Neue Website vernetzt österreichische Pilgerwege
Derzeit sind acht große österreichische Pilgerwege beschrieben. Laut "Pilger-Bischof" Alois Schwarz liegt dieses neue Angebot "voll im Trend" des derzeitigen Pilger-Booms. Weltweit jährlich rund 40 Millionen Menschen auf Pilgerreisen unterwegs
Wien, 17.4.08 (KAP) Ein neues Projekt vernetzt ab sofort die österreichischen Pilgerwege. Die Website http://www.pilgerwege.at/ versammelt Informationen über die einzelnen Pilgerwege, über Etappen und Stationen und bietet die wichtigsten weiterführenden Links. Derzeit sind acht große Pilgerwege beschrieben, darunter der österreichische Abschnitt des Jakobsweges, der grenzüberschreitende "Weg des Buches" (Passau-Arnoldstein), die Kärntner Hemma-Pilgerwege, der Mariazeller Gründerweg, der St. Rupert-Pilgerweg, die ebenfalls grenzüberschreitenden Pilgerwege "Via Nova" und "Via Sacra" sowie den Donau-Alpen-Adria-Radpilgerweg.
Wie der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz - er ist in der Bischofskonferenz auch für das Pilgern zuständig - bei der Präsentation der Website am Donnerstag in Wien betonte, liege die Kirche mit diesem neuen Angebot "voll im Trend" des derzeitigen Pilger-Booms. Es sei dabei die Aufgabe der Kirche, diesen Boom als Chance zu begreifen, die religiöse Dimension des Pilgerns sichtbar zu machen, so Schwarz. Aus dem Trend zum Pilgern spricht laut Schwarz das "tiefe Bedürfnis der Menschen nach Sinnstiftung". Die geläufige Formel "Der Weg ist das Ziel" stellte Schwarz in Frage. Für den Christen gehe es darum, das Heiligtum - einen Ort, wo Himmel und Erde einander berühren - als Ziel zu sehen.
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Ausdrücklich begrüßte der Bischof die "enge und produktive Kooperation" mit den zuständigen Tourismusämtern in den Regionen. Dies sei ein "gelungenes Beispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen Kirche, Staat und Gesellschaft in Österreich", so Schwarz.
Wie Staatssekretärin Christine Marek vom Wirtschaftsministerium betonte, stelle das Aufkommen des "Pilgertourismus" einen erheblichen Wirtschaftsfaktor insbesondere für strukturschwächere Regionen dar. Daher unterstütze das Ministerium auch das Anliegen einer Vernetzung der österreichischen Pilgerwege. Neben der bewussten Sinnsuche ist es laut Marek auch die "Sehnsucht nach Entschleunigung", die immer häufiger auch religionsferne Menschen zum Pilgern bewegt.
Image (img2) invalid or missing | Staatssekretärin Christine Marek
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Weltweit seien jährlich rund 40 Millionen Menschen auf Pilgerreisen unterwegs, so Marek; in Europa seien es pro Jahr rund 2,5 Millionen, die sich zu grenzüberschreitenden Pilgerfahrten auf den Weg machen. Spitzenreiter sei hier Italien mit einem Anteil von 15 Prozent an den grenzüberschreitenden Pilgerfahrten, gefolgt von Deutschland und Großbritannien mit je 14 Prozent. Österreich liegt mit rund 3 Prozent auf Platz sieben.
Ausdrücklich unterstrich die Staatssekretärin den "europäischen" Aspekt des Pilgerns. Durch die grenzüberschreitenden Pilgerwege werde ein wichtiger Beitrag zum gegenseitigen Kennenlernen der Menschen Europas geleistet.
Erfolgreiche Ausbildungsgänge
Dass die Kirche den Trend zum Pilgern bereits aktiv als Chance nutzt, zeigte Schwarz anhand des Beispiels der Kärntner und Salzburger Lehrgänge für Pilgerbegleiter auf. So wurden in den vergangenen drei Jahren allein im Raum Westösterreich/Bayern/Südtirol 60 Pilgerbegleiterinnen und -begleiter ausgebildet, die kompetent auf das gewachsene Interesse an dieser niedrigschwelligen Form religiöser Praxis reagieren. Die Absolventen bieten geführte Wanderungen auf den heimischen Pilgerwegen an. In Kärnten gibt es zwei unterschiedliche zertifizierte Lehrgänge: einerseits einen Lehrgang zur Fortbildung von Fremdenführern zu Pilgerbegleitern, andererseits einen zweisemestrigen Lehrgang an der Hochschule für pädagogische Berufe, bei dem Religionslehrer und Pädagogen speziell zur Heranführung von Kindern an das Phänomen des Pilgerns ausgebildet werden. Dieser Lehrgang erfolgt in ökumenischer und interreligiöser Koordination, so Schwarz, damit die Absolventen auch gemischtkonfessionelle Kinder- und Schülergruppen auf Pilgeretappen begleiten können. Schwarz: "Pilgern ist eine religionsübergreifende und -verbindende spirituelle Ausdrucksform".
Die Pilgerbegleiter lernen u.a., ihren Gästen nahezubringen, wie man sich eine Kirche "ergeht", wie man sich im Gotteshaus benimmt und wie man das Bildprogramm vor allem der historischen Kirchen zum Sprechen bringt.
Pilgern hat europäische Dimension
Wie der Vorsitzende des Österreichischen Arbeitskreises für Tourismuspastoral und Leiter des Projekts http://www.pilgerwege.at/, Anton Wintersteller, betonte, spreche das Pilgern "die Sehnsucht der Menschen nach gelingendem Leben, nach Sinnstiftung und Zielgebung" an. Dabei stelle das Pilgern ein "kultur- und religionsübergreifendes Phänomen" dar. Im Unterwegssein erfahre man nicht nur Sinnstiftung, sondern komme immer auch mit anderen Menschen und damit mit anderen Kulturen in Kontakt.
Image (img3) invalid or missing | Projektleiter Anton Wintersteller
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Stefan Greifeneder vom Kommunikationsbüro der Diözese Linz, zuständig für die technische Realisation und Wartung der Website, kündigte im Gespräch mit "Kathpress" an, dass es ab März 2009 eine "Pilgercommunity" auf der Website geben wird, um sie so zum "Knotenpunkt für alle Pilger und Pilgerinnen in Österreich" werden zu lassen. Das ansprechende Design der Website soll durch die Community weiter ausgebaut und durch weitere interaktive Pilgerkarten und Bildelemente sowie durch die Möglichkeit zur direkten Kontaktnahme unter den Pilgern abgerundet werden, so Greifeneder.
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