Schönborn: Differenzierter Blick auf Werk Hrdlickas
Im Hinblick auf die Diskussionen über die Hrdlicka-Ausstellung erklärte Kardinal Christoph Schönborn am Mittwoch, 9. April:
Das Dom- und Diözesanmuseum der Erzdiözese Wien hat in der Eigenverantwortung seines Direktors Dr. Bernhard Böhler dem österreichischen Künstler Alfred Hrdlicka zu dessen 80. Geburtstag eine Ausstellung gewidmet. Hrdlicka ist einer der bedeutendsten lebenden Künstler Österreichs. Wie kaum ein anderer Künstler hat er sich mit dem leidenden und geschundenen Menschen befasst und zur "Compassion" mit der "Passion" eingeladen. Dieses Mitleiden drückt er in seinem Werk in erschütternder Weise aus. Am bekanntesten sind in dieser Hinsicht sein "Plötzenseer Totentanz" (Berlin) und sein großes Holocaust-Denkmal vor der Albertina in Wien. Deshalb habe ich auch einer Ausstellung im Dommuseum zugestimmt, ohne im einzelnen die auszustellenden Werke zu kennen.
Hrdlicka hat sich zeitlebens intensiv mit biblischen Themen befasst, besonders mit dem Leiden Christi. Er sagt von sich, er sei Kommunist und Atheist. Er hat dennoch ein brennendes Interesse an der Bibel, und er hat nach eigenem Bekunden Sehnsucht nach dem Glauben.
Die Ausstellung bedeutet nicht, dass das Dommuseum sich mit allen Werken Hrdlickas identifiziert. In einzelnen seiner Werke beachtet er die unbedingte Schwelle der Ehrfurcht vor dem Heiligen nicht. Unter seinen Werken sind auch solche, die vom Standpunkt des gläubigen Christen klar abzulehnen sind. Selbstverständlich hätte ich der Präsentation von Werken, die blasphemisch oder pornografisch sind, nicht zugestimmt. Ich bedauere es daher ausdrücklich, dass ein Bild dieser Art - ohne mein Wissen - in der Ausstellung zu sehen war. Dieses Menschen in ihrem Glauben verletzende Bild wurde auf meine Veranlassung hin am 20. März entfernt.
Trotzdem halte ich daran fest, dass es zu begrüßen ist, dass Künstler, die unseren Glauben nicht teilen, oder auf dem Weg zum Glauben sind, sich so intensiv mit biblischen Themen befassen.
> english
> italiano
