Kapellari empfing acht Präsidenten im Grazer Dom
Graz, 30.4.08 (KAP) Der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari hat am Dienstagabend acht europäische Staatspräsidenten im Grazer Dom empfangen. Die Präsidenten halten sich auf Einladung von Bundespräsident Heinz Fischer und seiner Frau zu einem zweitägigen "informellen multilateralen Treffen" in der steirischen Landeshauptstadt auf. Kapellari erläuterte den Staatsoberhäuptern die spirituelle Konzeption und die Kunstschätze des gotischen Doms mit seiner barocken Ausstattung. Der Dom sei gemeinsam mit der Grazer Burg - dem Sitz der Landesregierung - und dem benachbarten Mausoleum ein Teil der sogenannten "Grazer Stadtkrone". Durch seine Geschichte und künstlerische Ausstattung sei die Kathedrale "eine europäische Adresse von hohem Rang", erläuterte der Bischof.
Als Zentrum der Diözese Graz-Seckau mit 900.000 Katholiken sei der Dom aber "kein Museum". Er sei vielmehr ein Ort des Gebetes und ein Ort, an dem auch Menschen anderer Religion oder ohne religiöses Bekenntnis einkehren, um die Wahrheit eines Wortes von Dostojewski zu erleben, der gesagt hat: 'Das Schöne wird die Welt retten'", so Bischof Kapellari.
Teilnehmer des Treffens, das am Dienstagnachmittag mit einer ersten Arbeitssitzung zum Thema "Europäische Perspektiven im Lichte des Vertrags von Lissabon" begann, sind die Staatsoberhäupter Tanja Halonen (Finnland), Anibal Cavaco Silva (Portugal), Lech Kaczynski (Polen), Laszlo Solyom (Ungarn), Valdis Zatlers (Lettland), Giorgio Napolitano (Italien) und Horst Köhler (Deutschland).
Der Grazer Bischof verwies beim Besuch der Präsidenten im Dom auf die Geschichte des Gotteshauses. Kaiser Friedrich III., der Vater Kaiser Maximilians I., habe ihn im 15. Jahrhundert in seiner Residenzstadt als seine Hofkirche erbauen lassen. Spätere Habsburgerherrscher machten den Dom zur Kirche der Jesuiten; diese gründeten eine Universität und ein großes Kollegium "mit Ausstrahlung in viele Nachbarländer Österreichs", vor allem nach Ungarn, Tschechien, in die Slowakei, Kroatien und Slowenien. Graz sei so ein "Zentrum der katholischen Reform nach dem Konzil von Trient" gewesen.
Besonders erstklassige Kunstwerke im Dom sind - wie Kapellari weiter erläuterte - zwei Reliquienschreine mit Elfenbeinschnitzereien nach einem Entwurf des berühmten italienischen Künstlers Andrea Mantegna (1431-1506) sowie das Kreuzigungsbild des aus Schwaben stammenden Salzburgers Conrad Laib (ca. 1410-1460) im Obergeschoß der Seitenkapelle, eines der größten spätgotischen Tafelbilder des gesamten Alpenraums.
Orgelimprovisation über Nationalhymnen
Bundespräsident Fischer dankte dem Grazer Bischof für den Empfang im Dom und wies darauf hin, dass Kapellari die Österreichische Bischofskonferenz in der ComECE, der Kommission der Bischofskonferenzen des Eu-Raumes, vertritt. Zudem würdigte der Bundespräsident den Beitrag Kapellaris zur intellektuellen und gesellschaftlichen Debatte in Europa, den er u.a. durch seine zahlreichen Bücher leiste. Fischer, der in Graz geboren ist, kennt Kapellari bereits aus dessen Zeit als Hochschulseelsorger.
Wie Dompfarrer Gottfried Lafer berichtete, improvisierte Domorganist Prof. Emanuel Amtmann auf der Domorgel über die Nationalhymnen jener acht Länder, deren Staatspräsidenten zugegen waren, "was großen Anklang gefunden hat".
