Bischof Küng zum Inzest-Fall in Amstetten
Wien, 3.5.08 (KAP) Maßnahmen zur Vorbeugung gegen Sexualverbrechen sind wichtiger als Strafverschärfungen. Das hat der St. Pöltener Diözesanbischof Klaus Küng in einem Interview in der Samstagausabe der Tageszeitung "Die Presse" zum Inzest-Fall in Amstetten erklärt. Bei derart pervertiertem Verhalten, wie es der mutmaßliche Täter an den Tag legte, stelle sich die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit, so Küng: "Es kann jemand intelligent und begabt und trotzdem zutiefst gestört sein. So jemand kann sehr gefährlich sein, die Frage der subjektiven Schuldhaftigkeit ist aber nicht einfach. Ich halte das Nachdenken über Prophylaxe für wichtiger als die Verschärfung der Strafe."
Der Bischof stellte zugleich Einschätzungen in Frage, wonach das lange Nicht-Entdecken des Verbrechens in Amstetten auf ein autoritäres System zurückzuführen sei, das auch im Katholizismus wurzle. Er habe nicht den Eindruck, dass es hierzulande "ein besonders autoritäres System gibt, und noch weniger, dass es im Katholizismus wurzelt". Gerade in Niederösterreich gebe es viele Gemeinden mit einem guten Miteinander.
Faktum sei aber auch, dass in letzter Zeit durch die "Ausbreitung der Pornografie, durch Erotikmessen und die Liberalisierung der Sexualerziehung ein sittlicher Niedergang stattfindet".
Die Gläubigen sollten diesen Entwicklungen stärker Widerstand entgegensetzen, so der Bischof. Eine Erneuerung des Glaubenslebens sei sehr wichtig. "Ohne Glauben wird der Egoismus immer stärker, die Menschen verrohen und vereinsamen", hob Küng hervor.
Die Pfarrgemeinden müssten zudem ihre Bemühungen in Jugendarbeit und Familienbegleitung intensivieren. "Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist es notwendig, ein Sensorium für Probleme in der Familie zu entwickeln. Dafür hat die Diözese Schulungen durchgeführt; das muss verstärkt werden", sagte der Bischof.