Gedenken an HJ-Opfer Domkurat Krawarik
Wien, 2.4.08 (KAP) Der Wiener Priester Johannes Krawarik (1903-1968) war einer der großen Zeugen des geistigen Widerstands gegen das NS-Regime. Am Dienstagabend wurde seiner bei einer Messfeier in der Wiener Pfarrkirche Altottakring gedacht. Krawarik, der im Erzbischöflichen Ordinariat gearbeitet hatte, wurde am 8. Oktober 1938 - beim Sturm der "Hitler-Jugend" auf das Erzbischöfliche Palais und das Curhaus am Stephansplatz - aus dem 2. Stock in den Hof geworfen, wo ein Sandhaufen den Sturz bremste. Krawarik kam mit Beinbrüchen davon, zog sich aber durch den Schock eine schwere Zuckerkrankheit zu, die sein weiteres Leben stark beeinträchtigen sollte.
Johannes Krawarik wurde 1903 in Wien, Pfarre Schottenfeld, geboren; er besuchte die traditionsreiche Realschule in der Neustiftgasse (das heutige Musikgymnasium). Im Juli 1926 wurde er zum Priester geweiht. Nach Kaplanstätigkeiten in Pottenstein und Währing kam er 1930 als Domkurat nach St. Stephan, ab 1939 hatte er eine Sekretariats-Funktion im Erzbischöflichen Ordinariat.
Am 1. September 1946 übernahm er die Pfarre Altottakring und leitete sie bis zur Übergabe an den derzeitigen Pfarrer, Dechant Friedrich Guttenbrunner, am 29. Februar 1968. Während der Übergabe ereilte ihn der Tod, wohl als Spätfolge seines Erlebnisses am 8. Oktober 1938.
An der Gedenkmesse in Altottakring nahmen zahlreiche Menschen teil. Musikalisch wurde der Gottesdienst von Chor und Orchester von "Ars Musica" gestaltet.(