Kirche betroffen über Tod von Politiker Natschläger
Wien, 5.5.08 (KAP) Der Wiener Bischofsvikar, Prälat Karl Rühringer, ist "tief betroffen" vom Tod des Pötzleinsdorfer Pfarrgemeinderats und VP-Bezirkspolitikers Gottfried Natschläger. Der 64-jährige Natschläger war am 23. April von zwei Jugendlichen attackiert worden. In der Nacht vom 2. zum 3. Mai erlag er seinen schweren Verletzungen. "Unsere Anteilnahme gilt in erster Linie der Familie Natschlägers, darüber hinaus aber auch der Pfarrfamilie von Pötzleinsdorf, in der der Verstorbene beheimatet war", so Rühringer zu "Kathpress".
Natschläger war stellvertretender Vorsitzender des Pötzleinsdorfer Pfarrgemeinderats und gerade auf dem Weg zu einer Sitzung des Dekanats Wien-Währing, als er grundlos niedergeschlagen wurde. "Rein menschlich gibt es keine Antwort auf die Frage nach dem 'Warum'", so Rühringer. Er könne diese Frage nur in sein Gebet für den Verstorbenen, dessen Familie, aber auch für die beiden jungen Täter hinein nehmen, so der Bischofsvikar.
Rühringer würdigte das Engagements Natschlägers für die Kirche. Dieser habe neben seinen beruflichen Aktivitäten viel Zeit und Energie für die Pfarre aufgebracht.
Im Wiener Stephansdom hielten Dompfarrer Toni Faber und führende VP-Politiker am Samstag eine kurze Gedenkfeier für Natschläger ab. U.a. gedachten Vizekanzler Wilhelm Molterer und die Minister Josef Pröll und Johannes Hahn des Bezirkspolitikers.
Auch die Katholische Aktion (KA) der Erzdiözese Wien hat den Verstorbenen gewürdigt. Die Kirche in Wien verliere mit Gottfried Natschläger nicht nur einen Katholiken, der jahrzehntelang aktiv in seiner Pfarre Pötzleinsdorf engagiert war, sondern auch einen Menschen, der es erfolgreich geschafft hat, christliche Werte in Politik und Gesellschaft einzubringen, so die KA am Montag in einer Stellungnahme. "In diesem Sinne war Gottfried Natschläger ein Vorbild, dem heutzutage leider immer weniger Christinnen und Christen folgen", so KA-Präsidentin Christa Buzzi wörtlich. Sie forderte dazu auf, dass sich Christen mehr für ihre Werte in der Politik engagieren sollten.
Gesellschaftliches Umdenken notwendig
KA-Präsidentin Christa Buzzi mahnte anlässlich der tragischen Umstände des Todes von Natschläger auch ein gesellschaftliches Umdenken ein. Gerade Kinder und Jugendliche erlebten täglich, dass fast alle gesellschaftlichen Bereiche einem wirtschaftlichen Gewinnbestreben untergeordnet werden. In Familien bleibe oft für Eltern zu wenig Zeit, sich Kindern zu widmen und in Schulen hätten massive Sparmassnahmen dazu geführt, dass es für Schülerinnen und Schüler nahezu keine mehr Möglichkeiten gibt, sich in den "Freigegenständen" am Nachmittag auf sinnvolle Art gemeinsam zu beschäftigen, kritisierte Buzzi.
Die immer mehr zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt habe nicht nur positive Seiten. Oft würden dadurch auch Partnerschaften und Freundschaften leiden, wenn ein gemeinsames Miteinander immer weniger möglich wird. Auch die forcierte Sonntagsöffnung sei dafür ein Beispiel.
Das alles führe dazu, "dass Jugendliche, junge Menschen und auch Erwachsene ihre Arbeit und auch ihr Leben mehr als Belastung denn als Freude empfinden und daraus folgend viel zu oft Zuflucht im Alkohol suchen", so Buzzi. Eine Gesellschaft, die sich nur an den Leistungsstarken orientiert und keinen Raum für die zahlreichen Menschen lässt, die diesem Ideal nicht entsprechen wollen oder können, sei eine unmenschliche Gesellschaft.
Die Politik sei gefordert, "hier entsprechende Maßnahmen zu setzen und auch selbst ihre eigenen Werthaltungen kritisch zu hinterfragen", so Buzzi. Der Ruf nach sicherheitspolitischen Maßnahmen greife viel zu kurz und könne vielleicht einzelne Taten verhindern oder deren Aufklärung unterstützen, ein notwendiger genereller Wandel werde damit aber nicht bewirkt.