"Hunger ist kein Schicksal, Hunger wird gemacht"
Wien, 23.4.08 (KAP) Die Spitzen der evangelischen Kirchen in Österreich haben eindringlich an ihre Gläubigen, aber auch an die österreichische Bundesregierung appelliert, sich mit der weltweiten Hungerkatastrophe nicht abzufinden, sondern entschieden dagegen anzukämpfen. "Hunger ist kein Schicksal, Hunger wird gemacht. Es ist unsere Pflicht, alles in unserer Macht stehende zu tun, damit geholfen wird", so der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker bei einer Pressekonferenz in Wien. Rund eine Milliarde Menschen habe nicht genug zu essen, sagte der Bischof. Dabei würden so viele Nahrungsmittel produziert wie noch nie. Schuld an der Katastrophe seien die steigenden Lebensmittelpreise.
Seit 2005 stiegen diese Preise weltweit durchschnittlich um 83 Prozent; Weizen gar um 181 Prozent, Reis seit Jänner 2008 um 20 Prozent. Bünker: "Nur die Hälfte des weltweit produzierten Getreides kommt auf den Teller. Die andere Hälfte wird verfüttert oder in den Autotank gefüllt".
Der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld betonte, dass die Glaubwürdigkeit der Kirchen am Einsatz für die Armen und Benachteiligten gemessen werde. Ein zweifaches Handeln sei notwendig: Akute Hilfe zur Linderung der schlimmsten Not sowie der Einsatz für gerechtere weltweite Wirtschaftsstrukturen.
Auch der evangelisch-methodistische Superintendent Lothar Pöll und Diakonie-Direktor Michael Chalupka unterstrichen die Verpflichtung der Kirchen für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung.
Kritik übten die Vertreter der evangelischen Kirchen an der österreichischen Bundesregierung. Diese sollte umgehend ihre Unterstützung für das UN-Welternährungsprogramm erhöhen. Bischof Bünker verwies auf Deutschland, das aus aktuellem Anlass seine Hilfe um rund 13 Millionen Euro erhöht habe. Österreich müsste im Verhältnis dazu eine Million Euro zusätzlich aufwenden, forderte Bünker.
Bünker, Hennefeld, Pöll und Chalupka unterzeichneten auch einen Brief, der an alle evangelischen Pfarrgemeinden geht und die Gemeindemitglieder zum Spenden für Hilfsprojekte der Diakonie aufruft.
Konkret sollen mit dem Spendenerlös drei Projekte in Somalia, Kenia und Haiti unterstützt werden. Im krisengeschüttelten Somalia werden über Partner der Diakonie rund 25.000 Personen mit Nahrungsmitteln versorgt, in Kenia sind es 30.000 Menschen, vor allem Kinder, schwangere und stillende Mütter sowie ältere Personen. In Haiti wiederum zielt ein Projekt der Diakonie über die unmittelbare Lebensmittelhilfe hinaus auf die nachhaltige Verbesserung der Ernährungslage. Dazu werden Kleinbauern ausgebildet, die Eigenproduktion von Gemüse wird in intensiv bewirtschafteten Hausgärten forciert.