Neues Buch über Dietrich Bonhoeffer präsentiert
Salzburg, 10.4.08 (KAP) Ein neues Buch über die Verbindungslinien zwischen Theologie und Biografie des großen evangelischen Märtyrer-Theologen Dietrich Bonhoeffer wurde am Mittwoch bei einem Festakt in der Salzburger Katholisch-Theologischen Fakultät präsentiert. Der 9. April ist der Todestag Bonhoeffers. Das Buch, das dem Salzburger Theologen und Bonhoeffer-Experten em. Prof. Werner Mödlhammer aus Anlass seines 75. Geburtstages gewidmet ist, geht dabei gezielt den Orten des Wirkens Bonhoeffers nach und zeichnet theologische wie biografische Bruchlinien nach.
Das Buch bezieht sich auf eine Tagung im Jahr 2006, bei der Fachleute aus Europa und den USA den Wirkungsstätten des Theologen und Märtyrers wie Berlin, Finkenwalde, Rom, New York und London nachgingen. Die Tagung fand damals aus Anlass des 100. Jahrestages der Geburt Bonhoeffers an der Universität Salzburg statt. Das Buch versammelt nun eine Auswahl der überarbeiteten Vorträge der Tagung. Es enthält Beiträge u.a. von Ernst Feil, Gunter Prüller-Jagenteufel, Josef Außermair und Gregor Maria Hoff.
"Neue Perspektiven"
Wie der Salzburger Theologe Prof. Josef Außermair, der das Buch gemeinsam mit Prof. Gregor Maria Hoff herausgegeben hat, im Gespräch mit "Kathpress" betonte, stoße das Buch durch seine enge Verknüpfung von Leben und theologischem Schaffen in eine "Leerstelle" der bisherigen Bonhoeffer-Forschung und eröffne "einzigartige neue Perspektiven" auf den großen Theologen. Für die heutige Theologie bleibe Bonhoeffer weiterhin eine große Herausforderung, so Außermair, da er "wie kein anderer für eine Verbindung und Durchdringung von unbedingter Nachfolge und theologischer Tiefe und Konzentration steht". Insbesondere im Blick auf seine Aktivitäten im politischen Widerstand habe Bonhoeffer immer um die Notwendigkeit einer theologischen Durchdringung des weltlichen Engagements gewusst, so Außermair. Dieses komplexe Weltverständnis sei es daher auch, das die Theologie heute in ihrem Ringen um ihre öffentliche Relevanz von Bonhoeffer lernen könne.
Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau geboren. Er studierte Theologie in Tübingen, Rom und Berlin. 1933, als Hitler deutscher Reichskanzler wurde, warer Studentenpfarrer und Dozent in Berlin. Er wurde bald als Gegner des Nationalsozialismus ausgemacht und ging für zwei Jahre als Auslandspfarrer nach London. Er hielt jedoch die Kontakte nach Deutschland aufrecht, kehrte 1935 in seine Heimat zurück und leitete im Untergrund das Predigerseminar der "Bekennenden Kirche" in Finkenwalde.
1945 gehenkt
Als Bonhoeffers zunehmend in die Enge getrieben wurde, arrangierten Freunde für ihn Dozenturen in den USA. Der Theologe entschied sich aber für eine Rückkehr nach Deutschland, weil er seine Kirche in der schwierigen Situation nicht allein lassen wollte. Zwischen 1939 und 1943 durfte er nicht öffentlich auftreten und nicht publizieren, er arbeitete aber im Untergrund weiter und suchte bei Auslandsreisen Hilfe für den Widerstand. Am 5. April 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet und zunächst in Berlin, dann im KZ Buchenwald und zuletzt in Flossenbürg inhaftiert. In der Morgendämmerung des 9. April 1945 wurde Bonhoeffer gehenkt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangte Leben und Werk Bonhoeffers in zweifacher Richtung große Bedeutung: Seine Person wurde zu einem Angelpunkt in der Diskussion um den politischen Widerstand gegen die NS-Diktatur und die Rolle der Kirchen unter der Nazi-Herrschaft. Seine Theologie prägte entscheidend die theologische Entwicklung in den letzten Jahrzehnten, vor allem in den Bereichen Neue Politische Theologie, Befreiungstheologie, Ökumene und "kontextuelle" Theologie. Besondere Bedeutung erlangten vor allem seine Briefe und Aufzeichnungen aus dem Gefängnis, zusammengefasst unter dem Titel "Widerstand und Ergebung", sowie sein 1949 posthum veröffentlichtes Werk "Ethik".
Das Buch "Dietrich Bonhoeffer - Orte seiner Theologie", herausgegeben von Josef Außermair und Gregor Maria Hoff, ist im "Schöningh"-Verlag erschienen.