Kirchliche Solidarität mit Tibet
Wien, 31.3.08 (KAP) Zur Solidarität mit dem tibetischen Volk haben am Montag Vertreter der Zivilgesellschaft und der Kirchen in Wien aufgerufen. Am Montagvormittag überreichten Vertreter der Österreichischen Gesellschaft für das Tibetische Volk "Save Tibet" und der "Tibetergemeinschaft Österreich" (TGÖ) Bundeskanzler Alfred Gusenbauer anlässlich des "Globalen Aktionstages für Tibet" ein Memorandum sowie über 6.000 Unterschriften. In dem Memorandum wird die österreichische Bundesregierung u.a. vor dem Hintergrund der jüngsten Unruhen in der Autonomen Region Tibet und den benachbarten chinesischen Provinzen ersucht, die Regierung in Peking zu einem Ende der Gewalt aufzufordern. Die TGÖ-Präsidentin Tseten Zöchbauer sprach bei einer anschließenden Pressekonferenz von "Gewalt, Folter und Diskriminierung", die das tibetische Volk zu erleiden habe. Man sei der Willkür der chinesischen Behörden schutzlos ausgeliefert.
Rektor Msgr. Petrus Bsteh von der kirchlichen "Kontaktstelle für Weltreligionen" strich die kulturell-religiöse Dimension Tibets hervor. Religiöse Tradition schaffe Authentizität eines Volkes, meinte Bsteh. China habe wohl auch schon erkannt, welchen Schaden die Kulturrevolution durch die Vernichtung des religiösen und kulturellen Erbes der Landes angerichtet habe. Die Bewahrung und Pflege der kulturellen Tradition Tibets sei deshalb auch im Eigeninteresse Chinas, "denn sonst steht der Koloss auf tönernen Füßen". Der Leiter der Kontaktstelle für Weltreligionen betonte, dass sich viele Katholiken für das Anliegen des tibetischen Volkes einsetzen.
Tseten Samdup, Repräsentant des Dalai Lama in Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Benelux-Staaten, beklagte die mangelnde medizinische Versorgung der vielen verwundeten Demonstranten in Tibet, die Belagerung der Klöster durch die chinesischen Sicherheitsorgane und die Einschränkung der Berichterstattungsfreiheit. Gerade auch im Hinblick auf die kommenden Olympischen Spiele in Peking müsse massiver internationaler Druck auf China ausgeübt werden, damit sich die Menschenrechtslage verbessert.
Nach Angaben von "Save Tibet" und TGÖ wurde den drei größten Klöstern rund um Lhasa die Wasser- und Nahrungsversorgung abgeschnitten. Seit dem Beginn der Demonstrationen am 10. März seien rund 140 Bewohner Tibets ums Leben gekommen (wobei aber umstritten ist, welcher Volksgruppe die einzelnen Toten angehörten); mehr als 1.000 wurden festgenommen.
Lobsang Gyalop von "Save Tibet" verwies in diesem Zusammenhang auf die Forderung, dass die olympische Fackel, die in den nächsten Wochen durch China tourt, nicht nach Tibet gebracht werden dürfe. Auch sollten westliche Repräsentaten die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele boykottieren. Der Aufstand der Tibeter sei ein "Schrei der Hoffnungslosigkeit eines sterbenden Volkes". Schon jetzt würden in Tibet mehr Han-Chinesen als Tibeter leben.
TGÖ-Präsidentin Zöchbauer zeigte sich trotz des Empfangs bei Bundeskanzler Gusenbauer von den bisherigen Aktivitäten der österreichischen Politik enttäuscht und betonte zugleich, dass sie große Hoffnung in die Kirche setze. Der katholische Publizist und langjährige persönliche Freund des Dalai Lama, Prof. Heinz Nussbauemer, erinnerte in diesem Zusammenhang beispielsweise an die guten Beziehungen, die Kardinal Franz König mit dem Dalai Lama schon in den frühen siebziger Jahren pflegte.
China müsse einsehen, so Nussbaumer weiter, dass die Zeit der Gesprächsverweigerung vorbei ist. Der Dalai Lama müsse als versöhnlicher, maßvoller und vor allem zum Gewaltverzicht bereiter Verhandlungspartner akzeptiert werden.(