Caritas fordert engagiertere Arbeitsmarktpolitik
Wien, 16.4.08 (KAP) Die Notwendigkeit gezielter Angebote für langzeitarbeitslose Menschen hat der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau betont. Anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Caritas-Restaurants "Inigo" in der Wiener Innenstadt plädierte Landau am Mittwoch für eine noch engagiertere und differenziertere Arbeitmarktpolitik. Qualitätvolle Arbeitsintegrationsprojekte, wie sie die Caritas beispielsweise mit dem "Inigo" betreibt, seien eine Chance, so Landau, um Langzeitarbeitslosigkeit nachhaltig zu reduzieren.
Denn für Menschen mit Vermittlungshindernissen werde es zunehmend schwieriger, am regulären Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, so Landau: "Was wir brauchen, ist ein erweiterter Arbeitsmarkt mit sinnstiftender, ressourcenorientierter, sozial anerkannter und angemessen entlohnter Beschäftigung auch für jene, die den Einstieg in den regulären Arbeitsmarkt langfristig oder vielleicht dauerhaft nicht schaffen können".
Im Restaurant "Inigo" erhalten langzeitarbeitslose Menschen die Chance, sechs bis maximal neun Monate "nahe an den Bedingungen des regulären Arbeitsmarktes" Berufspraxis in der Gastronomie, in Küche und Service zu sammeln. Seit seinem Bestehen wurden im "Inigo" mehr als 700 langzeiterwerbslose Frauen und Männer fachlich qualifiziert, sozialarbeiterisch betreut und anschließend bei der Jobsuche intensiv unterstützt. Rund ein Drittel der Beschäftigten habe danach einen Job gefunden, ein weiteres Drittel sei grundsätzlich einsatzfähig und nur ein Drittel habe auch danach noch weitergehenden Betreuungsbedarf, berichtete Landau.
Lob für das "Inigo" kam auch von Inge Friehs, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Wien, die von einem "besonders anerkannten Projekt" sprach. Die Caritas sei zudem immer ein Mahner, dass der Mensch im Mittelpunkt aller arbeitsmarktpolitischen Anstrengungen stehen müsse.
Das "Inigo" ist eines von sieben Projekten für langzeiterwerbslose Frauen und Männer, die die Caritas der Erzdiözese Wien derzeit betreut. Insgesamt werden 265 Arbeitsplätze angeboten. Landau: "Seit 1990 konnten wir 3.000 langzeiterwerbslose Menschen in einem unserer Projekte beschäftigen. Dieser Einsatz wird auch in Zukunft wichtig sein".
Wie Landau weiter betonte, gebe es trotz sinkender Arbeitslosigkeit keinen Grund zur Entwarnung: 26.726 langzeitbeschäftigungslose Menschen habe es im März 2008 allein in Wien gegeben, so der Caritasdirektor unter Verweis auf die Statistik des AMS. Engagierte Arbeitsmarktpolitik werde auch in Zeiten wirtschaftlicher Prosperität nicht obsolet, so Landau, der zugleich die grundsätzlich gute Zusammenarbeit mit dem AMS und der Stadt Wien betonte.
Bedarfsorientierte Mindestsicherung
"Ziel der Wiener Sozialpolitik ist es, sozial schwachen Wienern möglichst rasch wieder eine Beschäftigung zu ermöglichen, von der sie auch leben können", sagte die Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely bei der "Geburtstagsfeier" im "Inigo". Mit der Bedarfsorientierten Mindestsicherung werde es hier erstmals bundeseinheitliche Antworten geben. Die gesetzlichen Regelungen rund um die Mindestsicherung machten es leichter, Bezieher dieser Unterstützung wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zum einen werde es bundesweit keinen Regress bei Mindestsicherungs-Beziehern und deren Angehörigen geben. Auch bei der Krankenversicherung komme es zu einem Durchbruch. Die Einbeziehung nicht krankenversicherter Leistungsbezieher in die gesetzliche Krankenversicherung zu den gleichen Bedingungen wie Ausgleichszulagenbezieher schaffe gleichberechtigten Zugang zu medizinischen Leistungen.
Weiters werde durch die Möglichkeit, dass die Mindestsicherung beim AMS beantragt werden kann, vor allem die soziale Stigmatisierung auf dem Land beendet. Man müsse sich nicht mehr an den zuständigen Bürgermeister wenden, so Wehsely. Ein Schritt, vor dem bisher viele Anspruchsberechtigte zurückgeschreckt seien.
Caritasdirektor Landau fügte hinzu, dass für die Caritas von zentraler Bedeutung sei, an welchen Begriff von "Erwerbsfähigkeit" die Bedarfsorientierte Mindestsicherung gekoppelt wird. "Hier haben wir Sorge, dass es zu einer zu simplen Unterscheidung in 'erwerbsfähig' und 'nicht erwerbsfähig' kommen könnte", warnte Landau. Die Erfahrungen der Caritas würden zeigen, dass viele langzeiterwerbslose Menschen "teilerwerbsfähig" sind, aber mit den hohen und steigenden Anforderungen am regulären Arbeitsmarkt nicht Schritt halten können.