USA-Besuch des Papstes beginnt
"Kathpress"-Korrespondentenbericht von Johannes Schidelko
Vatikanstadt, 14.4.08 (KAP) Seinen 81. Geburtstag verbringt Papst Benedikt XVI. auf Reisen - in Washington. Am Mittwoch trifft er am Vormittag offiziell mit dem amerikanischen Präsidenten zusammen. Das Staatsbankett im Weißen Haus (mit bayrischer Küche) am Abend findet jedoch ohne den Ehrengast statt, der sich zu einer "Familienfeier" in die Apostolische Nuntiatur zurückzieht. Auch den dritten Jahrestag seiner Papstwahl drei Tage später begeht Benedikt XVI. ("Papa Ratzinger", wie ihn die römischen "Vaticanisti" nennen) mit einem normalen Arbeitspensum - in New York.
Der geschäftsmäßige Umgang mit den Jahrestagen ist nicht nur Ausdruck von Bescheidenheit des Papstes, sondern zeigt, wie sehr in seinem Pontifikat der Alltag eingekehrt ist. Auffallend rasch ist Benedikt XVI. aus dem Schatten seines großen Vorgängers getreten. Über weite Strecken setzt er auf Kontinuität zu seinem Vorgänger, zeigte bald aber auch eigenes Profil. Als weltweit anerkannter und gesuchter Religionsführer stellt er sich auf höchstem intellektuellem Niveau der geistigen Auseinandersetzung mit der Welt. In der Kurie besetzte er nach und nach die Schaltstellen neu. Dabei überging er meistens die alten Seilschaften des Apparats.
Johannes Paul II. hielt die Kirche mit charismatischen Ideen und Gesten und neuen Initiativen in Bewegung, Benedikt XVI. geht es um die theologische Fundierung und Konsolidierung dieser Aufbrüche. Sein Ziel ist die Bewährung der christlichen Botschaft in der säkularisierten Welt. Die Suche nach Wahrheit und Liebe will er nicht pragmatischen Lösungen unterordnen, durch die das klare christliche Zeugnis verdunkelt werden könnte.
Zwar gehört die weltliche "Politik" nicht zu den starken Themen des Theologen-Papstes, dennoch hat Benedikt XVI. etliche neue Projekte aufgegriffen. Er startete eine spektakuläre Charme-Offensive gegenüber Peking - aber ohne Kompromisse in kirchlichen Positionen. In der Ökumene stehen ihm die Ostkirchen besonders nahe, zugleich sucht er weiter das Gespräch mit den Kirchen der Reformation, auch wenn seit dem letzten Vatikan-Papier zu einigen Fragen der Ekklesiologie dieser Kontakt schwieriger geworden ist.
Den Kontakt zum Islam hat Benedikt XVI. nach der Polemik um die Regensburger Rede neu aufgestellt. Er griff den Vorstoß von 138 muslimischen Gelehrten auf. Die Plattform für einen neuen Dialog wurde geschaffen.
Dabei war Benedikt XVI. auch zu Korrekturen bereit: Er rehabilitierte den abgewerteten Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog und stellte einen der fähigsten Vatikan-Diplomaten, Kardinal Jean-Louis Tauran, an dessen Spitze. Pragmatisch war auch die Entscheidung, das Seligsprechungsverfahren für Pius XII. zunächst zu stoppen und neue Untersuchungen über mögliche Folgen für die Beziehungen zum Judentum abzuwarten. In zentralen Glaubensfragen hingegen ist Benedikt XVI. nicht zu Kompromissen bereit.
Eine wichtige Dimension ist für Benedikt XVI. dabei die Tradition. Er meint nicht, dass es mit dem Zweiten Vaticanum einen "Bruch" gegeben habe. Als inhaltlichen Beitrag zur kirchlichen Traditionspflege verstand er offensichtlich seinen Erlass über die breitere Wiederzulassung des "alten Usus" der Messe ("Summorum pontificum").
Seinem hohen inhaltlichen Anspruch entsprechend verbringt der Papst viel Zeit mit der Erstellung von Ansprachen und Botschaften. Zugleich hat er die Zahl der Audienzen und Arbeitsessen, der öffentlichen Auftritte wie auch der großen Messen stark reduziert. Zwar unternimmt er Reisen, aber weniger und kürzere als sein Vorgänger, er versucht, mit seinen Kräften hauszuhalten. Dafür nimmt er sich viel Zeit für Gespräche mit Bischöfen bei ihren Ad-limina-Besuchen. Verwaltungsdinge delegiert er an seine Mitarbeiter, vor allem an Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone, der maßgeblich die Kuriengeschäfte koordiniert.