeiten werden vom Dombaumeister von St. Stephan, Architekt Wolfgang Zehetner, geleitet. Im Zug der Restaurierung wird die Kathedrale auch mit eindrucksvollen Fresken ausgestattet.
Die Tradition der russisch-orthodoxen Gemeinde in Wien geht auf das frühe 18. Jahrhundert zurück. Lange Zeit gab es nur eine bescheidene Kapelle im Bereich der russischen Botschaft. 1885 wurde Erzpriester Aleksander Nikolajewskij aus dem estnischen Rewal zum russischen Pfarrer in Wien ernannt, er verwirklichte den Bau der russisch-orthodoxen Kathedrale. Er machte sich mit großem Eifer an die Sammlung von Spenden. Die aufgebrachte Summe erwies sich aber als unzureichend. Daraufhin sandte der damalige russische Botschafter A. B. Lobanow-Rostowskij ein Bittgesuch nach St. Petersburg und erhielt eine Anweisung von 400.000 Rubeln für den Kirchenbau.
Für den Bau der Kathedrale stellte die russische Botschaft Baugrund in ihrem ausgedehnten Garten zur Verfügung. Die Bauarbeiten wurden nach dem Entwurf des Akademiemitglieds Grigorij Kotow unter der Leitung des italienischen Architekten Luigi Giacomelli durchgeführt und im Jahre 1899 beendet.
Die Weihe der Kathedrale wurde im April 1899 durch den damaligen Erzbischof von Chelm und Warschau, Ieronim, vorgenommen. Der russische Erzbischof wurde auch von Kaiser Franz Joseph empfangen. Der Synodalchor, der an der Weihe der Kathedrale teilgenommen hatte, gab im Wiener Konservatorium ein geistliches Konzert, das großen Eindruck auf die österreichischen Musikliebhaber machte.
Im Jahre 1914 wurde die Kathedrale wegen des Ersten Weltkrieges geschlossen - und blieb es bis 1945. Nach der Befreiung Wiens durch sowjetische Truppen wurden in der Kathedrale die Gottesdienste wieder aufgenommen. Die 1948 geweihte größte Glocke der Kirche war ein Geschenk der Roten Armee.
