Karfreitagsfürbitte: vertrauensbildende Zeichen gefordert
Wien, 7.4.08 (KAP) Für neue vertrauensbildende Schritte im christlich-jüdischen Dialog plädiert der Katholische Akademikerverband Österreichs (KAVÖ). "Die Aufregung um die Neuformulierung der Karfreitagsfürbitte für die Juden, die der Papst für den (kaum praktizierten) 'alten Usus' vorgenommen hat, geht in vielen jüdischen Kreisen so tief, dass niemand, dem der christlich-jüdische Dialog ein Herzensanliegen ist, rasch zur Tagesordnung übergehen kann", heißt es in einer vom KAVÖ-Vorstand am Montag veröffentlichten Erklärung. Es brauche daher "vertrauensbildende Zeichen, damit aus der Belastung keine Krise im gegenseitigen Verhältnis wird". Diese Schritte müssten "erneut klarmachen, dass die Kirche als neues Volk Gottes nicht an die Stelle des auserwählten Volkes Gottes der Juden getreten ist". Im Verhältnis zum Judentum dürfe die Kirche niemals hinter die bahnbrechende Konzilserklärung "Nostra Aetate" von 1965 zurückfallen, betonte der KAVÖ.
Man nehme die Kränkung vieler jüdischer Menschen, die im Zuge der Debatte um die neue Karfreitagsfürbitte deutlich wurde, "mit tiefem Bedauern zur Kenntnis", heißt es in der Erklärung. Zugleich hofft der KAVÖ, dass die schwer wiegenden Trübungen durch einen intensivierten Dialog wieder beseitigt werden. Nach dem Wort von Johannes Paul II. müssten "Juden und Christen, um ein Segen für die Welt zu sein, zuerst einander zum Segen sein". Das Bewusstsein für diese Verpflichtung dürfe nach der Unheilsgeschichte eines christlichen Antijudaismus nicht mehr erlöschen.
Jüdische Kritiker interpretierten die Formulierung, wonach Gott die Herzen der Juden erleuchten möge, "damit sie Jesus Christus als den Retter aller Menschen erkennen", als "subtile Aufforderung zur Judenmission". Diese Formulierung sei in den Augen der Kritiker brüskierend und stelle einen deutlichen Rückschritt im christlich-jüdischen Dialog dar.
Nach der "furchtbaren Erfahrung christlicher Zwangstaufen und Ghettopredigten viele Jahrhunderte hindurch" müssten Christen heute auf größte Sensibilität achten. Jüdische Empfindlichkeiten wären nicht verletzt worden, hätte der Papst einfach die seit 1970 geltende Textfassung für den "ordentlichen Ritus" auch für den "außerordentlichen" Ritus von 1962 vorgegeben, so der Akademikerverband. Gemäß dieser regulären Fassung wird gebetet, dass Gott die Juden "in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen bewahre, damit sie das Ziel erreichen, zu dem sein Ratschluss sie führen will".