Landau: Wo Integration gelingt, ist sie für alle ein Gewinn
Wien, 24.4.08 (KAP) Damit Integration gelingen kann, braucht es faire Chancen für In- und Ausländer. Das hat der Wiener Caritasdirektor Michael Landau am Donnerstag bei einem internationalen Symposion zum Thema Integration betont. "Integration ist möglich, und wo sie gelingt, ist sie für alle Beteiligten ein Gewinn", so Landau wörtlich. Innenminister Günther Platter hob hervor, dass Mehrheitsgesellschaft und Zuwanderer in gegenseitigem Respekt aufeinander zugehen müssen.
Das Symposion im Caritas-Integrationsprojekt "brunnen.passage" am Brunnenmarkt in Wien-Ottakring fand im Rahmen der vom Innenministerium getragenen Integrationsplattform in Wien statt. Integration sei eine gesellschaftliche Querschnittsaufgabe, und das müsse auch bei den politischen Zuständigkeiten konkret werden, sagte Landau. Neben dem Innenministerium sei auch die Einbindung weiterer Schlüsselressorts in die Debatte dringend nötig: des Bildungsministeriums, des Wirtschafts- und Arbeitsministeriums, des Sozialministeriums. Letztlich sei die gesamte Bundesregierung gefragt.
Der Caritasdirektor erinnerte daran, dass die Kirchen und Religionsgemeinschaften immer wieder auf ein Gesamtkonzept zur Integration drängten, das auf mehreren Säulen ruht: dem Recht auf Familienleben, dem Zugang zum Arbeitsmarkt, einer fairen sozialen Absicherung, Bildung, adäquaten Wohnverhältnissen, politischer Partizipation und einem entsprechenden Zugang zur Staatsbürgerschaft.
Er sei überzeugt, so Landau, dass das Thema Familie ein ganz wesentliches Zukunftsthema in Österreich und in Europa darstellt. Darum wäre es etwa auch hoch an der Zeit, die Situation binationaler Ehepaare endlich zu verbessern. Er denke etwa an das Anliegen der Antragstellung auf Aufenthalt "jedenfalls im Inland."
Weiters habe sich gezeigt, dass das geltende Recht nur unzureichend auf die Situationen faktisch gelungener Integration Rücksicht nimmt. Landau: "Das heißt, wir brauchen im Bereich Bleiberecht mehr Rechtsstaatlichkeit. Konkret geht es um klare, transparente Kriterien, ein nachvollziehbares, objektives Verfahren und einen Instanzenzug." Ein "Gnadenrecht", so wie es heute existiert, sollte in einem Rechtsstaat nicht der Weisheit letzter Schluss sein, mahnte der Caritasdirektor.
Platter: Migranten "konkrete Angebote" machen
Innenminister Platter unterstrich, die Mehrheitsgesellschaft müsse den Migranten konkrete Angebote machen. Zugleich gelte aber: "Integration heißt 'Ja' zu Österreich und seinen Grundwerten." In Bereichen wie Religions- und Meinungsfreiheit oder hinsichtlich der Gleichberechtigung der Geschlechter dürfe es keine Kompromisse geben, so der Innenminister. Die gemeinsame Hausordnung müsse von allen eingehalten werden. Als wichtigen Schlüssel für eine gelungene Integration nannte Platter den Erwerb guter Deutschkenntnisse, ohne die es keine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben geben könne.
Auch Slavko Ninic, Leiter der Musikgruppe "Wiener Tschuschenkapelle", hob die Bedeutung der Sprache für gelingende Integration hervor. Der gebürtige Kroate, der seit 1972 in Österreich lebt, ortete in diesem Bereich auch eine gewisse "Wehleidigkeit" bei Migranten. Zum Erlernen der deutschen Sprache gebe es aber keine Alternative, so Ninic. Das bedeute zugleich aber nicht das Aufgeben der eigenen Muttersprache. Sprachliche Vielfalt sollte vielmehr als Chance und Reichtum wahrgenommen werden. Ninic wies darauf hin, dass mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung zweisprachig aufwächst.
In Richtung österreichischer Mehrheitsgesellschaft richtete Ninic den Appell, die Fähigkeiten der Zuwanderer noch viel stärker als bisher als Zukunftschance für das Land zu sehen.
(Hinweis: O-Töne sind unter http://www.katholisch.at/content/site/presse/otoene/index.html abrufbar)