Küng appelliert an Europarat wegen Abtreibungsinitiative
St. Pölten, 15.4.08 (KAP) Der österreichische "Familien-Bischof" Klaus Küng hat am Dienstag an die österreichischen Delegierten zum Europarat appelliert, einer weiteren Liberalisierung der Abtreibung in Europa nicht zuzustimmen. Schon jetzt seien die ungeborenen Kinder in den meisten Ländern Europas praktisch schutzlos, so der Bischof.
Der "Ausschuss für Gleichberechtigung" hat mit Datum vom 17. März die Resolution "Access to safe and legal abortion in Europe" ("Zugang zu sicherer und legaler Abtreibung in Europa") angenommen, die nun der Parlamentarischen Vollversammlung des Europarates vorgelegt werden wird. Über den Bericht soll am Mittwoch abgestimmt werden.
Durch die Abtreibung entstehe in der europäischen Gesellschaft eine tiefe Wunde, betonte Bischof Küng. Es sei sehr richtig, wenn jetzt Ärzte in England wegen der seelischen Leiden von Frauen, die abgetrieben haben, warnend ihre Stimme erheben. Die Tötung eines Kindes dürfe niemals verharmlost werden.
Küng: "Die abgetriebenen Kinder fehlen uns: Es wäre an der Zeit, dass die Parlamentarier überlegen, welche Maßnahmen sie ergreifen, um das Ja zum Kind zu erleichtern. Sehr wichtig wäre die Förderung der Beratung von Frauen in schwierigen Situationen; überall sollten verpflichtende Fristen eingeführt werden, die helfen, Panikhandlungen zu vermeiden. Die Einführung von Fonds zur finanziellen Unterstützung in Notfällen ist dringend notwendig".
Es sei hoch an der Zeit, so der "Familien-Bischof, "die Rechte von Eltern mit behinderten Kindern besser zu schützen und Diskriminierungen in diesem Zusammenhang wirksam zu bekämpfen". Auch ein in allen Ländern gültiges Verbot von Spätabtreibungen wegen "genetischer Indikation" sei überfällig.
Katholische Familienverbände Europas ebenfalls dagegen
Auch die katholischen Familienverbände Europas (FAFCE) haben sich gegen den Berichtsentwurf zur Abtreibung ausgesprochen. An die Mitglieder der Parlamentarischen Versammlung appellierte FAFCE-Präsidentin Elisabeth Bußmann am Dienstag, den Bericht abzulehnen. Der Punkt steht am Mittwoch in Straßburg auf der Tagesordnung.
Bußmann sagte, das Recht auf Leben auch des Ungeborenen sei ein unverrückbarer Eckpfeiler der Menschenwürde. In dem Berichtsentwurf sei aber weder vom Recht der Frauen auf umfassende Beratung und Unterstützung noch vom Recht des Kindes auf Leben die Rede. Statt den Bericht anzunehmen, solle der Europarat umfassende Unterstützungsmaßnahmen für Frauen in Schwangerschaftskonflikten einfordern, so Bußmann.