Turnovszky: Priesterberuf ist "Beruf mitten im Leben"
Wien, 8.5.08 (KAP) Der Priesterberuf ist ein "Beruf mitten im Leben" und "nichts für verkorkste Persönlichkeiten". Das hat der neue Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky im Gespräch mit "Kathpress" hervorgehoben. Turnovszky wird am kommenden Pfingstmontag im Wiener Stephansdom von Kardinal Christoph Schönborn zum Bischof geweiht.
Eine der Hauptaufgaben für den neuen Weihbischof wird die Begleitung der Priester der Erzdiözese Wien sein. Dazu gehören die Priesterfortbildung, die Begleitung der ausländischen Priester, die Priesterseelsorge aber auch die Personalentwicklung für Priester.
Er persönlich sei vor seiner Ernennung zum Weihbischof mit ganzem Herzen Pfarrer gewesen, so Turnovszky. Dies sei auch sein "Lieblingsberuf" als Priester, so der 43-jährige Geistliche, und er fügt hinzu: "Wir haben eher einen Pfarrermangel als einen Priestermangel. Ich glaube, es wäre wichtig, Priester zu ermutigen, Pfarrer zu sein."
Sieht Problem des Priestermangels in Wien "nicht zu dramatisch"
Zumindest für die Erzdiözese Wien will Turnovszky das Problem des Priestermangels "nicht zu dramatisch" sehen. Die Gründe dafür: "Weil Wien attraktiv ist, bekannt ist und so gut wie jeder Orden eine Niederlassung hat." Turnovszky setzt verstärkt auf Priester aus dem Ausland. "Geistliche aus Ländern, in denen es viele Priester gibt, kommen in Gegenden, wo es weniger gibt. Das halte ich für natürlich und auch vernünftig."
Allerdings, so betonte der designierte Weihbischopf, brauche es eine gute Inkulturation der neuen Priester. Darauf werde er in seiner neuen Funktion großes Augenmerk legen. Turnovszky: "Wie geht es ausländischen Priestern, wenn sie zu uns kommen, und wie geht es einer Pfarre, wenn ein Priester zu ihnen kommt, der nicht Österreicher ist?" Ein gutes Einleben der ausländischer Priester in die österreichische Kirche und Gesellschaft sei absolut notwendig. Turnovszky verwies in diesem Zusammenhang auch auf ein eigenes Ausbildungs- und Begleitprogramm der Erzdiözese Wien, das die ausländischen Priester in einem Einführungsjahr durchlaufen.
Angesprochen auf die "Pfarrerinitiative", die u.a. von Msgr. Helmut Schüller initiiert wurde, meint Turnovszky, dass er durchaus freundschaftliche Kontakte pflege und auch die Sorgen und Fragen der Initiative teile, nicht aber in allem deren Antworten. Turnovszky: "Eine Änderung der Zulassungsbestimmungen zur Priesterweihe halte ich für keine probate Antwort auf den Mangel." Eine solche Entscheidung treffe die Kirche auch nicht innerhalb weniger Jahre. Hier brauche es vielmehr andere Antworten.
Er denke, dass Gott mit der derzeitigen Situation eher zu einem Austausch von "Überfluss- zu Mangelgebieten" ermutigen will. Der neue Weihbischof spricht von einem "Fingerzeig Gottes" und erinnert auch daran, dass es wohl in Westeuropa immer weniger Priester gibt, was die Gesamtkirche betrifft aber von keinem Priestermangel gesprochen werden könne.
Zusammenleben der Kulturen bringe große Chancen
In Wien spüre er ganz deutlich die zunehmende Globalisierung und das verstärkte Zusammenleben der Kulturen, und das bringe auch große Chancen mit sich, den Glauben wieder attraktiver und authentischer zu leben, gab sich Turnovsky zuversichtlich. Eine Auflösung von Pfarren aufgrund zu weniger Pfarrer werde es in der Erzdiözese Wien nicht geben, so der neue Weihbischof unter Verweis auf Kardinal Schönborn.
Turnovszky will sich aber auch dafür einsetzen, dass wieder mehr heimische junge Menschen ihrer geistlichen Berufung nachgehen. Dazu brauche es eine qualifizierte "Berufungsseelsorge": "Es gibt doch viele Männer und Frauen, die sich überlegen, einen geistlichen Beruf zu ergreifen." Diese Menschen gelte es zu vernetzen, um sie spüren zu lassen: "Ich bin nicht der Einzige, der sich das überlegt. Da gibt es andere auch."
Sein Kirchenbild beschreibt Turnovszky mit dem Begriff des "pilgernden Gottesvolkes": "Wir sind gemeinsam unterwegs, nicht als Einzelkämpfer. Und es gilt Rücksicht zu nehmen auf die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Menschen."
Geboren in Luzern
Turnovszky wurde am 21. Juni 1964 in Luzern geboren, wo seine aus Österreich stammenden Eltern für einige Zeit arbeiteten. Bald kehrte die Familie nach Wien zurück. Turnovszky - er hat zwei jüngere Geschwister - wuchs in Wien-Döbling auf und besuchte dort ein humanistisches Gymnasium. Nach der Matura studierte er an der Technischen Universität Wien Technische Chemie. Seit 1987 ist er aktives Mitglied des Malteser Hospitaldienstes Austria. Als Chemiker war er zweieinhalb Jahre tätig, bis er seiner Berufung zum Priestertum folgte und 1992 ins Wiener Priesterseminar eintrat.
1994 folgte ein Auslandsjahr zum Studium im südfranzösischen Toulouse. Am Stadtrand - einer ärmeren Gegend - machte er die Bekanntschaft "mit vielen sozialen Bedürfnissen" und mit sogenannten Arbeiterpriestern. 1997 weihte ihn Weihbischof Krätzl zum Diakon. Nach dem Diakonatsjahr in der Pfarre Perchtoldsdorf wurde er am 29. Juni 1998 von Kardinal Schönborn im Stephansdom zum Priester geweiht.
Die ersten beiden Priesterjahre wirkte er als Kaplan in der Pfarre Jedlesee in Wien 21. Anschließend leitete er fünf Jahre lang die beiden Pfarren Großmugl und Herzogbirbaum im Dekanat Stockerau. Am 1. September 2005 trat er sein Amt als Pfarrer von St. Josef in Baden-Leesdorf an. Im Juli 2006 wurde er Feuerwehrkurat der Freiwilligen Feuerwehr Baden-Leesdorf.
Liebstes Hobby ist dem 43-jährigen Geistlichen das "Wandern in der Natur". Zudem ist er bekennender Eisenbahn-Fan. Auf theologischem Gebiet interessiert sich - bedingt auch durch sein Chemiestudium - besonders für Fragen der Moraltheologie, die neue Technologien vor allem im Bereich der Bioethik betreffen.
Wahlspruch und Wappen
Weihbischof Turnovszkys Wahlspruch lautet "Meine Seele dürstet nach dir" und ist dem Psalm 63 entnommen. Sein Bischofswappen enthält neben dem Wappen der Erzdiözese Wien (Tatzenkreuz) und dem Familienwappen Turnovszky (Doppelturm) im unteren Feld auch einen Baum. Dieser hat für den neuen Weihbischof eine vielschichtige Bedeutung: "Er steht für meine Liebe zur Natur, für die Naturwissenschaft in meinem früheren Beruf, für die Einheit von Gottverbundenheit, symbolisiert in der Baumkrone, und Menschennähe, symbolisiert durch die Verwurzelung." Schließlich erinnere der Baum auch an den Baum des Paradieses und den Baum des Kreuzes, der auf die Erlösung des Menschen verweist. "Gekrönt" wird das Wappen Turnovszkys von einer Mitra mit Prozessionskreuz.
Wien, 7.5.08 (KAP) Der neuernannte Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky wird am Pfingstmontag, 12. Mai, feierlich zum Bischof geweiht. Der Festgottesdienst im Stephansdom beginnt um 15 Uhr. Hauptkonsekrator ist der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, der auch die Predigt halten wird. Mitkonsekratoren werden Weihbischof Helmut Krätzl und der St. Pöltener Weihbischof Anton Leichtfried sein.
Zusammen mit dem Apostolischen Nuntius in Österreich, Erzbischof Edmond Farhat, haben auch zahlreiche weitere Bischöfe aus dem In- und Ausland ihr Kommen zugesagt. So werden auch die österreichischen Diözesanbischöfe Egon Kapellari, Klaus Küng, Ludwig Schwarz, Alois Schwarz, Militärbischof Christian Werner, Altbischof Maximilian Aichern und Weihbischof Franz Scharl dem neuen Wiener Weihbischof die Hände auflegen, ebenso Bischof Vojtech Cikrle aus dem mährischen Brünn und der slowakische Erzbischof Jan Sokol (Trnava/Tyrnau).
Während der Handauflegung durch die anwesenden Bischöfe - einem der zentralen Riten der Bischofsweihe - wird die Pummerin, die größte Glocke Österreichs, läuten.
Vor der Handauflegung sind die Vorstellung des neuen Bischofs, das Verlesen des päpstlichen Ernennungsschreibens und das feierliche Versprechen des Weihekandidaten vorgesehen. Der Handauflegung schließen sich das Weihegebet, die Salbung mit Chrisam-Öl und die Überreichung des Evangelienbuches sowie der bischöflichen Insignien Ring, Mitra und Stab an.
Gäste aus Ökumene und Politik
Zusammen mit den Tausenden Gläubigen und Hunderten Priestern und Ordensleuten werden auch zahlreiche Gäste aus der Ökumene an der Bischofsweihe teilnehmen. Unter anderen haben der orthodoxe Metropolit von Austria, Michael Staikos, der koptisch-orthodoxe Bischof Anba Gabriel und der altkatholische Bischof Bernhard Heitz ihr Kommen zugesagt.
Die Politik wird u.a. durch den zweiten Nationalratspräsidenten Michael Spindelegger, Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka und den Präsidenten des Niederösterreichischen Landtags, Johannes Penz, vertreten sein.
An der Gestaltung der Feier beteiligen sich auch Vertreter der Pfarre Baden St. Josef, woTurnovszky zuletzt als Pfarrer wirkte, der Freiwilligen Feuerwehr Leesdorf sowie des Malteser Hospitaldienstes (Turnovszky wirkte auch als Feuerwehr-Kurat und als Malteser).
Musikalisch wird die Bischofsweihe von der Wiener Dommusik unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Landerer und Dommusikus Thomas Dolezal gestaltet. Der Singkreis Leesdorf und die Leesdorfer "Pfarrband" werden sich ebenfalls musikalisch einbringen.
Zum Abschluss des Gottesdienstes wird der neue Weihbischof zu den Gläubigen sprechen und zu einer Agape auf den Stephansplatz einladen. Für dieses Fest nach dem Weihegottesdienst sind ein Schlauchspalier und andere Darbietungen der Freiwilligen Feuerwehr Leesdorf sowie musikalische Ständchen der Kirchenchöre aus Krummnussbaum und Großmugl geplant.
"Radio Stephansdom" überträgt die Weiheliturgie am Montag ab 15 Uhr live.
Chemiker und Priester
Papst Benedikt XVI. hat Stephan Turnovszky am 6. März zum Weihbischof für Wien ernannt. Turnovszky wurde am 21. Juni 1964 geboren und hat zwei jüngere Geschwister. Er wuchs in Wien-Döbling auf und besuchte dort ein humanistisches Gymnasium. Nach der Matura studierte er an der Technischen Universität Wien Technische Chemie. Seit 1987 ist er aktives Mitglied des Malteser Hospitaldienstes Austria. Als Chemiker war er zweieinhalb Jahre tätig, bis er seiner Berufung zum Priestertum folgte und 1992 ins Wiener Priesterseminar eintrat. 1997 weihte ihn Weihbischof Krätzl zum Diakon. Nach dem Diakonatsjahr in der Pfarre Perchtoldsdorf wurde er am 29. Juni 1998 von Kardinal Schönborn im Stephansdom zum Priester geweiht.
Die ersten beiden Priesterjahre wirkte er als Kaplan in der Pfarre Jedlesee in Wien 21. Anschließend leitete er fünf Jahre lang die beiden Pfarren Großmugl und Herzogbirbaum im Dekanat Stockerau. Am 1. September 2005 trat er sein Amt als Pfarrer von St. Josef in Baden-Leesdorf an. Im Juli 2006 wurde er Feuerwehrkurat der Freiwilligen Feuerwehr Baden-Leesdorf.
Eine der Hauptaufgaben für den neuen Weihbischof wird die Begleitung der Priester der Erzdiözese Wien sein. Dazu gehört beispielsweise die Priesterfortbildung, die Begleitung der ausländischen Priester, die Priesterseelsorge aber auch die Personalentwicklung für Priester.
"Titular- und Auxiliarbischof"
Kirchenrechtlich ist die korrekte Bezeichnung für einen Weihbischof "Titular- und Auxiliarbischof". Er wird für eine Diözese geweiht, die nicht mehr existiert, und ist daher nur dem Titel nach Bischof ("Titularbischof"). Jeder "Titularbischof" wird dem Diözesanbischof einer anderen Diözese als "Helfer" zugeteilt ("Auxiliarbischof"). Der Begriff "Weihbischof" kommt nur in der deutschen Sprache vor.
Entstanden ist die Funktion des Weihbischofs im frühen Mittelalter, als durch die Islamisierung der einstigen Kerngebiete des Christentums (Syrien, Nordafrika, Kleinasien) viele Bischöfe vertrieben wurden und nach ihrer Flucht von Bischöfen im christlich verbliebenen Raum aushilfsweise zu Weihehandlungen herangezogen wurden. Um den Rechtsanspruch auf die Bischofssitze zu erhalten, wurden immer wieder Nachfolger ernannt, auch wenn diese ihr Amt an Ort und Stelle nie antreten konnten. Diese Bischöfe übernahmen dann Hilfsdienste in den Diözesen, denen sie zugeteilt wurden.
Weihbischöfe unterstützen den Diözesanbischof in der Leitung seiner Diözese. Im Auftrag des Bischofs führen sie etwa die regelmäßig vorgeschriebenen bischöflichen Visitationen in den Pfarrgemeinden der Diözese durch und vertreten ihn bei Weihehandlungen (Weihe von Kirchen, Priesterweihe usw.). Nach dem Kirchenrecht kann ein Weihbischof den Diözesanbischof aber nur in den Weihehandlungen vertreten. Für die Verwaltung einer Diözese liegt diese Vertretungsfunktion beim Generalvikar.
Die meisten größeren Diözesen der Welt haben heute einen oder mehrere Weihbischöfe. In der Erzdiözese Wien gab es in den frühen 1980er Jahren außer Erzbischof-Koadjutor Franz Jachym mit Karl Moser, Jakob Weinbacher, Helmut Krätzl und Florian Kuntner vier Weihbischöfe, die Kardinal Franz König unterstützten. Nun hat die Erzdiözese mit Stephan Turnovszky und Franz Scharl zwei Weihbischöfe, denn gleichzeitig mit der Ernennung von Turnovszky hat Benedikt XVI. am 6. März auch das Rücktrittsgesuch von Weihbischof Helmut Krätzl angenommen.
Krätzl war mehr als 30 Jahre Weihbischof in Wien. Zu seinem 75. Geburtstag im Jahr 2006 hatte er, wie vom Kirchenrecht vorgesehen, seinen Rücktritt eingereicht. Er wird aber auch künftig seelsorglich in der Erzdiözese tätig bleiben.