"Ausgezeichnete Atmosphäre" bei Bischofstreffen
Wien-Budapest, 25.4.08 (KAP) "Die Kirche muss mit einer gemeinsamen Stimme sprechen, um auf europäischer Ebene Themen gegenüber Gesellschaft und Politik deutlich vertreten zu können": Das betonte Kardinal Christoph Schönborn bei der Begegnung der österreichischen und ungarischen Bischöfe am historischen Sitz des ungarischen Primas in Esztergom. "Heute - in einem zusammenwachsenden Kontinent, auf dem das gemeinsame Haus Europa möglichst bald Wirklichkeit werden möge - verbinden uns gemeinsame Sorgen und Themen, die zu Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft werden", sagte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz.
Das dreitägige Treffen der österreichischen Bischöfe mit ihren ungarischen Amtskollegen war von einer herzlichen und offenen Stimmung beim Erfahrungsaustausch geprägt. Der ungarische Primas, Kardinal Peter Erdö, verwies in Esztergom auf den gemeinsamen Weg, den die Bischöfe der beiden Länder seit dem Mitteleuropäischen Katholikentag 2004 gehen. Erdö sprach die Bitte aus, diese Zusammenarbeit noch weiter zu verstärken, da die Kirche nur so die Herausforderungen auf europäischer Ebene besteheen könne.
Auch der Apostolische Nuntius in Ungarn, Erzbischof Juliusz Janusz, würdigte bei der Feier zum Patroziniumsfest der Basilika in Esztergom das ungarisch-österreichische Treffen als "großen Beitrag für das Zusammenwachsen der Völker und die Zusammenarbeit in der Kirche".
Vor zwei Jahren hatten die ungarischen Bischöfe gemeinsam mit dem österreichischen Episkopat in Mariazell getagt. Die gegenseitigen Besuche der Bischofskonferenzen sind eine Konsequenz des Mitteleuropäischen Katholikentags 2004, bei dem eine intensivere kirchliche Zusammenarbeit im mitteleuropäischen Raum vereinbart worden war.
Viele gemeinsame Anliegen
Der Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Msgr. Ägidius Zsifkovics, betonte am Freitag im Gespräch mit "Kathpress" die ausgezeichnete Atmosphäre bei der Bischofsbegegnung: "Man hat gar keinen Unterschied zwischen den Bischöfen der beiden Länder gespürt, es war eine herzliche und sehr offene Stimmung".Es sei erneut deutlich geworden, dass es "viele gemeinsame Anliegen der Kirche in Ungarn und Österreich gibt".
"Ich hatte den Eindruck, dass da etwas gewachsen ist. Es gibt eine breite Dialogbasis über alle sprachlichen Grenzen hinweg", meinte der Mariazeller Superior P. Karl Schauer OSB, der die Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz nach Ungarn begleitet hatte, im "Kathpress"-Gespräch. Die Kirche in Ungarn habe es aus historischen Gründen in der Gesellschaft unverhältnismäßig schwer. "Es gibt eine deutliche liberalistische Grundstimmung. Man möchte der Kirche nicht zugestehen, dass sie gestaltende Kraft hat", so P. Schauer.
Die Gesprächsschwerpunkte
Fünf Punkte standen im Zentrum des bischöflichen Erfahrungsaustausches, der im St. Adalbert-Konferenzzentrum in Esztergom stattfand: Zum Thema Verkündigung und "Neuevangelisierung" berichteten die Bischöfe über Initiativen wie die Stadtmission oder die "Lange Nacht der Kirchen" und den neuen "Boom" bei Wallfahrten und Pilgerwegen. Im gesellschaftlichen Bereich wurde ausführlich über den Schutz des Lebens und die "Allianz für den freien Sonntag" berichtet. Es ging aber auch um die Erfahrungen mit dem ständigen Diakonat. In Ungarn sind derzeit noch viel weniger ständige Diakone als in Österreich eingesetzt. Ein weiterer Unterschied ist, dass in Österreich viele Diakone in der Pfarrseelsorge tätig sind, während die meisten ungarischen Diakone in der Spezialseelsorge (Krankenseelsorge, Gefängnisseelsorge usw.) arbeiten.
Weiteres Thema in Esztergom war die Ungarnseelsorge in Österreich. So soll es für die Tausenden ungarischen Pilger, die jedes Jahr nach Mariazell kommen, in Zukunft einen ständigen ungarischen Seelsorger in dem steirischen Wallfahrtsort geben.
Mariazell ist mit Esztergom durch eine Städtepartnerschaft verbunden. Auch auf der Ebene der Diözesen gibt es zahlreiche Kontakte etwa durch die Stadtmissionen in Wien und Budapest oder zwischen den Diözesen Szombathely und Eisenstadt.
"Gemeinsame Heimat" Mariazell
Kardinal Schönborn nahm darauf Bezug, dass die ungarischen und österreichischen Bischöfe erstmals seit dem Fall der "Schengen-Grenze" am 21. Dezember des Vorjahrs zusammengekommen sind. Durch den Wegfall der Grenzkontrollen seien die Menschen in Mitteleuropa einander wieder ein "sehr großes Stück" näher gekommen. Viele politische Verantwortungsträger in Ungarn, Österreich und in der Europäischen Union hätten sich dafür eingesetzt, ihnen allen gebühre Dank. Für die Bischöfe sei es ein "tiefsinniges Zeichen", dass der 21. Dezember zugleich der "Gründungstag" von Mariazell ist. Gerade an diesem Ort hätten immer wieder viele Pilger aus Ungarn in der schweren Zeit des Kommunismus inständig darum gebetet, dass der Eiserne Vorhang fällt und die Freiheit wieder erlangt werden kann.
Mariazell sei für Ungarn und Österreicher eine "gemeinsame Heimat", unterstrich der Wiener Erzbischof. Der Mitteleuropäische Katholikentag mit der "Wallfahrt der Völker" am 22. Mai 2004 habe es deutlich gezeigt. Ein Höhepunkt dieser Verbundenheit sei auch die Präsenz vieler ungarischer Katholiken mit ihren Bischöfen bei der Pilgerreise Papst Benedikts XVI. anlässlich des 850-Jahr-Jubiläums von Mariazell im Vorjahr gewesen.
Als Frucht des Mitteleuropäischen Katholikentags hätten sich die Bischöfe vorgenommen, das Miteinander zu stärken. Dieses Miteinander sei nie gänzlich abgebrochen gewesen. Auch in der schwersten Zeit des Kommunismus habe es die Verbundenheit im Gebet und große materielle Hilfe im Verborgenen - etwa durch den "Europäischen Hilfsfonds" - gegeben.
In besonderer Weise erinnerte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz an den "entschiedenen Christen und großen Sohn Ungarns", Kardinal Jozsef Mindszenty, dessen sterbliche Hülle jetzt in Esztergom ruht. Dieser "furchtlose Hirte" sei mit Österreich, besonders aber mit Mariazell sehr verbunden gewesen; dort habe Mindszenty nach seinem Tod 1975 auch vorübergehend "Heimat" in der Basilika gefunden.
"Ja zum Leben, ja zum Glauben"
Heute gehe es für die Christen in Österreich und Ungarn um ein "dreifaches Ja", unterstrich Kardinal Schönborn. Das "Ja zum Leben" von seinem Beginn bis zum natürlichen Ende bedeute zugleich auch ein "Ja" für Ehe, Familie und Kinder. Im Sinn eines entschiedenen "Ja zum Glauben" ermuntere Papst Benedikt XVI. die Christen, in "demütiger und selbstbewusster Weise" den Glauben zu leben und ins Gespräch zu bringen; "Dialog" und "Mission" seien für den gläubigen Christen zwei Konsequenzen aus der Gewissheit, "dass Jesus Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist". Dieses "Ja zum Glauben und zum Leben" würden die Christen am Sonntag feiern, "der ein Geschenk für alle Menschen ist". Daher brauche es in der Gesellschaft "starke Allianzen für den arbeitsfreien Sonntag".
Sekretär der Ungarischen Bischofskonferenz zum Bischof ernannt
Während des Treffens der österreichischen und ungarischen Bischöfe in Esztergom wurde auch bekannt, dass Papst Benedikt XVI. den Sekretär der Ungarischen Bischofskonferenz, P. Laszlo Nemet SVD, zum Bischof von Zrenjanin in der serbischen Vojvodina ernannt hat. Die Mehrheit der Katholiken in der Diözese ist ungarischer Sprachzugehörigkeit. Nemet wurde 1956 in der Stadt Odzaci (ungarisch: Hodsag) in der Batschka geboren, 1983 wurde er zum Priester geweiht. Als Steyler Missionar war Nemet 10 Jahre lang auch im Missionshaus der Steyler Missionare in St. Gabriel bei Mödling tätig.
Fotos in Druckqualität von der Bischofsbegegnung stehen unter http://www.katholisch.at/content/site/presse/pressefotos/index.html zum Download bereit.