Schönborn beendet "Weltkongress der Barmherzigkeit"
Vatikanstadt-Rom, 6.4.08 (KAP) Mit einem Appell an die Christen hat Papst Benedikt XVI. am Sonntag den Ersten Apostolischen Weltkongress der Barmherzigkeit in Rom beendet. Die Barmherzigkeit Gottes sei "Quelle der Hoffung für jeden Menschen und für die ganze Welt", sagte er vor mehreren Zehntausend Gläubigen nach dem Mittagsgebet auf dem Petersplatz. Er rief die Kongressteilnehmer auf, die Botschaft von der Göttlichen Barmherzigkeit in die Kirche und in die Welt zu tragen und überall "Zeugen der Barmherzigkeit Gottes" zu sein. Kardinal Christoph Schönborn hatte zuvor im Petersdom den feierlichen Gottesdienst zum Abschluss des Kongresses zelebriert.
In seinem Grußwort an die deutschsprachigen Teilnehmer des Kongresses erinnerte Benedikt XVI. an das Sonntagsevangelium über die Emmaus-Jünger und ihr Wort: "Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als Christus unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss". Auch den Christen von heute müsse das Herz aufgehen, um die Botschaft der Barmherzigkeit in die Welt hinaustragen zu können.
3.000 Teilnehmer
Von Dienstag bis Sonntag hatten sich bei dem Kongress in Rom rund 3.000 Delegierte aus aller Welt die vor allem von Johannes Paul II. eindrucksvoll verkündete Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes als Zentrum der christlichen Lehre zu eigen gemacht. Leiter des Kongresses war Kardinal Christoph Schönborn.
Die "Erfolgsgeschichte" des Christentums ist nicht die Geschichte militärischer oder politischer Triumphe, sondern der "Siegeszug" der gelebten Barmherzigkeit, betonte Kardinal Christoph Schönborn im Petersdom beim Abschlussgottesdienst des Weltkongresses der Barmherzigkeit. Er rief die Teilnehmer des Kongresses dazu auf, Zeugen der Barmherzigkeit Gottes im Alltag zu sein. Wörtlich sagte der Kardinal: "Worte können schön klingen, aber sie sind eben Worte. Aber Taten der Barmherzigkeit sind unwidersprechlich"."
Der Wiener Erzbischof nahm auf die Geschichte der Emmausjünger Bezug, deren Erwartungen an Jesus zu irdisch gewesen seien. Sie hätten gehofft, Jesus würde eine politische, weltliche Befreiung bringen. Es sei nicht schwer, so Schönborn, mit der Enttäuschung dieser Jünger nach dem Tod Jesu mitzufühlen: "Auch wir wünschen uns oft ein siegreiches Christentum, einen greifbaren Erfolg". Damit sei die Hoffnung verbunden, dass der christliche Glaube die Politik, die Wirtschaft, den öffentlichen Platz der Medien positiv und segensreich beeinflusst.
Abwendung, weil Christentum oft nicht siegreich ist
Doch allzu oft sehe es ganz anders aus: Machtmissbrauch, Korruption, wirtschaftliche Interessen beherrschten viele Länder, "die Armen leiden, das Unrecht herrscht, die soziale Gerechtigkeit wird schwer verletzt", so Kardinal Schönborn. Das rufe bei vielen Menschen tiefe Enttäuschung hervor und sie würden sich von Christus und seiner Gemeinschaft abwenden. Sie würden in Jesus nur einen Propheten sehen, "einen besonderen Menschen, nicht aber Gott, der Mensch geworden ist".
Jesu Werk sei aber nicht der politische Sieg, nicht die militärische Macht, sondern die Hingabe seines Lebens. Schönborn: "Es fällt uns schwer, zu seinem Leiden und zu unserem Leiden Ja zu sagen. Es fällt uns schwer, anzunehmen, dass das der Weg der Weisheit Gottes ist, dass Seine Barmherzigkeit uns im Kreuz geschenkt wird".
Die Barmherzigkeit Jesu habe die Herzen der Emmausjünger erreicht, geöffnet und verwandelt. Schönborn: "Von jetzt an können sie Zeugen seiner Barmherzigkeit sein. Jetzt können sie mit brennendem Herzen aufbrechen und den anderen das Zeugnis vom auferstandenen Herrn bringen". Was damals geschehen sei, geschehe heute wieder. In der Eucharistie komme Jesus zu den Menschen, betonte der Wiener Erzbischof im Petersdom. Aufgabe der Christen sei es, aufzubrechen und überall "Zeugen der Barmherzigkeit Gottes" zu sein.
