Salzburger Theologe berät Päpstlichen Einheits-Rat
Salzburg-Vatikanstadt, 1.4.08 (Katholisch.at) Der Salzburger Kirchenhistoriker und Bibelwissenschaftler Prof. Dietmar Winkler ist zum Konsultor des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen ernannt worden. Wie Winkler im Gespräch mit "Kathpress" berichtete, sei er durch einen persönlichen Brief von Kardinal Walter Kasper, dem Vorsitzenden des Rates, darüber informiert worden. Die Ernennung sei für ihn "völlig überraschend" gekommen, so Winkler, er verstehe sie daher als "Akt der Anerkennung" seiner bisherigen Arbeit im ökumenischen Dialog.
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Seit 2004 ist Winkler als einziger Laientheologe Mitglied der offiziellen Dialogkommission der katholischen Kirche und der altorientalischen Kirchen (die sich nach dem Konzil von Chalcedon - heute: Kadiköy - im Jahr 451 von der allgemeinen Kirche getrennt hatten). Die auf fünf Jahre verliehene Funktion des Konsultors hebt Winkler nun in den Rang eines direkten theologischen Beraters bei den jährlichen Treffen des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen.
Gemeinsames Dokument zum Kirchenverständnis
Winkler äußerte sich im Gespräch mit "Kathpress" optimistisch über den derzeitigen Stand des Dialogs zwischen der katholischen Kirche und den altorientalischen Kirchen. So sei beim letzten Treffen der Dialogkommission Ende Jänner in Damaskus bereits ein gemeinsames 15-seitiges Dokument zum Kirchenverständnis vorbereitet worden, dass nach einer Überarbeitungsphase "hoffentlich im kommenden Jahr verabschiedet werden kann", so Winkler.
Inhaltlich stellt das Dokument insofern einen Fortschritt im ökumenischen Dialog dar, als es laut Winkler "das erste wirklich gemeinsame Papier zum Kirchenverständnis" bedeutet. Bisherige Papiere dieser Art seien stets bilaterale Papiere gewesen. Nun habe man erstmals mit allen am Dialog beteiligten Kirchen ein Papier erarbeitet. Aus dem Papier gehe deutlich hervor, so Winkler, dass es "wesentlich größere Gemeinsamkeiten im Kirchenverständnis gibt als bislang angenommen". Bei der Frage des apostolischen Ursprungs der Kirche, der hierarchischen Struktur sowie der Aufgabe der Kirche in der Welt gebe es weitreichenden Konsens. "Freilich spießt es sich letztlich immer wieder bei der Frage des Petrusamtes bzw. der Form seiner Ausübung", so der Salzburger Theologe. Dieses Thema sei daher auch weiterhin bei den Dialogtreffen zu besprechen.
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Man müsse jedoch sehen, was an Kirchengemeinschaft bereits festgestellt und möglich ist, so Winkler. So gebe es etwa ein vatikanisches Abkommen mit der syrisch-orthodoxen Kirche aus dem Jahr 1984, demzufolge die beiden Kirchen einander gegenseitige Kommuniongemeinschaft in pastoralen Notsituationen gewähren und auch bei der theologischen Ausbildung weitreichende gegenseitige Zugeständnisse machen. Oftmals seien solche bestehenden Übereinkünfte jedoch gar nicht mehr im Bewusstsein der Dialogpartner, so Winkler. Dabei könnten diese Abkommen "den Weg im weiteren Dialog weisen und dazu ermutigen, nicht im Bemühen um größere Gemeinschaft nachzulassen".
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Das letzte Treffen der Dialogkommission vom 27. Jänner bis 2. Februar in Damaskus stand unter der Leitung von Kardinal Walter Kasper und des Generalsekretärs des Heiligen Synods der koptisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Amba Bishoi von Damiette. Es diente vor allem einer Bilanzierung des bislang erreichten Dialogstandes. Die orientalisch-orthodoxen (oder: altorientalischen) Kirchen hatten sich nach dem Konzil von Chalcedon (heute: Kadiköy) im Jahr 451 von der allgemeinen Kirche getrennt. Beim Konzil von Chalcedon war versucht worden, die Glaubensüberzeugung auszudrücken, dass Christus zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch ist. In der Folge kam es zu - auch politisch und kulturell begründeten - Missverständnissen, die in die Trennung zwischen den altorientalischen Kirchen und der allgemeinen Kirche mündeten.
Wichtige Rolle von "Pro Oriente"
Erst bei den von der Wiener Stiftung "Pro Oriente" ab September 1971 initiierten "Lainzer Gesprächen" gelang es, viele Missverständnisse auszuräumen. Katholische und altorientalische Theologen kamen bei diesen inoffiziellen Gesprächen gemeinsam zur Überzeugung, dass die theologischen Auseinandersetzungen ab dem 5. Jahrhundert vielfach durch kulturelle Unterschiede und politische Motive bedingt waren, dass aber katholische und orientalisch-orthodoxe Christen in unterschiedlichen Formulierungen den selben Glauben bekennen. Auf Initiative des heutigen koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Shenouda III. kam es schließlich zur Erarbeitung der "Wiener Christologischen Formel", die bei der Versöhnung zwischen römisch-katholischer Kirche und altorientalischen Kirchen große Wirkung entfalten sollte.
Linktipp
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Auf Katholisch.at gibt der armenisch-apostolische Erzbischof Mesrob Krikorian Auskunft über die jüngste Tagung der Internationalen Dialogkommission zwischen der katholischen Kirche und den altorientalischen Kirchen vom 27. Jänner bis 2. Februar in Damaskus. Die Tagung hatte für eine weitere Annäherung der Kirchen gesorgt.
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