Experte: "Embryonale Stammzellenforschung überflüssig"
Wien, 14.4.08 (KAP) Embryonale Stammzellforschung ist überflüssig und die Vehemenz, mit der sie von ihren Fürsprechern beworben wird, zeugt davon, dass der Embryo längst zum Spielball rein wirtschaftlicher Interessen geworden ist. Dies betonte der Geschäftsführer des Wiener katholischen "Instituts für medizinische Anthropologie und Bioethik" (Imabe), Enrique H. Prat, am Montag in einem "Presse"-Gastkommentar. Grund des kritischen Zwischenrufs war die Entscheidung des deutschen Parlaments, den Stichtag für den Import embryonaler Stammzell-Linien zu verschieben, um eine breitere embryonale Stammzellforschung auch in Deutschland zu ermöglichen. Wenn der Ruf nach einer gesetzlichen Neuregelung der Stammzellenforschung auch in Österreich immer lauter werde, müsse die deutsche Entscheidung doch als "warnendes Beispiel" vor Augen bleiben: "Wer einmal die Verwendung von Embryonen für Forschungszwecke gebilligt hat, hat den Rubikon überschritten und steht unter Zugzwang, weitere Lockerungen zuzulassen".
Wie Prat betonte, sei die Beforschung embryonaler Stammzellen nicht notwendig, da die adulte Stammzellforschung bereits wesentlich weiter fortgeschritten sei. Weiterhin sei die embryonale Stammzellenforschung überflüssig, weil die Tendenz zur Tumorbildung weiterhin ein unkontrollierbares Risiko darstelle. Außerdem sei mit den "induzierten pluripotenten Stammzellen" eine Alternative entwickelt worden, die "ethisch sauber" sei und ohne die Tötung von Embryonen auskomme, so Prat.
Dass die Lobby der Vertreter embryonaler Stammzellenforschung auf die Durchsetzung gesetzlicher Zusagen zur Ausweitung der Forschung drängt, habe weniger mit einem hohen Forschungs- oder Heilungsethos zu tun als vielmehr mit handfesten ökonomischen Interessen: "In der aktuellen Debatte geht es um Biopolitik, nicht um Bioethik. Es geht in der Stammzellforschung nämlich auch um Geld, um sehr viel Geld. Die Verheißungen sind gigantisch". Dabei werde jedoch übersehen, dass der Embryo von Beginn an ein Mensch sei und daher "nicht instrumentalisiert" werden dürfe.
Eine solche Instrumentalisierung sei nicht zuletzt auch in den Argumentationslinien der Befürworter der embryonalen Stammzellenforschung erkennbar, wenn sie sich für eine Verwertung "überzähliger Embryonen" aus dem Prozess künstlicher Befruchtung aussprechen, die sonst als "Klinikmüll" entsorgt würden, erinnerte der "Imabe"-Geschäftsführer. Hier liege eine deutliche Instrumentalisierung vor, insofern bereits die Erzeugung "überzähliger" Embryonen an sich einen Missbrauch darstelle.
Die derzeitige Debatte macht laut Prat vor allem eines deutlich: "Der Embryo wird in Wahrheit nur als eine Galionsfigur im Streit um die Freiheit der Forschung missbraucht", an der "Geld, Arbeitsplätze, teure Labors" hängen. Nicht beachtet werde hingegen, dass sich private Investoren bereits aus etwaigen embryonalen Stammzellen-Forschungsprojekten zurückziehen und auf adulte Zellen setzen, weil dies auch unter wirtschaftlichem Gesichtspunkt sinnvoller sei, so Prat. Den öffentlichen Stellen fehle derzeit noch der "Mut", sich gegen die "Lobby der in der Stammzellenforschung aktiven Wissenschaftler" durchzusetzen.