Neues Netzwerk soll Orient-Christen unterstützen
Wien, 18.4.08 (KAP) Die schwierige Lage der Christen im Nahen Osten hat in Wien zur Gründung eines "Netzwerkes" der orientalischen Gemeinden und Institutionen in Österreich geführt. Das Netzwerk "Christen im Orient", das auf eine Initiative des Wiener Weihbischofs Franz Scharl zurückgeht, versteht sich als Ausdruck der gelebten Solidarität mit den verfolgten Christen in den Ländern des Orients sowie als Plattform für den schnellen Austausch aktueller Informationen, betonte die Generalsekretärin von "Pro Oriente", Marion Wittine, im Gespräch mit "Kathpress" im Anschluss an die konstituierende Sitzung des "Netzwerkes" am Freitag.
Das Treffen diente - so Marion Wittine - einer ersten Kontaktnahme zwischen den Repräsentanten der orientalischen Christen in Wien und zu einem ersten Gedankenaustausch über mögliche gemeinschaftliche Hilfsprojekte sowohl für die Christen im Nahen Osten als auch für die in Österreich lebenden orientalischen Christen. Dabei war man sich einig, dass es insbesondere einer "raschen und unbürokratischen Hilfe für die in Not geratenen Christen im Irak" sowie für die christlichen Flüchtlinge aus dem Zweistromland bedarf.
Einig waren sich die anwesenden Repräsentanten der Gemeinden und Institutionen auch darin, dass es wichtig sei, in Zukunft "mit einer Stimme" zu sprechen, um somit deutlicher auf das Schicksal der Christen in Not hinzuweisen. Ein großes Manko wurde in der mangelnden Information über Geschichte und Gegenwart des orientalischen Christentums gesehen. Kaum jemand sei sich bewusst, dass die nahöstlichen Länder die ersten völlig christianisierten Gebiete waren und dass Theologie, Spiritualität und Kultur des Christentums aus diesen Gebieten stammen.
Bei dem ersten "Netzwerk"-Treffen gab es Angaben über die Situation der orientalischen Christen in Österreich. Die Gemeinde des orthodoxen Patriarchats von Antiochien umfasst rund 150 Familien, 110 davon in Wien, weitere 40 in Innsbruck. Zur syrisch-orthodoxen Kirche gehören laut Chorbischof Emanuel Aydin rund 500 Familien österreichweit, 400 davon allein in Wien. Die maronitisch-katholische Gemeinde (die ihre Gottesdienste in der Wiener Ruprechtskirche feiert) umfasst rund 40 Familien, die chaldäisch-katholische Gemeinde rund 200Familien (Gottesdienststätte ist die Pfarrkirche St. Benedikt im 11. Bezirk). Die melkitisch-katholische Gemeinde umfasst derzeit rund 80 Familien (beheimatet in der Pfarre St. Jakob in Wien-Heiligenstadt). Zur assyrischen Gemeinde gehören 40 Familien (die assyrische Kirche ist die Apostolische Kirche des Ostens, die Kirche des alten Perserreiches). Die koptisch-orthodoxe Kirche zählt österreichweit rund 10.000 Mitglieder, 6.000 allein in Wien. Die Errichtung eines "International Coptic Center" in Wien ist geplant.
Eine Dachorganisation der - zumeist arabischsprachigen - Christen aus dem Nahen Osten in Österreich ist die "Union orientalischer Christen". Ihr gehören Christen aus insgesamt zwölf Kirchen an.
Bei der Gründung des "Netzwerks" waren die Priester der meisten nahöstlichen Kirchen in Wien anwesend: Mihail Papas (orthodoxes Patriarchat von Antiochien), Michel Harb (maronitisch-katholische Kirche), Hanna Ghoneim (melkitisch-katholische Kirche), Chorbischof Emanuel Aydin (syrisch-orthodoxe Kirche), Lukas Bakhiet (koptisch-orthodoxe Kirche), Raad Washan Sarah (chaldäisch-katholische Kirche), Tawer Andrious (assyrische Kirche). Die römisch-katholische Kirche war durch den Wiener Weihbischof Franz Scharl vertreten, der die Sitzung in den Räumen von "Pro Oriente" leitete.
Auch die in Österreich ansässigen Hilfsorganisationen und Institutionen waren präsent: die Initiative "Christian Solidarity International" (CSI), vertreten durch Generalsekretär Werner Frühwirth, die Arbeitsgemeinschaft der katholische Gemeinden aus dem afro-asiatischen Raum (ARGE AAG), vertreten durch Generalsekretär Alexander Kraljic, die Päpstlichen Missionswerke, vertreten durch Nationaldirektor Leo Maasburg, die "Initiative Christlicher Orient", vertreten durch Klaus Strassner, die Hilfsorganisation "Kirche in Not", vertreten durch Geschäftsführer Herbert Rechberger, der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem, vertreten durch Generalsekretär Wolfgang Zehetner und den leitenden Komtur Frieder Herrmann, die "Syriac Universal Alliance", vertreten durch Dikran Cevik, die "Union Orientalischer Christen", vertreten u.a. von William Tadros, der "Verein Stern des Orients", vertreten durch Obmann Wail Yousif, sowie die koptisch-österreichische Freundschaftsinitiative, vertreten durch Kamal Abd el Nour.(ende)