USA-Besuch wird Papst-Nein zu Krieg nicht verändern
Vatikanstadt-Washington, 12.4.08 (KAP) Die Treffen des Papstes bei seiner bevorstehenden US-Reise mit Präsident George W. Bush bedeuten keine Unterstützung für die amerikanische Außenpolitik, betonte der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden (Iustitia et Pax), Kardinal Renato R. Martino. Die Begegnungen Benedikts XVI. mit Bush könnten "absolut nicht" als Unterstützung des US-Präsidenten und seiner Irakpolitik verstanden werden, sagte Martino laut zur US-amerikanischen katholischen Nachrichtenagentur "Catholic News Service" (CNS) im Vatikan. Martino sprach am Rande einer Tagung zum 45-Jahr-Jubiläum der bahnbrechenden Friedensenzyklika "Pacem in terris".
Ein Besuch in Washington könne die ablehnende Haltung des Papstes zu Kriegen nicht verändern, betonte der Kardinal, der von 1986 bis 2002 als Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in New York tätig war. Die US-geführte Invasion im Irak nannte Martino einen "offensichtlichen Fehler", vor dem der Vatikan gemeinsam mit anderen gewarnt habe. Es sei nicht nutzlos, dass der Papst weiterhin für eine friedliche Konfliktlösung eintrete. Er habe sogar die Pflicht dazu.
Benedikt XVI. wird am 15. April bei seiner Ankunft auf dem Flughafen in Washington von Präsident Bush begrüßt. Am 16. April ist ein zweites Treffen im Weißen Haus geplant.
Bei der offiziellen Eröffnung der "Pacem in terris"-Tagung rief Kardinal Martino die klassische kirchliche Lehre über die Möglichkeiten der Verteidigung in Erinnerung. Der Einsatz von Atomwaffen sei in keinem Fall eine "'gerechte' Verteidigungsform". Zwar habe der Staat das Recht und die Pflicht, seine Bürger zu verteidigen, doch müsse auch die Form der Verteidigung jeweils hinterfragt werden, so Kardinal Martino. Der Heilige Stuhl unterstütze deshalb immer den Dialog, um Konflikten vorzubeugen und den Einsatz von Waffen zu verhindern.
Tagung zu Abrüstung im Vatikan begonnen
Vatikanstadt, 11.4.08 (KAP) Im Vatikan hat am Freitag eine internationale Konferenz zum Thema Abrüstung begonnen. Anlass ist der 45. Jahrestag der Enzyklika "Pacem in terris" von Papst Johannes XXIII. Das zweitägige Treffen unter Leitung des Päpstlichen Rats "Iustitia et Pax" (Gerechtigkeit und Frieden) beschäftigt sich mit Fragen der Begrenzung von Waffenproduktion und -handel, mit internationaler Entwicklung und mit Friedensarbeit, wobei "Perspektiven für eine vollständige Abrüstung" thematisiert werden sollen.
Wissenschaftler, Theologen, Juristen und Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen beraten dabei unter anderem wirtschaftliche und juristische Aspekte des Waffenhandels und die Überlagerung von ziviler und militärischer Wirtschaft. Auch stehen ethische und spirituelle Reflektionen über Abrüstung und die Bedingungen einer weltweiten Friedenspolitik auf dem Programm.
Zu den Teilnehmern gehören unter anderen der Präsident von "Iustitia et Pax", Kardinal Renato Raffaele Martino, sowie der schottische Kardinal Keith Patrick O'Brien.
"Pacem in terris" (Friede auf Erden) wurde 11. April 1963 veröffentlicht. Mit dem Rundschreiben, das den Untertitel "Über den Frieden unter allen Völkern in Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit" trägt, reagierte Johannes XXIII. auf die damalige weltpolitische Situation: Zwei Jahre nach der Errichtung der Berliner Mauer und nur wenige Monate nach der Kubakrise - inmitten des Kalten Krieges - stellte Johannes XXIII. in seiner Enzyklika klar, dass Konflikte "nicht durch Waffengewalt, sondern durch Verträge und Verhandlungen beizulegen" seien. Weiter betonte der Roncalli-Papst die Achtung der Menschenrechte als notwendige Konsequenz des christlichen Verständnisses vom Menschen. Zudem war "Pacem in terris" die erste Enzyklika, in der sich ein Papst nicht nur an die Gesamtheit der Katholiken und Gläubigen, sondern "an alle Menschen guten Willens" wandte.
Abrüstungsfrage geht in "beunruhigende Richtung"
Die Sache der Abrüstung gehe in eine beunruhigende Richtung, hatte der Sekretär des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Bischof Giampaolo Crepaldi, zum Auftakt des Kongresses im Gespräch mit "Radio Vatikan" betont: "Einerseits gibt es positive Signale und Entwicklungen, etwa bei den Verhandlungen über Streubomben oder über Waffenhandel. Andererseits kann man nicht übersehen, dass die Kontrolle über alle Arten von Waffen blockiert scheint". Crepaldi verwies auf die Verhandlungen über konventionelle Waffen, über biologische und chemische Waffen sowie über Atomwaffen. Überdies gebe es auch beunruhigende Signale, die "eine Militarisierung des Weltraums fürchten lassen".